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Medizin

Zwei Erkrankungen an neuem Vogelgrippevirus in China

Mittwoch, 5. Februar 2014

dpa

Peking – Während die Zahl der Erkrankungen am Vogelgrippevirus H7N9 in den letzten Wochen angestiegen ist und den früheren Erreger H5N1 bereits „überholt“ hat, ist eine neue Virusvariante H10N8 aufgetaucht. Chinesische Forscher berichten im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)60111-2) über einen ersten Todesfall. In den chinesischen Medien wird eine zweite Erkrankung gemeldet.

Dass Influenzaviren, die normalerweise nur Vögel infizieren, auf den Menschen übertra­gen werden, ist in Einzelfällen immer wieder vorgekommen. Beschrieben sind Konjunkti­vitiden durch H7N2, H7N3, H7N7 und H10N7 oder leichte Atemwegs­erkran­kungen durch H9N2, H7N2, H7N3, H7N7 und H10N7. Schwere Pneumonien mit Todesfolge sind in der Vergangenheit nur mit den Virustypen H5N1 und H7N9 dokumentiert. An einer Influenza A H5N1 sind seit 2003 in 15 Ländern insgesamt 384 Menschen gestorben.

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Die im März letzten Jahres erstmals beim Menschen aufgetretene Influenza H7N9 in China hat bisher (Stand 27. Januar 2014) 70 Todesopfer gefordert. Da sich die Menschen durch den Kontakt mit dem Geflügel infizierten, das Virus aber in aller Regel nicht auf andere Menschen übertragen wurde, besteht derzeit keine Gefahr einer Epidemie. Für die Zukunft auschließen können dies die Experten natürlich nicht.

Die erste Erkrankung an der neuesten Variante H10N8 ist bereits Ende letzten Jahres in Nanchang, der Hauptstadt der Provinz Jiangxi, im Landesinneren von China aufgetreten. Nach der Rekonstruktion durch Yuelong Shu von den chinesischen Centers for Disease Control and Prevention in Peking, hatte die 73-jährige Frau am 23. November einen der in China populären Geflügelmärkte besucht. Vier Tage später bemerkte sie grippale Symptome, zwei Tage später entwickelte sie hohes Fieber (38,6°). Tags darauf wurde sie hospitalisiert, zwei Tage darauf auf die Intensivstation überwiesen. Am Tag 9 nach Symptombeginn starb sie an einem Multiorganversagen.

Eine antivirale Therapie mit Oseltamivir (75 mg zweimal täglich ab Tag 6) hatte den Verlauf der Erkrankung nicht mehr wenden können, obwohl die Viren in Labortests empfindlich auf Neuraminidase-Inhibitoren reagiert hatten. Shu führt den raschen Tod zum einen auf eine hohe Virulenz des Erregers zurück, der über eine Verankerung an den Sialinsäuren-Rezeptoren in die Atemwegsepithelien eindringen konnte und dessen PB2-Gen (kodiert eine Polymerase) in einer Weise mutiert war, die die Virusvermehrung gesteigert haben könnte.

Shu weist aber auch darauf hin, dass die Patientin eine Reihe von Vorerkrankungen (Hypertonie, Koronare Herzkrankheit und Myasthenia gravis, Zustand nach Thymektomie) aufwies, die die Abwehrkräfte ihres Körpers geschwächt haben könnten.

Die Mutation im PB2-Gen ist für Mitautor Qi Jin von der Chinesischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften in Peking Anlass zur Besorgnis, da das Virus durch sie ansteckender für andere Menschen werden könnte. In der Klinik oder im familiären Umfeld der Patientin sind jedoch keine weiteren Erkrankungen bekannt geworden. Die Herkunft des Virus blieb unklar, da die Untersuchung der auf dem Markt gehandelten Tiere negativ verliefen.

Das Virus war zuvor schon zweimal bei Vögeln aufgetreten, einmal in einer Wasserprobe in einem See in der Provinz Hunan und das andere Mal auf einem Geflügelmarkt in der Provinz Guangdong. Die Suche nach der Quelle gestaltet sich dem Vernehmen nach schwierig, da die Vögel nicht erkranken und die Händler nicht an einer Aufklärung interessiert sind.

Bislang gibt es keine Hinweise auf eine mögliche Epidemie, obwohl die Zeitungen in China über eine zweite Erkrankung aus Nanchang  berichten. Seit dem 15. Januar soll dort eine 55-jährige Frau in einer Klinik wegen einer Influenza A/H10N8 im Krankenhaus behandelt werden. Sie befand sich laut einer Agenturmeldung am 27. Januar in einem kritischen Zustand. Jin erinnert daran, dass nach dem ersten Todesfall an der Influenza A H5N1 1997 in Hong Kong sechs Monate vergingen, bis weitere Erkrankungen auftraten. Das „pandemische Potential“ des neuen Virus dürfe deshalb nicht unterschätzt werden, schreiben die Forscher. © rme/aerzteblatt.de

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