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Ärzteschaft

Ärztevertreter fordern Erhalt der Tarifpluralität

Freitag, 14. Februar 2014

Berlin/Dortmund/Jena/Köln – Ärztevertreter haben davor gewarnt, die Tariffreiheit von Krankenhausangestellten zu beschneiden. Angesichts der von der Politik geplanten Einheitstarife für jedes Krankenhaus wiesen die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) und die Lan­des­ärz­te­kam­mer Thüringen zudem auf das grundgesetzlich geschützte Recht der freien Gewerkschaftswahl hin.

„Die Gewerkschaften müssen sich gemeinsam dem Ansinnen der Arbeitgeberverbände entgegenstellen, die Tarifbindung der Beschäftigten weiter zu schwächen“, forderte MB-Vorsitzender Rudolf Henke. Die jüngsten Drohungen der kommunalen Arbeitgeberverbände, Betriebe aufzuspalten oder zu privatisieren, zielen seiner Ansicht nach auf eine Zersplitterung der Tariflandschaft zum Nachteil aller Arbeitnehmer in diesem Land. Schon jetzt hätten 42 Prozent der Beschäftigten keinen Anspruch auf tarifvertraglich geregelte Arbeitsbedingungen.

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Ingo Flenker, 2.Vorsitzende des Marburger Bundes NRW/RLP, warf der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) „organisierte Tarifflucht“ vor. „Die Arbeitgeber­verbände wollen offensichtlich mit radikalen Forderungen aus der hierzulande bewährten sozialen Marktwirtschaft ausbrechen“, kommentierte der MB-Bezirksvize.

Wie weit diese arbeitnehmerfeindliche Zersplitterung allein im Krankenhaussektor schon geraten sei, zeige die Tarifvertrags-Bilanz des MB: Demnach schloss die Ärztegewerk­schaft in ihrer über 60-jährigen Geschichte bislang über 160 Tarifverträge für angestellte Ärzte in Kliniken ab.

Währenddessen macht sich auch die Lan­des­ärz­te­kam­mer Thüringen für einen Erhalt der Tarifpluralität stark. Die Kammer kritisierte das Bestreben der Großen Koalition, künftig nur noch einen Tarifvertrag pro Klinik zu akzeptieren, als hochproblematisch. Vor allem angesichts des in Thüringen weiter anhaltenden Ärztemangels hält der Kammervorstand den Erhalt der Tarifpluralität für unverzichtbar: „Die Attraktivität der Arbeit in unseren Krankenhäusern hängt insbesondere für jüngere Kollegen davon ab, dass sie selbst bestimmen können, wer ihre Arbeitsbedingungen aushandelt“, betonte Sebastian Roy, Vizepräsident der Lan­des­ärz­te­kam­mer und MB-Vorsitzender in Thüringen. Er befürchtet zudem, dass die Einführung der Tarifeinheit keinesfalls zur Stärkung des Betriebs­friedens beitrage, sondern aufgrund der Zunahme einzelvertraglicher Regelungen eher das Gegenteil  eintreten werde. 

„Es muss das gemeinsame Ziel aller Gewerkschaften sein, tariflose Zustände zu über­winden. Das geht nur, in dem die Bedeutung selbstbewusster, tarifmächtiger Gewerk­schaften stärker ins Bewusstsein der Arbeitnehmer gerückt wird“, betonte MB-Chef-Henke. Die von den Arbeitgeberverbänden geforderte gesetzliche Verordnung der Tarifeinheit diene wie auch die Aufspaltung von Betrieben letztlich dazu, die freie gewerk­schaftliche Interessenvertretung in den Betrieben zu hintertreiben und das Streikrecht der Arbeitnehmer einzuschränken. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #661036
ArztundEuropa
am Samstag, 15. Februar 2014, 21:01

Dank dem Marburger Bund haben wir längs eine Tarifeinheit....

hier geht es doch nur noch um Chefarztgehälter.

Kollegen, deren Gehälter unter dem Tarif des Marburger Bundes liegen, sind vor allem unsere Ausländische Kollegen, die in Deutschland zu Dumping Preisen arbeiten.

Da in Westfalen-Lippe bereits 8 v. 10 Ärzte Ausländer sind (sprich 80%), werden schon mehr als 42% der Ärzte nicht nach dem Tarif des Marburger Bundes bezahlt.
Hinzu kommen vielleicht sogar noch alle Assistenzärzte die die Ausbildung zum Hausarzt und in den niedergelassenen Praxen!!
Aber Herr Henke hat sowieso ein Paar Probleme mit Statistiken und seinen Versprechen. Meiner Meinung nach setzt er als Bundestagsabgeordneter mehr die Interessen von Frau Merkel durch, als die seiner Kollegen (insbesondere bewusst falscher Auskünfte seines Versorgungswerkes NR und die Verweigerung zu Auskünften über die Rentenformel und wie die Überleitungen berechnet werden etc....

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe entzieht sich ganz Ihrer Verantwortung. Araber seien Stipendiaten und ansonsten hätte die Ärztekammer nicht mir den Einstellungen an den Krankenhäusern zu tun. Meine Herren Kollegen, ich glaube das letzte Wort ist da noch nicht gesprochen.
Der Ärztekammer sind die Namen ausländischer Chefärzte (u.a. Professoren )bekannt, die ohne eine Stellenausschreibung "en Masse" griechische Kollegen mit 6 Jahresverträgen nach Deutschland holen und auch noch auf die peripheren Nachbarhäuser verteilen. Diese Kollegen werden nicht nach dem Marburger Bund bezahlt und vor allem haben Sie keine tariflichen Arbeitszeiten.

Ein strenger NC mit langen Wartezeiten, die auch zu starken Rentenkürzungen führen, für Deutsche und im Gegenzug werden unter wirtschaftlichen Aspekten, Ausländer ins Land geholt, die noch nicht einmal die Deutsche Sprache beherrschen. Dt. Ärzte können sich dann arbeitslos melden. Das gibt es nur in Deutschland.
Dabei wird die Rentenberechnung von der Ärzteversorgung Nordrhein dank Herrn Henke ab dem 24. Lj. berechnet und die Beitragsermessungsgrenze für Angestellte Ärzte liegt unter der der Niedergelassenen Ärzte. Folglich fallen die Renten für die Angestellten Ärzte niedriger aus, als die der Niedergelassenen Ärzte und folglich verlieren viele Ärzte die nicht ab dem 24 Lj. Arzt sind (und das sind lt. der Bundesärztekammer immerhin 85%) weiter Rentenanwartschaften.
Und jedesmal wenn es zu einem Börsen-Crash kommt, werden die Rentenformel der Versorgungswerke zuungunsten der Einzahlenden Mitglieder (hier die Ärzte) geändert.

Und noch etwas. Nachdem Jahrzehnte lang Deutsche Assistenzärzte viele Jahre zum Facharzt brauchten um den Facharztkatalog zu erfüllen, wird dieser jetzt ganz ignorriert. Die Facharztausbildung innerhalb von 6 Jahren ist jetzt eher möglich, dafür bleiben alle auf der Stufe des Facharztes stehen. Einige Ziehkinder werden dann in den Operativen Fächern ausgebildet und haben eine Chance als Oberarzt übernommen zu werden. Als anderen werden sich wohl oder übel niederlassen müssen, nachdem Sie für wenig Geld als Facharzt vollverantwortlich die Dienste und die Ambulanz übernehmen können. Oder Siegehören zu den 50% Fachärzten, die ganz abspringen müssen.
Die strenge Hierarchie und der bekannte Egoismus der Ärzteschaft ermöglich es, dass von der Hierarchieleiter von oben nach unten sich jeder das "rauspickt" was er am Liebsten macht. Die unbeliebten Verwaltungsaufgaben und Op-Aufklärungen bleiben so am Assistenten hängen und da wird sich in Zukunft wohl auch nichts ändern.
Warum sollten sich also jetzt 99% der Ärzteschaft um die Tarifpluralität der Chefärzte kümmern?
Der Marburger Bund hat doch schon längst beschlossen, das Angestelltenverhältnis auf niedergelassene Ärzte zu übertragen.
Solange Herr Henke Bundestagsabgeordneter, Kammerpräsident, 1. Vorsitzender des Versorgungswerkes ist und bis vor kurzem auch noch 1 Vorsitzender des Marb. Bundes war (aber noch 10 weiter Kammerpräsidenten 1. Vorsitzende des Marb. Bundes sind, haben wir EBEN KEINE UNABHÄNGIGE GEWERKSCHAFT, Ich würde erstmal alle Aussagen anzweifeln und selber recherchieren, denn wer nicht die Interessen der CSU im Bundestag vertritt, der fliegt!!! Da Beste Beispiel ist u.a.Herr Spahn, der sein Fähnchen immer in den Wind gehalten hat und damit schon (meines Erachtens) viel zu "weit oben" mitspielt!!!
LNS

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