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Medizin

Indikation für In-Vitro Fertilisation möglicherweise oft zu früh gestellt

Dienstag, 4. Februar 2014

dpa

Amsterdam – Nach Meinung von Forschern der University of Amsterdam könnten Reproduktionsmediziner die Indikation für eine In-vitro Fertilisation (IVF) bei kinderlosen Paaren häufig zu früh stellen. Die Forscher um Esme Kamphuis schließen dies aus einer Analyse, die sie im British Medical Journal veröffentlicht haben (http://www.bmj.com/content/348/bmj.g252).

Die In-vitro Fertilisation wurde erstmals in den 70er Jahren erfolgreich erprobt. Erkran­kungen des Eileiters waren die ursprüngliche Indikation für diesen Eingriff. Seither wurde das Indikationsspektrum auf eine Reihe anderer Ursachen ausgedehnt, wie idiopathische Sterilität, Endometriose oder schlechte Spermienqualität beim Mann.

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Die Arbeitsgruppe betrachtet diese Entwicklung kritisch. Die idiopathische Sterilität sei mit rund 30 Prozent eine der häufigsten Gründe für den Wunsch, eine IVF vorzunehmen. Als steril gelten laut WHO-Definition Patienten, die nach einem Jahr regelmäßigen Geschlechts­verkehrs keine Kinder zeugen konnten.

in Großbritannien blieb laut den Wissenschaftlern zwischen 2000 und 2011 die Zahl der IVFs wegen Erkrankungen des Eileiters mit rund 7.000 konstant. Im Gegensatz dazu verdreifachte sich in diesem Zeitraum die Zahl der IVF wegen idiopathischer Sterilität von 6.000 auf 19.500. Die Wissenschaftler vermuten, dass diese Zahlen für eine zu häufige und zu frühe Intervention sprechen.

Eine niederländische Studie habe gezeigt, dass rund 60 Prozent aller idiopathisch sterilen Paare nach Beratung in einer Klinik auf natürlichem Wege Kinder zeugen konnten. Eine weitere kontrollierte randomisierte Studie konnte zeigen, dass 25 Prozent der Frauen, die mindestens zwei Jahre nicht schwanger wurden, nach weiteren sechs Monaten doch noch schwanger wurden. Nach drei Jahren betrug der Anteil sogar 75 Prozent.

Ärzte dürfen die Indikation für eine IVF nicht leichtfertig stellen, so die Forscher. Die IVF erhöhe die Wahrscheinlichkeit für Mehrlingsschwangerschaften, welche ihrerseits öfter zu Komplikationen führten. Doch auch Einzelschwangerschaften zeigten nach IVF häufiger Komplikationen, und die Langzeitfolgen für die geborenen Kinder sind nach Ansicht der Wissenschaftler nicht ausreichend erforscht. Empfehlungen des britischen National Institute for Health and Care Excellence Frauen, die jünger als 40 Jahre sind, bereits nach zwei Jahre eine IVF anzubieten, halten die Forscher daher für verfrüht. © hil/aerzteblatt.de

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