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„Unübersichtlich“ und „inkompetent“: Studie zeigt Schwachstellen von GKV und PKV

Donnerstag, 6. Februar 2014

dpa

Berlin – „Das System der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung ist hochkomplex und aufgrund zahlloser Reformen intransparent und unübersichtlich. Die Finanzströme sind verworren.“ Das ist eines der Fazits aus der Studie „Faktencheck Gesundheits- und Versicherungssystem in Deutschland“, die über 60 im „ZukunftskreisGesundheit“ zusammengeschlossene Akteure aus gesetzlicher Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) und privater Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) erstellt haben. Ziel der von der PremiumCircle Deutschland GmbH (PCD) initiierten Studie war es, die Komplexität des deutschen Gesundheitssystems zu durchdringen und Schwachstellen sowohl in GKV und PKV zu benennen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Finanzierungsgrundlage des GKV-Systems nicht für die Bereitstellung der Strukturen erfolge, sondern nur durch die Abrechnung einzelner Fälle. Krankenhäuser und Ärzte seien darauf angewiesen, Krankheitsfälle zu erhalten und zu behandeln. Reiche das nicht, müssten diese erzeugt werden.

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Kein Qualitätswettbewerb im GKV-System
„Die Kontrolle der Beteiligten und die Verteilung der einzelnen Budgets für Leistungs­ausgaben findet vor allem untereinander statt“, heißt es weiter. „Ein Qualitätswettbewerb innerhalb des GKV-Systems ist kaum ersichtlich.“

Markus Reick, Geschäftsführer der PCD, kritisierte falsche Anreize in der Vergütung des GKV-Systems: „Im Krankenhausbereich ist die Vergütung abhängig von der Menge. Das ist ein billiges und negatives Anreizsystem.“ Man dürfe sich deshalb nun nicht darüber beschweren, wenn die Krankenhäuser diesen Anreizen folgten und ihre Leistungsmenge ausweiteten.

Das „planwirtschaftliche System“ der GKV verharre in sich und sei mit sich selbst beschäftigt, heißt es weiter in der Studie. Impulse könnten von einzelnen Institutionen und Akteuren kaum noch ausgehen. Die Auswirkungen der Änderungen würden gleich von allen anderen betroffenen Akteuren negativ kommentiert. Verharren verbleibe insofern als einzig erfolgversprechende Überlebensstrategie.

Das Modell der privaten Kran­ken­ver­siche­rung „ist theoretisch gut. Doch nur wenige der privaten Versicherungsunternehmen setzen es als solches um“, kritisierte der Geschäftsführende Gesellschafter der PCD, Claus-Dieter Gorr. Dies sei aber kein Systemproblem, sondern ein Problem bestimmter Unternehmen. „Denn PKV ist nicht gleich PKV“, so Gorr.

PKV: Tarifangebote zu komplex
Negativ sei, dass nur ein kleiner Teil der Bürger in Deutschland überhaupt ein Wahlrecht habe und sich alternativ zum GKV-System für eine private Krankheitskosten­vollver­sicherung entscheiden könne, heißt es in der Studie. „Die Auswahl einer privaten Kran­ken­ver­siche­rung ist ein komplexer Schritt. Es gibt aktuell 91 Tarifsysteme mit 1.289 unterschiedlichen Leistungsinhalten, wovon einige existenzielle Folgen für den Versicherten haben können“, zum Beispiel durch Lücken in der Versicherungsleistung.

Die Produkte würden unter wirtschaftlichen Anreizen und breitflächig nach dem „Vertriebsmodell Vertrauen“ verkauft. Eine inhaltlich angemessene, qualifizierte Beratung könne nur auf Basis einer hohen Fachkompetenz der Vermittler stattfinden. Diese liege in der Breite unter anderem aufgrund fehlender Qualifikationsanforderungen nicht vor.

Neben der Analyse der beiden Versicherungszweige enthält die Studie auch ein komplexes Schaubild, das sowohl die Akteure des deutschen Gesundheitswesens als auch deren Abhängigkeiten untereinander aufzeigt. © fos/aerzteblatt.de

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