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Medizin

Efavirenz: Niedrigere Dosis in Studie sicher und verträglich

Dienstag, 11. Februar 2014

Sydney – Wird Efavirenz, ein von der Welt­gesund­heits­organi­sation empfohlener Wirk­stoff zur Behandlung der HIV-Infektion, zu hoch dosiert? Eine randomisierte Studie im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(13)62187-X) kommt zu dem Ergebnis, dass eine Tagesdosis von 400 mg in einer gängigen Kombination ausreicht, die Virusre­plikation dauerhaft zu hemmen. Die niedrige Dosierung verbesserte gleichzeitig die Verträg­lichkeit.

Efavirenz wurde 1998 nach Nevirapin als zweiter nichtnukleosidaler Inhibitor der reversen Transkriptase (NNRTI) zugelassen. Es wird heute von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) in der Kombination mit Tenofovir plus Emtricitabin oder Lamivudin zur Erstbe­handlung der HIV-Infektion empfohlen. Die Tagesdosis beträgt 600 mg, obwohl in der (nicht publizierten Dosisfindungsstudie) bereits 200 mg eine gleich gute Wirkung erzielte, wie Rebekah Puls vom Kirby Institute an der Universität von New South Wales in Sydney berichtet. Die relativ hohe Dosis sei damals aus Sorge vor Resistenzen gegen NNRTI gewählt worden.

Ein Nachteil von Efavirenz besteht darin, dass es in der Leber über P450-Enzyme abgebaut wird, deren Bildung durch andere Wirkstoffe gesteigert wird. Dazu gehört beispielsweise Rifampicin, ein Standardmedikament zur Behandlung der Tuberkulose. Rifampicin senkt die Wirkstoffkonzentration von Efavirenz nach kurzer Zeit um ein Drittel, was einer Senkung der Dosis von 600 mg auf 400 mg entspricht.

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Zwei Studien aus Südafrika haben laut Puls gezeigt, dass die Wirkung von Efavirenz trotz gleichzeitiger Einahme von Rifampicin gut war. Dies gab Anlass zur Durchführung der internationalen ENCORE1-Studie, an der 630 Patienten an 38 Zentren in 13 Ländern (unter anderen in Deutschland) teilnahmen. Die Patienten wurden über 48 Wochen mit einer Kombination aus Tenofovir plus Emtricitabin plus Efavirenz behandelt, wobei die Patienten je zur Hälfte auf eine Efavirenzdosis von 400 mg oder 600 mg randomisiert wurden. Patienten mit aktiver Tuberkulose wurden von der Teilnahme an der Studie ausgeschlossen.

Wie Puls berichtet, war Efavirenz in beiden Dosierungen gleich effektiv. Die Zahl der Patienten mit einer Viruslast von unter 200 Kopien pro ml war unter der niedrigen Dosierung sogar tendenziell höher (94,1 versus 92,2 Prozent). Gleichzeitig sank der Anteil der Patienten mit Efavirenz-spezifischen Nebenwirkungen signifikant von 47 auf 37 Prozent. Schließlich erholten sich die CD4-Zahlen der Patienten unter der niedrigen Dosierung signifikant besser. Der Unterschied betrug nach 48 Wochen 25 Zellen pro mm3.

Dies alles spricht für die Empfehlung einer niedrigeren Dosierung, zu der auch der Editorialist Jens Lundgren von der Universität Kopenhagen rät. Die Dosissenkung müsse allerdings mit Vorsicht erfolgen, zum einen mit Blick auf die noch nicht vorliegenden Langzeitergebnisse der ENCORE1-Studie. Zum anderen müsse bei einer niedrig dosierten Therapie sorgfältig darauf geachtet werden, dass die Patienten keine weiteren Medikamente einnehmen, die P450-Enzyme induzieren.

© rme/aerzteblatt.de

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