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Politik

Laumann sieht die flächendeckende patientennahe Versorgung gefährdet

Donnerstag, 13. Februar 2014

Karl-Josef Laumann /dpa

Berlin – „Das Gesundheitssystem und der Pflegebereich haben eine dienende Funktion gegenüber den Menschen“, stellte der Pflegebevollmächtigte und Patientenbeauftragte der Bundesregierung heute bei seinem ersten Pressespräch seit Amtsantritt in Berlin klar. Staatssekretär Karl-Josef Laumann, der zuvor CDU-Fraktionschef im nordrhein-westfälischen Landtag war,  will „alles transparenter machen, denn nur das schafft Vertrauen bei den Menschen“.

Laumann sorgt sich, dass eine flächendeckende patientennahe Versorgung bald nicht mehr überall gewährleistet sei. „Die Entwicklung bei den Hausärzten finde ich sehr bedenklich“, sagte er. Denn Hausärzte seien ein „unverzichtbarer Pfeiler in den Versorgungsstrukturen“. Die Gründe, warum sich gerade auf dem Land kaum noch Nachfolger für Hausarztpraxen finden, seien vielfältig.

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Kontakt zu Medizintsudierenden suchen
Laumann will deshalb unter anderem „mit Medizinstudierenden ins Gespräch kommen, um herauszufinden, warum so wenige in die hausärztliche Versorgung gehen“. Die Rolle der Allgemeinmedizin an den medizinischen Fakultäten sei nur ein Grund dafür.

Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz, das die Arbeit für Ärzte in ländlichen Regionen attraktiver machen soll, ist nach Ansicht des Patientenbeauftragten „noch nicht umgesetzt worden“. Laumann findet es wichtig, weiter darüber nachzudenken, „wie wir Ärzte begeistern können, aufs Land zu gehen“. So sollten auch die Kommunen verstärkt über Anreize nachdenken, fordert er.

Als Pflegebevollmächtigter will Laumann dazu beitragen, dass die Pflege in den nächsten Jahren eine zentralere Rolle spielt im Gesundheitssystem, sowohl im Krankenhaus als auch im Altenpflegebereich: „Da muss etwas passieren.“ Der demografische Wandel und damit eine enorme Zunahme an Pflegebedürftigen, „spätestens wenn die Babyboomer ins hochbetagte Alter kommen“, seien unaufhaltsam.

Um ausreichend Pflegekräfte zu gewinnen, müssten diese deutlich besser bezahlt werden als bisher. „Es kann nicht sein, dass Zeitarbeitsfirmen examinierte Krankenpfleger für elf Euro brutto die Stunde einstellen“, sagte Laumann. Er will eine Studie in Auftrag geben, die die unterschiedliche Bezahlung von Pflegekräften in den Regionen untersucht. „Pflegekräfte sollten genauso viel verdienen wie ein guter Handwerker“, forderte Laumann.

Pflegeversicherung "Erfolgsmodell"
Die Pflegeversicherung, die nächstes Jahr 20 Jahre alt wird, bezeichnete der Bevollmächtige als „Erfolgsmodell“. Sie habe die Pflege erheblich erleichtert, weil sie entsprechende Strukturen geschaffen hat  und auch sozial­ver­sicherungs­pflichtige Arbeitsplätze. Die Anhebung des Pflegeversicherungsbeitrags um 0,5 Prozentpunkte durch die neue Bundesregierung sei deshalb gerechtfertigt. „Die Tatsache, dass bei der Erhöhung kein Aufschrei durch die Bevölkerung ging, zeigt mir, dass es hier einen gesellschaftlichen Konsens gibt“, sagte Laumann.

Schließlich will sich Laumann in seiner Amtszeit für die Umsetzung des seit langem von Experten geforderten neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes einsetzen, damit auch Menschen mit Demenz und psychischen Erkrankungen bessere Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten. © pb/aerzteblatt.de

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Carmen P. Baake
am Sonntag, 16. Februar 2014, 19:11

Das ist die Lösung! Pflegekräfte sollen so viel verdienen wie ein guter Handwerker.

Freuen sich Pflegekräfte über solche plakativen Versprechen? Nein. Und warum nicht? Weil ihre Arbeit am Menschen und für Menschen mehr wert sein sollte.

Wir müssen uns fragen, was uns gute Pflege wert ist. Und zwar nicht nur den Beitragszahlern, sondern den Gemeinden, Städten, Bundesländern und dem Bund. Diese haben sich seit Einführung der sozialen Pflegeversicherung sukzessive aus der Verantwortung gestohlen und die Lasten auf die Beitragszahler und die Beschäftigten in der Pflege abgewälzt. Der Gesetzgeber hat dafür gesorgt, dass Unternehmer in der Pflege und in Krankenhäusern agieren können. Ja, sie halten, wenn man so will die Versorgung über Wasser. Gerade in der Pflegeversicherung hat der Gesetzgeber aber zugleich dafür gesorgt, dass diese Unternehmer die Löhne der Pflegekräfte niedrig halten müssen, um überhaupt Gewinne zu erzielen, die ihre Investitionen in diesen Bereich rechtfertigen. Das Problem der niedrigen Entlohnung der Pflegekräfte hat seine Ursache also in der zu geringen Vergütung für die Pflegeleistungen, die gemäß den Vorgaben der Politik von den Pflegekassen knallhart durchgepeitscht wird. Was soll ein kleiner Pflegedienstinhaber auch anderes tun als in die ruinösen Vergütungsangebote einzuwilligen, wenn alle Pflegekassen gemeinsam dies von ihm verlangen. Die Alternative wäre aufgeben. Und tatsächlich geben viele ambulante Pflegedienste in den ersten fünf Jahren nach ihrer Gründung auf.

"Pflegekräfte sollen so gut verdienen wie ein guter Handwerker"?
1. Reicht das, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen?
2. Welche Maßnahmen sind geplant, um den in der Pflege tätigen Unternehmern überhaupt den finanziellen Freiraum zu geben, der ihnen eine solche Bezahlung ihrer Mitarbeiter ermöglicht?
3. Und warum will Herr Laumann erst einmal eine Studie in Auftrag geben, mit der ermittelt werden soll, in welchen Regionen wie viel an Pflegekräfte gezahlt wird? Wenn er seine Aussage ernst meint, wäre dann nicht eine Studie darüber sinnvoll, was gute Handwerker verdienen, um die so ermittelten Werte 1 : 1 für die Vergütung von Pflegekräften vorzugeben?
LNS

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