NewsÄrzteschaftÄrzte gegen Freigabe der „Pille danach“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Ärzte gegen Freigabe der „Pille danach“

Dienstag, 11. Februar 2014

Berlin/München – Die Rezeptpflicht für Levonorgestrel, auch „Pille danach“ genannt, sollte bestehen bleiben. Das hat der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, heute im Deutschlandfunk betont. Montgomery wies in diesem Zusammenhang besonders auf die ärztliche Beratung hin. Oft werde die Pille danach von jungen Mädchen nach dem ersten Geschlechtsverkehr nachgefragt.

„Da geht es nicht einfach, dass man eine Pille über den Tresen der Apotheke schiebt. Wir möchten den großen Vorteil des deutschen Gesundheitssystems wahren, dass man in einem Gespräch mit einem Arzt eine kompetente Beratung bekommt, wie so etwas auch für die Zukunft verhindert werden kann“, so der BÄK-Präsident.

Am Donnerstag wird der Bundestag über das Thema debattieren. Bundesgesundheits­minister Hermann Gröhe (CDU) hatte sich im Vorfeld bereits gegen die Freigabe ausgesprochen. Aus seiner Sicht seien ein „zügiger, diskriminierungsfreier Zugang“ zu dem Verhütungsmittel und eine gute Beratung am besten gewährleistet, wenn es bei der Verschreibungspflicht bleibe, erklärte Gröhe in der Welt am Sonntag. Damit stellt sich der Minister gegen die Empfehlung des zuständigen Sachverständigenausschusses am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Auch SPD, Grüne und Apotheker forderten den Minister am Wochenende zur Freigabe des Mittels auf.

Anzeige

Gegen die Freigabe spricht sich die Bayerische Ärztekammer (BLÄK) aus. „Die Pille bedeutet einen gravierenden Eingriff in den Hormonhaushalt, daher brauchen betroffene Frauen eine kompetente Beratung durch einen Arzt“, so BLÄK-Vizepräsidentin Heidemarie Lux. Es handle sich um ein Notfallmedikament mit Nebenwirkungen. Zu diskutieren seien stets auch die Wirksamkeit und Verträglichkeit. So gelte es beispiels­weise, das Thromboserisiko der Frau abzuklären und auf Nebenwirkungen hinzuweisen.

Mit der bloßen Abgabe der „Pille danach“ sei es zudem nicht getan. Eine Beratung über Kontrazeptionsmöglichkeiten gehöre immer dazu. Ob dies eine Apotheke im Nacht- und Notdienst leisten könne, bezweifelt der Präsident der Kammer, Max Kaplan: „Wie wollen Apotheker nachts bei der Abgabe über ein Fenster die Risikoabklärung durchführen, die Verantwortung dafür übernehmen, dass das Medikament nicht missbräuchlich angewen­det wird und eine Beratung über Empfängnisverhütung leisten“, hinterfragte er.

Einen weiteren Aspekt nannte Montgomery im Deutschlandfunk: Es sei zu bedenken, dass die Entlassung von Levonorgestrel aus der Verschreibungspflicht die Möglichkeit der Werbung für das Präparat eröffne. „Das sind Dinge, die wir nicht für vernünftig halten“, betonte der Ärztechef. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #549367
Frauenärzte am Potsdamer Platz
am Montag, 6. August 2018, 09:47

"Pille danach"

Der Kollege hat natürlich völlig recht, wir stellen aber fest, daß zunehmend die "Spirale danach" ( Kupferspirale, Kupferkette, Kupferball ) statt der "Pllle danach" von den Patientinnen gewünscht wird.

https://www.frauenaerzte-am-potsdamer-platz.de/Spirale
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 17. Juli 2014, 20:37

@ Frauenärzte am Potsdamer Platz

Da sollte man doch etwas selbstkritischer sein und wenigstens seine Wiederholungen im Deutschen Ärzteblatt recherchieren:
Am 8.11.2013 unter
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/56501/Bundesrat-fuer-rezeptfreie-Abgabe-der-Pille-danach?s=ulipristalacetat
erklärte der Berufsverband der Frauenärzte, "Der Verband wies zudem darauf hin, dass das Mittel Levonorgestrel als „Pille danach“ weniger wirksam sei als das Präparat Ulipristalacetat, dass auch nach der Initiative des Bundesrats nach wie vor verschreibungspflichtig bleiben würde."

Am 14.1.2014 Verbandspräsident Christian Albring: "Levonorgestrel sei das am wenigsten wirkungsvolle Mittel ist, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Das Risiko, trotz des Medikaments schwanger zu werden, sei mehr als doppelt so hoch wie bei dem verschreibungspflichtigen Präparat Ulipristalacetat."
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/57199/Expertengremium-befuerwortet-Rezeptfreiheit-fuer-die-Pille-danach?s=ulipristalacetat

Am 16.1.2014 habe ich die Fakten zur postkoitalen Kontrazeption (NL: "pechpill") noch einmal zusammengefasst - http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/57238/Montgomery-warnt-vor-Freigabe-der-Pille-danach?s=ulipristalacetat

Am 20.3.2014 wies das BfArM auf unterschiedliche Effekte und Risiken hin
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/58023/Risiken-bei-Pille-danach-unterschiedlich?s=ulipristalacetat

Am 27.3.2014 wies die Bundesregierung auf ihre Einschätzung zum Themenkomplex Levonorgestrel (PiDaNa®) und Ulipristalacetat (EllaOne®) hin
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/58122/Regierung-Pille-danach-soll-vorerst-rezeptpflichtig-bleiben?s=ulipristalacetat

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #549367
Frauenärzte am Potsdamer Platz
am Mittwoch, 16. Juli 2014, 14:25

Pille danach

Bei der ganzen, teils hitzigen Diskussion über die Rezeptpflicht der „ Pille danach „ wird immer wieder völlig übergangen und es wird nicht berücksichtigt, dass es zwei Präparate gibt, „Pidana“ und „Ella one“.
Es bleibt immer unberücksichtigt, dass es bei den Diskussionen immer nur um die Pille „Pidana“ geht, die schlechter wirksame Pille, die auch billiger ist. Dieses Präparat ist von uns noch nie verschrieben worden.

Frauenärzte, die sicher gehen wollen und ihren Patientinnen eine besser
wirksame „Pille danach“ geben wollen, rezeptieren normalerweise das Präparat „ Ella one“ , die wirksamere und etwas teuere Pille, die auch mit größerem Abstand zum ungeschützten Sex eingenommen werden kann ( bis zu 5 Tagen ). Dieses Präparat soll aber aufgrund bestimmter pharmakologischer Eigenschaften sowieso rezeptpflichtig bleiben.

Diese Tatsache wird bei der Diskussion und in den Medien aber niemals angesprochen.
Avatar #678673
Phoenix2012
am Mittwoch, 12. Februar 2014, 10:58

Apotheker...

...im Notdienst erkläre ich immer den Patientinnen alles zu Ihrer Pille danach.
Der notdiensthabende Chirurg konnte leider nichts dazu sagen...
Oder ich werde angerufen....Hallo , ärztlicher Notdienst, wie heißt überhaupt die Pille danach.....und erklären Sie bitte der Patientin, wie es geht...
...
Kompetenz sieht da ja wohl anders aus.
Herr Montgomery sollte sich mal weniger aus dem Fenster lehnen...
Schließlich halten wir uns bei Ihrer diagnostischen Kompetenz auch zurück.
Zwei mal 8 Wochen Pharmakologie - Blockkurs berechtigen nicht wirklich dazu den Hafen derart aufzureißen....
Konzentrieren wir uns doch besser auf unsere gemeinsamen Feinde, die es bisher gut verstanden haben uns gegenseitig aufzuhetzen...
LNS

Nachrichten zum Thema

27. Juni 2017
Warschau – Die nationalkonservative Regierung in Polen hat den Zugang zur „Pille danach“ eingeschränkt. Präsident Andrzej Duda unterzeichnete das im Mai vom Parlament verabschiedete Gesetz, nach dem
Polen schränkt Zugang zu „Pille danach“ ein
26. September 2016
London – Eine Reihe von Medikamenten, die in der Leber den Abbau von Levonorgestrel durch das Enzym CYP 3A4 beschleunigen, kann die Effektivität der Notfallkontrazeption gefährden. Darauf macht die
CYP-3A4-Induktoren: Medikamente und Naturheilmittel gefährden Notfallkontrazeption
31. März 2016
Köln – Seit einem Jahr können Frauen die „Pille danach“ rezeptfrei in der Apotheke kaufen. Die Hauptinformationsquelle bleibt aber weiterhin der Arzt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des
Arzt bleibt für die „Pille danach“ Informationsquelle Nummer eins
17. November 2015
Berlin - Die Verkaufszahlen der sogenannten Pille danach sind nach dem Ende der Rezeptpflicht gestiegen, um sich nach drei Monaten auf konstantem Niveau einzupendeln. Das ergeben Zahlen der
„Pille danach“ wird nach Wegfall der Rezeptpflicht häufiger verkauft
2. Juni 2015
Waldems-Esch – Der Absatz von Notfallkontrazeptiva ist um rund ein Viertel gegenüber den absatzstärksten Monaten 2014 gestiegen, seit die sogenannte Pille danach rezeptfrei in Apotheken erhältlich
Absatz der „Pille danach“ um ein Viertel gestiegen
6. April 2015
München – Bayerns Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml (CSU) hat vor einem sorglosen Umgang mit der „Pille danach” gewarnt. Durch die seit März geltende Rezeptfreiheit dürfe nicht der Eindruck
Huml warnt vor sorglosen Umgang mit der „Pille danach”
16. März 2015
Berlin – Die Präparate zur Notfallkontrazeption EllaOne mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat und Pidana mit dem Wirkstoff Levonorgestrel sind ab sofort rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Eine
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER