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Medizin

Entwurmungsmittel aus der Tiermedizin bei Schulkindern wirksam

Donnerstag, 13. Februar 2014

Basel – Oxantel, das seit den siebziger Jahren in der Tiermedizin zur Entwurmung eingesetzt wird, ist auch beim Menschen ein sicheres und effektives Anthelminthikum. In einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2014; 370: 610-620) beseitigte Oxantel in Kombination mit Albendazol auch den Peitschenwurm Trichuris trichiura, gegen den derzeitige Mittel oft versagen.

In den westlichen Ländern sind Wurminfektionen bei Kindern sehr selten geworden. In vielen Entwicklungsländern mit prekären sanitären Verhältnissen sind sie weiter die Regel. Weltweit sollen eine Milliarde Menschen mit Spul-, Haken- oder Peitschenwurm infiziert sein. Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) empfiehlt zur Eindämmung eine jährliche Entwurmungsbehandlung von Kindern und Risikogruppen wie Feld- und Minenarbeiter.

Im Jahr 2012 sollen mehr als 260 Millionen Tabletten mit Albendazol oder Mebendazol ausgegeben worden sein. Die Mittel erzielen gegen Spul- und Hakenwürmer eine gute Wirkung. T. trichiura übersteht jedoch in der Regel die Entwurmung. Dabei wird seit 1974 mit Oxantel ein Mittel angeboten, das auch gegen T. trichiura wirksam ist. Es wurde jedoch niemals als Humanarzneimittel eingesetzt und geriet deshalb bei Tropen­medizi­nern in Vergessenheit.

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Als Mitarbeiter des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts in Basel ihre Studie auf der Insel Pemba vor der Küste Tansanias planten, hatten sie zunächst ein Beschaffungsproblem. Oxantel wird in der Tiermedizin nur in Kombinationspräparaten eingesetzt und die veterinär-medizinischen Hersteller weigerten sich, den Einzelwirkstoff für klinische Versuche beim Menschen abzugeben. Die Tropenmediziner waren deshalb auf die Zusammenarbeit mit Pharmazeuten der Universität Basel angewiesen, die schließlich eine für Kinder geschmacklich und farblich attraktive Tablettenform herstellen konnten.

Die erste Feldstudie auf Pemba verlief sehr vielversprechend. Wie das Team um Jennifer Keiser berichtet, befreite Oxantel (in Kombination mit Albendazol) bereits nach einmaliger Einnahme 31 Prozent der Schulkinder komplett von einer lästigen Infektion mit T. trichiura. Die Monotherapie mit Mebendazol schaffte dies nur bei 12 Prozent der Kinder. Insgesamt senkten Oxantel plus Albendazol die Anzahl der Wurmeier um 96 Prozent gegenüber einer Reduktion um 75 Prozent mit der Monotherapie mit Mebendazol. Eine Kombination von Oxantel mit Albendazol war notwendig, weil Oxantel allein nicht gegen Spul- und Hakenwürmer wirksam ist.

Die Schweizer Tropenmediziner arbeiten derzeit an einer Optimierung von Dosierung und Abgabeschema des Medikaments. Mittelfristig hoffen sie darauf, dass die WHO Oxantel auf die Liste der empfohlenen Anthelminthika aufnimmt und die Hersteller zur Produktion der notwendigen Mengen bereit sind. © rme/aerzteblatt.de

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