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Spitzeninfrastruktur für medizinische Forschung gefordert

Dienstag, 4. Februar 2014

Berlin – Wenn klinische Forschung in Deutschland international zur Spitze gehören soll, muss eine konsentierte Infrastruktur und Vernetzung zwischen allen (Uni)-Kliniken und Forschungszentren geschaffen werden. Das forderte Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), bei einer Pressekonferenz heute in Berlin. „Medizinische Forschung braucht für Spitzenleistungen auch eine Spitzen-Infrastruktur“, sagte er. Bisher entwickelt jedoch jedes Forschungsnetzwerk seine eigene Telematik-Infrastruktur.

Für den größtmöglichen Erfolg solcher Programme wie beispielsweise die Kompetenz­netze in der Medizin, die Gesundheitsforschungszentren, die Exzellenzcluster und das Nationale Biobanken-Register, sei aber eine Vernetzung auf der bestenfalls europä­ischen oder zumindest nationalen Ebene erforderlich. Fölsch forderte die Politik auf, eine koordinierende Institution zu beauftragen, eine Krankenhausinformatik zu entwickeln. Die Kosten dafür, räumte er allerdings ein, könnten sich im Milliardenbereich bewegen.

Die wachsende Bedeutung der akademischen Medizin und Forschung für Arzneimittel­entwicklung hat der DGIM-Vorsitzende, Michael Peter Manns, betont. „Die Innere Medizin mit allen ihren Schwerpunkten hat in den letzten Jahren und Jahrzenten wesentlich von der medizinischen Grundlagenforschung profitiert“, sagte er. Das ist zugleich das Leit­thema des DGIM-Kongresses, der unter dem Motto „Forschung wird zu Medizin“ im April stattfindet.

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Welche große Rolle universitäre Forschung für die Entwicklung von Medikamenten spielt, zeigt sich laut Manns am Beispiel Hepatitis C. Bisher werden Patienten mit unspezifisch wirkenden Medikamenten behandelt. Nur etwa die Hälfte von ihnen sprach auf die Therapie an, die zudem mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden ist.

„Neue Medikamente erlauben nun direkt antiviral wirkende Therapien, ohne signifikante Nebenwirkungen, mit kaum Wechselwirkungen und Heilungsraten über 80, manchmal sogar über 90 Prozent“, erklärte Manns, der neben seiner Funktion als DGIM-Vor­sitzender die Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie an der Medizinischen Hochschule Hannover leitet.

Ein Wirkstoff wurde seinen Angaben nach bereits im Januar 2014 zugelassen, zwei weitere folgen im Laufe des Jahres. Der Haken: Der bereits zugelassene Wirkstoff kostet nach seinen Angaben rund 20.000 Euro monatlich. Damit belaufen sich die Kosten für eine vorgesehene dreimonatige Therapie auf 60.000 Euro. „Es besteht durchaus Diskussionsbedarf über die Kosten und darüber, welche Patienten diese Therapien bekommen sollen“, räumt Manns ein.

Auch für andere internistische Erkrankungen seien wichtige Innovationen in greifbarer Nähe. So sollen zwei neue Arzneimittel für die Therapie von chronisch-entzündlichen Darm­er­krank­ungen in absehbarer Zeit zugelassen werden. Die neuen Wirkstoffe bieten zwar keine kausale Therapie und damit auch nicht die Heilung, sondern sollen vielmehr zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität führen.

„Bei einem Medikament handelt es um einen neutralisierenden Antikörper gegen zwei entzündliche Mediatoren. Das andere verhindert die Infiltration von weiteren Entzündungszellen in die Darmwand und stellt damit einen komplett neuen Ansatz dar“, sagte Britta Siegmund, Direktorin der Medizinischen Klinik I für Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie am Campus Benjamin Franklin der Charité. Die Einführung der neuen Medikamente biete zudem zusätzlich Therapieoptionen für Patienten, die auf die bisherigen Strategien nicht ansprechen. © ank/aerzteblatt.de

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