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Medizin

Thromboserisiko nach Schwangerschaft erhöht

Freitag, 14. Februar 2014

New York – Frauen haben im Anschluss an eine Schwangerschaft noch über 12 Wochen ein signifikant erhöhtes Thromboserisiko, doppelt so lange als bisher angenommen. Dies ergab eine Studie, die auf der International Stroke Conference in San Diego vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2014; doi: 10.1056/NEJMoa1311485) publiziert wurde.

Hämostasiologen sehen in dem leichten Anstieg der Gerinnbarkeit des Blutes, zu der es auch bei gesunden Frauen in der Schwangerschaft kommt, einen Schutzmechanismus gegen zu hohe Blutverluste unter der Geburt. Der Nachteil ist eine erhöhte Neigung zu arteriellen und venösen Thromben, die neben tiefen Venenthrombosen auch die Gefahr von Schlaganfällen und Herzinfarkten birgt, auch wenn die letztgenannten Ereignisse sehr selten sind. Nach der Geburt normalisiert sich das Hämostasesystem wieder, doch der Übergang braucht Zeit. Bislang gingen die Experten davon aus, dass diese Phase nur etwa 6 Wochen dauert.

Hooman Kamel vom Weill Cornell Medical College in New York und Mitarbeiter haben diese Ansicht jetzt anhand der Krankenversichertendaten von mehr als 1.687.930 Frauen aus Kalifornien überprüft. In den ersten 24 Wochen und dem Jahr danach kam es zu insgesamt 1015 Behandlungen wegen thrombotischer Ereignisse. Darunter waren 720 venöse Thromboembolien, 248 Schlaganfälle und 47 Herzinfarkte.

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Die Neurologen verglichen die Rate in den ersten Wochen und in einem gleich langen Zeitraum ein Jahr später. In den ersten 6 Wochen betrug die Inzidenz 24,4 Ereignisse auf 100.000 Frauen gegenüber 2,3 Ereignissen im Jahr darauf. Das ergibt einen Anstieg des Thromboserisikos um den Faktor 10,8 (95-Prozent-Konfidenzintervall 7,8 bis 15,1). In den Wochen 7 bis 12 kam es noch zu 5,6 Ereignissen auf 100.000 Frauen gegenüber 2,6 Ereignissen im Jahr darauf. Dies bedeutet, dass auch in diesem Zeitraum das Thromboserisiko um den Faktor 2,2 (1,5 bis 3,1) erhöht ist. Im Zeitraum zwischen der 13. und 18. Woche war das Risiko nur noch tendenziell um den Faktor 1,4 (0,9 bis 2,1) erhöht.

Normalerweise ist das erhöhte Thromboserisiko in der Schwangerschaft und der Post­par­tal­phase kein Grund für eine antithrombotische Therapie, da die Blutungsrisiken durch eine Heparingabe höher sind als der Nutzen. Bei Frauen mit genetisch erhöhter Thromboseneigung (etwa der Mutationen im Gen für den Faktor V („Leiden“) oder dem Faktor II (Prothrombin) werden dagegen Maßnahmen zur Thrombose-Verhütung durchgeführt.

Die neuen Zahlen dürften hier Informationen zur Dauer der Maßnahmen über das Ende der Schwangerschaft hinaus liefern. Für betroffene Frauen bedeuten die neuen Erkenntnisse, dass die Gefahr länger anhält als bisher angenommen, auch wenn der Rückgang des Risikos bereits in den ersten Tagen nach der Geburt einsetzt. © rme/aerzteblatt.de

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