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Quebec will Sterbehilfe legalisieren

Montag, 10. Februar 2014

Quebec/New York – Die kanadische Provinz Quebec will Sterbehilfe legalisieren. Bislang ist Sterbehilfe in ganz Kanada verboten. Es gab zwar immer wieder Vorstöße, dies zu ändern. Zuletzt musste sich das Parlament der kanadischen Zentralregierung in Ottawa vor vier Jahren mit einer entsprechenden Initiative befassen. Die große Mehrheit der Politiker wandte sich jedoch dagegen. Nun wagt Quebec den Alleingang.

Mitte Februar werden die Parlamentarier der Provinzregierung in der gleichnamigen Hauptstadt über das Gesetz mit dem Titel „Fürsorge am Ende des Lebens“ abstimmen. Ist die Mehrheit für „Bill 52“, dürfen Ärzte in Quebec künftig schwerst Kranke so stark sedieren, dass diese nach Tagen oder Wochen im künstlichen Koma sterben. Oder aber sie können ihnen Medikamente verabreichen, die direkt zum Tode führen. Von Sterbehilfe selbst ist in dem Gesetzestext allerdings nicht die Rede. Dort heißt es „palliative sedation“ - palliative Sedation - und „medical aid in dying“ - medizinische Hilfe beim Sterben.

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Beide Begriffe wurden dem Bericht „Sterben in Würde“ entnommen, den eine vom Quebecer Parlament vor zwei Jahren eingesetzte Kommission erstellt hat. Die Autoren des Berichts, die Hunderte Experten und Betroffene gehört haben, räumen ein, dass „medical aid in dying“ eine Umschreibung für Sterbehilfe sei. Dieser Begriff sei aber negativ belegt. Gleichzeitig werden beide Methoden – Sedierung und Sterbehilfe – zu Formen der medizinischen Behandlung erklärt. Für den Quebecer Alleingang ist gerade dies von großer Bedeutung.

Eigentlich gilt Sterbehilfe als Straftatbestand – und ist als solche Angelegenheit der Zentralregierung. Quebec argumentiert nun, Sterbehilfe sei die logische Fortsetzung von palliativer Behandlung am Lebensende. Damit wäre das eine Frage der Gesundheitsvorsorge – und die ist Sache der Provinzen. Laut jüngsten Umfragen sind zwei Drittel der Kanadier für Sterbehilfe. Kritiker wenden ein, dass viele Menschen nicht wüssten, was genau Sterbehilfe sei. Auch fürchteten viele Kranke, lange leiden zu müssen.

Palliativmediziner warnen
Die Palliativmedizin ist in Kanada noch rückständig. Je nach Wohnort haben nur 16 bis 30 Prozent der Patienten Zugang zu ihr. Der Aufstand von Kirchen und Organisationen gegen das geplante Gesetz ist groß. Palliativ-Mediziner warnen davor, Sterbehilfe als palliative Begleitung zu definieren. „Das ist gefährlich“, schreibt eine Koalition von Gegnern in einem Aufruf. Das Leben eines schwer kranken Menschen zu beenden oder ihn zu sedieren, könne nicht als Palliativmedizin bezeichnet werden, bei der die Verbesserung der Lebensqualität im Mittelpunkt stehe.

Auch die katholischen Bischöfe von Quebec zeigen sich entsetzt: „Den Tod eines kranken Menschen zu verursachen hat nichts mit Pflege zu tun. Eine Todesspritze ist keine Behandlung.“ Die Bischöfe weisen darauf hin, dass Patienten schon jetzt das Recht hätten, Behandlungen abzubrechen. Das neue Gesetz würde es aber Ärzten erlauben, den Tod herbeizuführen. „Das verstößt gegen grundlegende menschliche Werte.“

Wie die Zentralregierung reagieren wird, wenn das Sterbehilfe-Gesetz in Quebec durchgeht, ist ungewiss. Laut Strafgesetzbuch, das auch für Quebec gilt, ist Sterbehilfe weiterhin verboten. Die Regierung in Ottawa könnte deshalb über die Gerichte klären lassen, dass sich Quebec mit Angelegenheiten befasst, die eigentlich in den Autoritätsbereich der Zentralregierung fallen – und das Gesetz so für nichtig erklären. Parallel zur Debatte um Sterbehilfe ist der Jahrzehnte alte Streit um die Hilfe beim Selbstmord aufgeflammt. Die ist in Kanada anders als etwa in Deutschland ebenfalls verboten.

Mitte Januar entschied das Oberste Gericht des Landes jedoch, sich das Themas aufzugreifen. Das letzte Mal haben die Richter dies vor 20 Jahren getan, als sich Sue Rodriguez, die unter der unheilbaren Nervenkrankheit ALS litt, das Recht auf Hilfe beim Selbstmord erklagen wollte. Damals entschied der Supreme Court, dass es nicht rechtmäßig sein könne, jemandem dabei zu helfen, sich umzubringen. © kna/aerzteblatt.de

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