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Politik

Rhein­land-Pfälzischer Gesundheits­minister fordert neue Wege gegen Hausarztmangel

Freitag, 7. Februar 2014

Mainz – Der Ärztemangel auf dem Land in Rheinland-Pfalz wird nach Ansicht von Gesund­heitsminister Alexander Schweitzer (SPD) zunehmend ein Problem. Ein Drittel der Ärzte in Rheinland-Pfalz sei um die 60 Jahre oder älter, sagte Schweitzer am Donnerstagabend in der SWR-Sendung „Zur Sache Rheinland-Pfalz!“.

„Ich sehe natürlich auch die Entwicklung, insbesondere im ländlichen Raum“, so der Minister. Gefragt seien neue innovative Wege. Konkret heiße das etwa, Zweigpraxen sowie angestellte Ärzte weiter zu unterstützen. Schweitzer zufolge sind 60 Prozent der Absolventen Medizinerinnen, die mit ganz anderen Erwartungen an ihren Beruf gehen.

„Sie wollen nicht unbedingt Tag und Nacht zur Verfügung stehen und sind auch eher weniger bereit, sich für eine Praxisgründung zu verschulden“, erklärte der Politiker. Deshalb seien hier Modelle nötig, um Ärzte im Angestelltenverhältnis mit festen Arbeits­zeiten aufs Land zu holen. Schweitzer: „Wir müssen die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch für die neue Ärztegeneration viel stärker in den Blick nehmen.“

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Mit dem Wegfall der Pflicht, am Praxisort zu wohnen, sei bereits ein wichtiger Schritt getan. Weitere Maßnahmen würden im Rahmen eines Hausarztförderprogramms des Landes umgesetzt werden, dass nach Schweitzers Angaben von Haus- auf Fachärzte erweitert wurde. „Wir müssen neu nachdenken, wie wir den Hausarztberuf attraktiv machen können und dabei die Bedürfnisse der jungen Generation unbedingt mit einbeziehen“, erklärte der Ge­sund­heits­mi­nis­ter. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 9. Februar 2014, 13:21

Das ist doch schon lange politisch so gewollt...

... es fängt schon damit an, dass heute die Abiturnote das Hauptmotiv für das Medizinstudium geworden ist. Dann kommt das Thema "Fachwahl": Als Student lerne ich nur die spezialisierte fachärztliche Medizin kennen, den Hausarzt nur als den zuweisenden Stümper...
Wenn die Entscheidung zur Weiterbildung ansteht, habe ich die Wahl, entweder Spezialist zu werden - das bedeutet ein angenehmes Dasein ohne unvorhergesehene Notfälle mit planbaren Arbeitszeiten und Umsätzen, oder internistisch/allgemeinmedizinisches hausärztliches "Frontschwein" mit einer offenen Sprechstunde, der nie morgens weiss, ob er abends zu Essen zuhause ist, während der Grippezeit ohne Mehrhonorar 12-Stunden-Schichten schiebt, Hausbesuche macht, für deren Honorar ein Handwerker nicht mal den Weg schafft, und das Regressrisiko für die fachärztlich angeordnete Medikation tragen darf.
Wer den interessanten und spannenden Beruf des Hausarztes derart unattraktiv macht, sollte nicht in Wehklagen verfallen, wenn niemand mehr diesen Beruf ausüben will, schon gar nicht auf dem Land.
Avatar #110206
kairoprax
am Sonntag, 9. Februar 2014, 11:20

das Ende der Freiberuflichkeit

Behauptungen, was Ärztinnen und Ärzte wollen und wie die Demographie sich entwickelt werden mehr und mehr zum Selbstzweck und zum Alibilieferaneten für Maßnahmen, die über kurz oder lang entweder in eine Staatsmedizin oder in eine Konzernmedizin führen.
Entweder ist man dann als Arzt der Kommune angebunden oder einem der jetzt schon dominierenden provaten Krankenhausbetreiberkonzern.

"Landarztberuf attraktiver machen?" - mehr als ein Schlagwort ist das nicht,und es verdreht das, was in den letzten Jahren gemacht worden ist ins genaue Gegenteil.
Warum ist der Weg aufs Land denn unattraktiv geworden? Doch nicht deswegen, weil es nicht genügend MVZ und angestellte Ärzte gab!

Im Gegenteil.
Arztpraxen auf dem Land werden systematisch aufgekauft und in die MVZ in den Städten verlagert, Der organisierte Notfalldienst wird den Niedergelassenen weggenommen (und damit rund 10% ihrer Einkommen!) und die KVen betreiben konkurrierend sogenannte Notfallpraxen, wieder in den Städten und wieder in der Nähe der Krankenhäuser.

Die Honorare der Niederglassenen sind budgetiert und gedeckelt, entwickeln sich sein Jahren nicht mehr nach dem Bedarf. Das Schlagwort vom "ambulant-vor-stationär" wurde zwar faktisch zwaqr umgesetzt, weil immer mehr prä- und poststationäre Arbeit auf die Praxen abgewälzt wird, aber der Honorarausgleich macht diese Etwicklung nicht mit.

Und selbst bei der Facharztausbildung legt man den potentiellen Hausärzten Knüppel vor die Beine. Die Ausbildung zum Allgemeinarzt ist immer noch in den Kliniken angesiedelt und die angehenden Allgemeinärzte werden schlechter gestellt als ihre Kollegen, die eine stationäre Laufbahn einschlagen.

Ist es da ein Wunder, wenn insbesondere junge Frauen lieber den leichteren Weg einschlagen und sich anstellen lassen?

Der unübersehbare Nachteil für unsere Ärztezukunft ist, daß man uns von hier nach da stecken kann, in die Ambulanz oder ins MVZ, in den OP oder in den Fahrdienst am Wochenende.

Das was heute das deutsche Gesundheitswesen so attraktiv macht, Praxen mit Schwerpunkten, Homöopathen neben fachärztlichen Internisten, ambulante Operateure, Landärzte und Fachärzte für Allgemeinmedizin, allgemeinärztliche Internisten und alle Richtungen der Fachärzte von Geburtshilfe bis Psychiatrie, es wird untergehen. Die Fahrwege werden länger werden und die Anonymität und Austauschbarkeit wird zunehmen.

Vermutlich wird das System trotzdem teurer werden als es heute ist, denn weder die Kommunen noch die Konzerne werden den Krankenkassen so viel Willkür in der Hinorarverweigerung und Gängelung möglich machen, wie sie es mit uns real noch existierenenden Freiberuflern können.

Ja, und was machen wir dagegen?
Wir demontieren unsere KV und stürzen uns auf Selektivverträge, verkaufen unsere Landpraxen und gehen wie die Lemminge in die MVZ.

Ich bin froh, daß ich auch schon zu den Übersechzigjährigen zähle, aber ich werde dieses auslaufende System nicht verlassen, sondern weitermachen, so lange es mir meine Gesundheit und die Politiker erlauben.

Dr.Karlherinz Bayer, Bad Peterstal
LNS

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