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Medizin

Kryptokokkose: Tamoxifen könnte gegen Pilzinfektion wirken

Dienstag, 11. Februar 2014

Rochester – Das Medikament Tamoxifen, das zur Hormontherapie des Mammakarzinom eingesetzt wird, ist laut einer Studie in mBio (2014; 5: e00765-13) möglicherweise auch bei der Kryptokokkose wirksam, einer opportunistischen Pilzinfektion, die bei HIV-Infizier­ten eine tödliche Meningoenzephalitis auslösen kann.

Das Team um Damian Krysan von der Universität in Rochester im Bundesstaat New York untersucht gezielt ältere Medikamente auf eine Wirkung bei der Kryptokokkose. Die Infektion mit dem Pilz Cryptococcus neoformans ist eine häufige Infektion bei Aids-Pa­tienten. Bei einem Befall des Gehirns kann die Kryptokokkose tödlich enden. Weltweit sterben jährlich 620.000 Menschen an der Pilzinfektion.

Es gibt zwar eine wirksame Therapie. Als Goldstandard gilt die Kombination aus Amphotericin B und Flucytosin. Beide Medikamente müssen jedoch intravenös gegeben werden, was neben den hohen Kosten den Einsatz bei Aids-Patienten in ärmeren Ländern erschwert. Die Ärzte sind dort auf das weniger zuverlässige  Antimykotikum Fluconazol angewiesen.

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Krysan hat ältere und kostengünstige Wirkstoffe gescreent, die idealerweise oral verfügbar sind. Dabei stieß der Forscher auf Tamoxifen. Tamoxifen ist als “Antiöstrogen“ bekannt. Das Molekül gehört jedoch chemisch zu einer Gruppe von Substanzen, die auch gegen Cryptococcus neoformans wirksam sein könnten. Tamoxifen ist oral verfügbar und überwindet die Blut-Hirn-Schranke.

Die Konzentration im Gehirn ist 10- bis 100-fach höher als im Serum. Das Molekül wird dort von Makrophagen aufgenommen, in deren Lysosomen sich auch Cryptococcus neoformans vermehrt. Die Laborexperimente von Krysan ergaben, dass Tamoxifen und der verwandte Wirkstoff Toremifen gegen Cryptococcus neoformans wirksam ist. Die Wirkung von Tamoxifen beruht den Experimenten zufolge auf der Bindung von Calmo­dulin. In den Experimenten wurde die Wirkung von Fluconazol um den Faktor 4 verstärkt.

Die Kombination der beiden oral verfügbaren Mittel wäre deshalb für den Einsatz in Entwicklungsländern interessant. Vor einem Einsatz wären jedoch noch eine Reihe von vorklinischen und klinischen Studien notwendig. Krysan hofft außerdem, durch die Veränderung des Moleküls die Wirkung von Tamoxifen weiter verstärken zu können. © rme/aerzteblatt.de

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