Medizin

Vorhofflimmern: Katheterablation effektiver, aber riskanter als Medikamente

Donnerstag, 20. Februar 2014

Hamilton – Eine Katheterablation hat in einer Vergleichsstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; doi: 10.1001/jama.2014.467) ein Vorhofflimmern dauerhafter gestoppt als Medikamente. Es kam aber häufiger zu Komplikationen.

Kardiologen fällt es in der Regel nicht schwer, ein Vorhofflimmern zu stoppen. Bei den meisten Patienten kommt es aber früher oder später zu einem Rezidiv. Dies trifft nicht nur auf die medikamentöse Therapie zu, sondern auch auf die Katheterablation. Sie kann das Versprechen, das Vorhofflimmern durch eine Veröderung von Herzmuskelgewebe im linken Vorhof definitiv zu stoppen, nicht immer einhalten.

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Von den 66 Patienten, die sich im Rahmen der RAAFT-2-Studie dem Kathetereingriff unterzogen, erlitten 36 Patienten in den ersten zwei Jahren danach einen Rückfall ihres Vorhofflimmerns. Die Rezidivrate betrug damit 55 Prozent. Sie war niedriger als nach einer medikamentösen Therapie, die 61 Patienten im Vergleichsarm der Studie erhalten hatten. Hier kam es bei 44 Patienten oder 72 Prozent innerhalb von zwei Jahren zu einem Rezidiv. Damit war die Katheterablation mit einer Hazard Ratio von 0,56 (95-Prozent-Konfidenzinterval 0,35-0,90) im primären Endpunkt zwar signifikant besser als die Medikamente, aber alles andere als eine dauerhafte Erfolgsgarantie.

Hinzu kommt, dass die Ablation nicht ohne Risiken ist. Zu den Komplikationen gehörte eine Herztamponade (6 Prozent), eine schwere Pulmonalvenenstenose (1,5 Prozent) und eine Bradykardie, die einen Herzschrittmacher erforderlich machte (1,5 Prozent). Im anderen Studienarm mussten die Patienten die Risiken und Nebenwirkungen der antiarrhythmischen Medikamente ertragen. Dazu gehörte Vorhofflattern mit Eins-zu-Eins-Übertragung (1,6 Prozent) und Synkopen (3,3 Prozent).

Damit ist nach Ansicht von Editorialist Hugh Calkins vom Johns Hopkins Hospital in Baltimore die Frage, ob die Ablation die Therapie der ersten Wahl beim Vorhofflimmern ist, weiter offen. Die Patienten sollten über Vor- und Nachteile beider Therapien aufgeklärt werden und wissen, dass keine Behandlung ein späteres Rezidiv ausschließen kann. © rme/aerzteblatt.de

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