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Medizin

Studie: Lebendspender haben erhöhtes Risiko auf Nierenversagen

Mittwoch, 12. Februar 2014

dpa

Baltimore – Nur wenige Nierenspender erkranken im weiteren Verlauf ihres Lebens an einem terminalen Nierenversagen. Das Risiko war in einer Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; doi: 10.1001/jama.2013.285141) jedoch deutlich höher als in einer Vergleichsgruppe mit gleichem Gesundheitszustand.

Der erste Nierenspender wurde 79 Jahre alt. Ronald Herrick starb  Ende Dezember 2010, fast genau 56 Jahre nachdem der US-Chirurg Joseph Murray ihm eine Niere entnommen und seinem Zwillingsbruder implantiert hatte. Herrick starb an den Folgen einer Herzoperation, die ihm verbliebene Niere leistete bis zum Schluss ihren Dienst.

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Dies dürfte auch bei den allermeisten der 96.217 Menschen der Fall sein, die zwischen April 1994 und November 2011 in den USA einem Angehörigen oder Bekannten eine Niere gespendet haben. Von ihnen sind bisher nur 99 an einem terminalen Nieren­versagen (ESRD) erkrankt.

Hochgerechnet auf die Gesamtlebenszeit kommt das Team um Dorry Segev von den Johns Hopkins Medical Institutions in Baltimore auf eine Inzidenz von 90 ESRD auf 10.000 Lebendspender. Das ist deutlich weniger als in der Gesamtbevölkerung, wo von 10.000 Menschen 326 im Verlauf des Lebens dialysepflichtig werden.

Dieser Vergleich ist jedoch nicht fair, da als Lebendspender nur Menschen mit einem sehr guten Gesundheitszustand akzeptiert werden. Segev hat die Lebendspender deshalb mit einer Auswahl gesunder Teilnehmer der dritten Third National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES III) verglichen. Voraussetzung war, dass sie die Kriterien für Organspender erfüllen, was bei weniger als der Hälfte der etwa 20.000 Teilnehmern der Fall war.

Die kumulative Inzidenz in den ersten 15 Lebensjahren auf ein ESRD betrug in dieser Kontrollgruppe nur 3,9 auf 10.000 Personen gegenüber 30,8 pro 10.000 bei den tatsächlichen Lebendspendern. Die Lebenszeit-Inzidenz schätzt Segev in der Vergleichsgruppe auf 14 pro 10.000 gegenüber den genannten 90 pro 10.000 unter den Lebendspendern.

Die kumulative 15-Jahres-Inzidenz auf eine ESRD stieg mit dem Alter bei der Spende bis auf 70,2 pro 10.000 bei den über 60-Jährigen. Sie war bei Afroamerikanern (74,7) deutlich höher als bei „Hispanics“ (32,6) oder Amerikanern europäischer oder anderer Herkunft (22,7). Männer erkranken nach einer Lebendspende doppelt so häufig wie Frauen (44,1 versus 21,1 pro 10.000). Interessanterweise war die Inzidenz auch bei Spendern, die mit dem Empfänger biologisch verwandt waren, höher als bei nicht verwandten Spendern (34,1 versus 15,1 pro 10.000).

Die Unterschiede in den ethnischen Untergruppen zeigen, dass die Übertragbarkeit auf andere Länder eingeschränkt ist. Eine Untersuchung aus Norwegen kam im letzten Jahr jedoch ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Lebendspender ein erhöhtes Risiko auf eine ESRD haben (Kidney Int. 2013; 27: 460-65). Das Team um Hallvard Holdaas von der Universität Oslo ermittelte außerdem eine leicht erhöhte kardiovaskuläre und Gesamtsterblichkeit.

Für den einzelnen Spender bleibt die Gefahr denkbar gering, versichert John Gill von der University of British Columbia in Vancouver im Editorial. Prospektive Spender sollten jedoch über das Risiko informiert werden. Gill rät außerdem, die Spender jährlich auf den möglichen Beginn einer Nierenfunktionsstörung hin zu untersuchen. © rme/aerzteblatt.de

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