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Medizin

Borreliose: Xenodiagnose mit blutsaugenden Zecken

Donnerstag, 13. Februar 2014

dpa

Boston – US-Forscher haben sich eine ungewöhnliche Methode zur Diagnose der Lyme-Borreliose ausgedacht. Sie setzen nicht-infizierte Zecken auf die Haut der Patienten und suchen in dem aufgesaugten Blut der Parasiten später nach den Genen von B. burgdorferi. Erste Ergebnisse wurden jetzt in Clinical Infectious Diseases (2014; doi: 10.1093/cid/cit939) vorgestellt.

Die Lyme-Borreliose wird heute in der Regel durch den Nachweis von Antikörpern dia­gnos­tiziert. Da auch überstandene Erkrankungen eine serologische Narbe hinterlassen, kann der Test prinzipiell nicht zwischen einer aktiven und einer überwundenen Infektion unterscheiden. Dies erschwert die Zuordnung eines Post-treatment Lyme Disease Syndrome (PTLDS) zu einer möglicherweise chronischen Infektion mit den Borrelien.

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Das PTLDS ist gekennzeichnet durch anhaltende Schmerzen in Muskeln und Gelenken sowie eine Reihe von Allgemeinsymptomen, unter der 10 bis 20 Prozent der Patienten nach einer Antibiotikatherapie leiden. Der Antikörpertest kann hier nicht entscheiden, ob Bakterien im Körper überlebt haben.

Die Idee der Xenodiagnose geht davon aus, dass die Zecken als Überträger der Erkran­kung die Bakterien bei einem Stich nicht nur in den Körper injizieren, sondern zur Auf­recht­erhaltung der Infektionskette auch neue Bakterien mit der Blutmahlzeit aufnehmen. In diesem Fall müssten die Erreger im Magendarmtrakt der Milben nachweisbar sein.

Das Team um Linden Hu vom Tufts Medical Center in Boston hat diese Hypothese jetzt an 36 Erwachsenen überprüft. Darunter waren zehn Patienten mit einem PTLDS sowie zehn Personen, bei denen ein ungewöhnlich hoher Antikörpertiter auf eine anhaltende Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Erreger hindeutete. Weitere fünf Patienten hatten ein Erythema migrans, das nach einer Antibiotikatherapie noch nicht abgeheilt war. Ein weiterer Patient mit Erythema migrans hatte die Therapie beim Setzen der diagnostischen Zecken gerade erst begonnen. Die übrigen zehn Probanden waren gesund.

Das Team arbeitete mit Zecken, die sie zuvor im Labor gezüchtet hatten und die nachweisbar frei von Borrelien waren, als sie – bis zu 30 Stück pro Proband – auf die Studienteilnehmer losgelassen wurden. Wenn möglich wurden die Zecken an die Stelle eines früheren Erythema migrans oder in der Nähe eines erkrankten Gelenkes gesetzt.

Wie Hu versichert, haben alle Probanden den Stich und den folgenden (vergleichsweise geringen) Blutverlust gut überstanden. Nachdem die Zecken sich vollgesaugt hatten, wurden sie getötet und auf eine mögliche Infektion mit B. Burgdorferi hin untersucht. Neben der Polymerasekettenreaktion kamen bakterielle Kulturen und eine Massen­spektros­kopie zum Einsatz.

Nicht immer lieferten die Zecken genug Blut für die Untersuchung. Bei 23 Patienten mit Lyme-Borreliose konnte jedoch wenigstens eine Zecke untersucht werden. Bei 19 der 23 Probanden wurde kein Hinweis auf eine Infektion gefunden, bei zwei Patienten waren die Ergebnisse unklar. Bei den übrigen beiden Patienten lieferte die Xenodiagnose jedoch ein positives Ergebnis: Darunter war der Patient mit Erythema migrans, der erst mit dem Zeckenstich die Antibiotikabehandlung begonnen hatte.

Der andere Patient gehörte zur Gruppe der PTLDS-Patienten. Bei ihm hatten offenbar Bakterien die Antibiotikatherapie überlebt. Da es sich um einen Einzelfall handelt, wären Rückschlüsse auf die Pathogenese der PTLDS voreilig. Hu will die Studie aber fort­setzen, um zu bestimmen, wie viele Patienten nach der derzeit empfohlenen Antibiotika­therapie noch Borrelien im Blut haben. © rme/aerzteblatt.de

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