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Medizin

Hochspannungs­leitungen: Studie sieht kein Leukämierisiko

Freitag, 7. Februar 2014

dpa

Oxford – Kinder, die in der Nähe von oberirdischen Hochspannungsleitungen auf­wachsen, haben – zumindest in der Gegenwart – kein erhöhtes Risiko, an einer Leu­kämie zu erkranken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Fall-Kontroll-Studie im British Journal of Cancer (2014; doi: 10.1038/bjc.2014.15). Die Autoren korrigieren damit die Ergebnisse ihrer früheren Untersuchung, in der eine Assoziation gefunden worden war.

Die frühere Studie, die vor 9 Jahren im British Medical Journal (BMJ 2005; 330: 1290) publiziert wurde, waren Wissenschaftler der Universität Oxford noch zu dem Ergebnis gekommen, dass das Leukämierisiko in der Nähe von Hochspannungsleitungen ansteigt. Die Studie basierte auf 9.700 pädiatrischen Leukämierkrankungen aus den Jahren 1962 bis 1995.

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Die erkrankten Kinder waren der gleichen Anzahl von nicht erkrankten Kindern gegen­übergestellt worden, um zu untersuchen, ob die leukämierkrankten Kinder häufiger in der Nähe von Überlandleitungen aufgewachsen waren. Dies war damals der Fall gewesen. Für einen Abstand von weniger als 600 Metern ermittelten Gerald Draper von der Child­hood Cancer Research Group der Universität damals ein um 69 Prozent erhöhtes Leukämierisiko (relatives Risiko 1,69; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,13 bis 2,53).

Die Studie folgte einer Reihe von Studien, die ebenfalls auf ein mögliches Leukämierisiko hingewiesen hatten. Bereits 2002 war die International Agency for Research on Cancer, eine Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation, in einer Monographie zur Einschätzung gelangt, dass niederfrequente magnetische Felder, wie sie unter Hoch­spannungsleitungen entstehen, für den Menschen „möglicherweise karzinogen“ (Gruppe 2B) seien, wenn auch nur auf der Basis von „begrenzten“ epidemiologischen Daten und „nicht ausreichenden“ tierexperimentellen Befunden.

Jetzt haben Kathryn Bunch von der Childhood Cancer Research Group und Mitarbeiter die Untersuchung wiederholt unter Berücksichtigung von fast 16.500 pädiatrischen Leukämieerkrankungen aus dem Zeitraum bis 2008. Dieses Mal wurde kein erhöhtes Risiko mehr gefunden. Für Kinder, die in den 1960er Jahren geboren wurden, bestand zwar ein Trend (relatives Risiko 4,50; 0,97-20,83) für ein erhöhtes Risiko im Abstand von weniger als 200 Metern zu einer Überlandleitung.

In den 2000er Jahrgängen war dies jedoch nicht mehr erkennbar (relatives Risiko 0,71; 0,49-1,03) und auch über den gesamten Zeitraum gesehen kam es in der Nähe der überirdischen Hochspannungsleitungen nicht zu einem Anstieg von Leukämie­erkrankungen (relatives Risiko 1,12; 0,90-1,38).

Die Unterschiede zur früheren Untersuchung führt Bunch teilweise auf die größere Genau­ig­keit der neuen Studie zurück. Es bleibe aber die Möglichkeit, dass in den 1960er und 1970er noch ein erhöhtes Leukämierisiko bestanden haben könnte. Worauf dieses beruht haben könnte, sei aber ein Rätsel. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #114417
dr.k.h.tiedemann
am Samstag, 8. Februar 2014, 13:12

Leukämierisiko und Stromleitungen - Studie nicht aussagefähig

Leider ermittelt die Studie nicht das, was sie vorgibt. Tatsächlich ist die Auswirkung von Stromleitungen hinsichtlich des Leukämierisikos von der vorherrschenden magnetischen Flussdichte abhängig. Diese ergibt sich aus der Spannung und der Stromstärke, mit der die Leitung beaufschlagt wird. Der Abstand zur Stromleitung ist dagegen ein sekundärer Parameter, der sich gemäß Abstands-Quadrat-Gesetz aus den beiden genannten Parametern ergibt. Epidemiologische Studien haben ein Verdoppelungsrisiko für die ALL der Kinder ab 0,4. µTesla ergeben. (Grenzwert derzeit 200 µTesla). Allerdings haben nur etwa 0,9 bis 2,4 aller in Europa lebenden Kinder eine Ganztagesexposition von mehr als 0,4µ Tesla. Die in den Gruppen der Studie enthaltene Anzahl der Kinder mit einer entsprechenden Exposition ist viel zu klein sein um eine Unbedenklichkeit herauszuarbeiten. Somit ist das vorliegende Studiendesign nicht geeignet die entsprechende Aussage zu treffen.
Dr. K.-H. Tiedemann
Arzt für Umweltmedizin
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