Medizin

Rauchstopp fördert mentale Gesundheit

Freitag, 14. Februar 2014

Oxford – Viele Raucher befürchten, dass ein Abstinenzversuch ihr psychisches Gleich­gewicht stören könnte. Eine Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2014; 348: g1151) kommt dagegen zu dem Ergebnis, dass der Rauchstopp Depressionen, Ängste, Stress und die psychologische Lebensqualität lindern könnte.

Das Team um Paul Aveyard von der Universität Oxford hat 26 Studien ausfindig gemacht, deren Teilnehmer nach einem Rauchstopp Fragebögen zu ihrer mentalen Gesundheit ausgefüllt haben. Die Meta-Analyse der Daten ergab, dass der Verzicht alle untersuchten Aspekte der psychischen Gesundheit besserte.

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Und die Auswirkungen waren keineswegs gering. Für Ängste ermittelte Aveyard eine Effektstärke von 0,37, bei Depressionen waren es 0,31. Beides entspricht einer mittelstarken Wirkung. Damit könnte sich der Verzicht auf die Zigaretten sogar mit der Wirkung von Medikamenten gegen Depressionen und Angststörungen messen lassen.

Bei leichten Depressionen erreichten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer laut Aveyard nur eine Effektstärke von 0,17 bis 0,11, gegen Angststörungen wurden Effektstärken von 0,12 bis 0,50 beschrieben. Die Effektstärke wird mit Werten zwischen 0 (Keine Wirkung) und 1 (maximale Wirkung) angegeben.

Aveyard vergleicht hier zwar Äpfel (randomisierte klinische Studien zu Antidepressiva) mit Birnen (prospektive Beobachtungsstudien in der aktuellen Meta-Analyse). Die günstigen Ergebnisse könnten jedoch ein Signal an Psychiater sein. Diese scheuen sich häufig, Patienten mit Depressionen oder anderen mentalen Störungen einen Rauchstopp zu empfehlen, weil sie eine Verschlechterung der psychischen Symptome befürchten.

Ob der Rauchstopp tatsächlich in der Lage ist, eine Major-Depression zu lindern, dürfte aufgrund der Studie ein lohnenswertes Ziel einer randomisierten Studie sein. Die meisten Patienten, die an den der Meta-Analyse zugrunde gelegten Studien teilnahmen, dürften allerdings keine ausgeprägte Major-Depression haben.

Die Ergebnisse von Aveyard könnten auch mental gesunden Menschen Mut machen. Viele Raucher nennen die Auswirkungen des Tabaks auf ihre „innere“ Ruhe als einen Grund, an der Gewohnheit festzuhalten. Nach den Ergebnissen der Studie ist es aber eher wahrscheinlich, dass die „Unruhe“ vor der nächsten Zigarette eher ein Entzugs­symptom ist, das verschwinden könnte, wenn ein längerer Rauchstopp die Sucht erfolgreich überwunden hat. © rme/aerzteblatt.de

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