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Medizin

Im Mammo­graphie-Screening entdeckte Tumore haben meist eine günstige Prognose

Freitag, 21. Februar 2014

dpa

Berlin – Die Kooperationsgemeinschaft Mammographie sieht das Screeningprogramm in Deutschland auf dem richtigen Weg. So hat sich im Vergleich zur Ära vor dem Screening der Anteil der Tumoren mit einer günstigen Prognose an den Diagnosen deutlich erhöht.  Das berichtete die Leiterin ihrer Geschäftsstelle, Tatjana Heinen-Kammerer, bei der Präsentation des Evaluationsberichtes  2010 –  dem ersten für die gesamte Bundes­republik – während des Deutschen Krebskongresses in Berlin.

Bei 19 Prozent der positiven Befunde im Screening handelte es sich der Evaluation zufolge um Krebsvorstufen oder Frühkarzinome (duktale In-situ-Karzinome), vor Beginn des Screenings betrug der Anteil an den Diagnosen in der Zielgruppe der 50 und 69 jährigen Frauen nur fünf Prozent. Von den im Screening entdeckten invasiven Karzino­men waren circa 35 Prozent maximal 10 Millimeter groß, in der Ära vor Beginn des Screenings (2000 bis 2005) waren es nur 14 Prozent. Knapp 80 Prozent der im Screening gefundenen invasiven Karzinome waren maximal 20 Millimeter groß, vor dem Screening betrug dieser Anteil nur etwa 50 Prozent.

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Basis der Auswertung sind 1,2 Millionen Erstuntersuchungen im Jahr 2010 und 1,5 Millionen Folgeuntersuchungen. Bei den Folgeuntersuchungen lag die Brustkrebsent­deckungsrate durchschnittlich 2,1fach über der Hintergrundinzidenz – das sei besser als von den EU-Richtlinien vorgegeben (1,5fach), sagte Heinen-Kammerer. Bei den 2,7 Millionen Untersuchungen wurden 17.501 Tumore gefunden, davon waren 13.834 invasive Karzinome.

Bei den Erstuntersuchungen wurden 28,3 Prozent der diagnos­tizierten Tumore im prognostisch ungünstigen Stadium II+ (invasive Karzinome > 20 Millimeter ohne Lymphknotenbefall und alle Karzinome mit Lymphknotenbefall), in den für die Qualitätsbeurteilung des Screenings relevanteren Folgeuntersuchungen waren es noch 26,2 Prozent. Bei fast 78 Prozent der in den Folgeuntersuchungen entdeckten Malignome waren keine Lymphknoten befallen. „Dies sind ersten umfassenden Daten und sie lassen klare Trends erkennen, die den Zielen eines Screenings entsprechen, sagte Heinen-Kammerer.

Außer der Verschiebung der Stadien hin zu prognostisch günstigeren gebe es einen weiteren Hinweis dafür, dass das Screening funktioniert, sagte Alexander Katalinic vom Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Lübeck: Die Neuerkrankungsrate an Brusttumoren habe sich mit der sukzessiven Einführung des Screenings zunächst erhöht und zeige mit zunehmender Flächen­deckung einen Trend nach unten. „Dies sollte auch so sein, denn die in der ersten Runde entdeckten Tumoren fehlen in den weiteren Runden“, sagte Katalininc. Bei acht von 1000 Frauen wurde bei der Erstuntersuchung des Screenings Brustkrebs oder eine Vorstufe gefunden, in der Folgeuntersuchung bei 5,5 von 1.000.

Teilnahmerate am Screening mit knapp 54 Prozent gering
Das Verhältnis von Nutzen und Risiken des Mammographie-Screening wird in Deutschland kontrovers diskutiert. Das könnte einer der Gründe für die im Vergleich zu anderen Ländern und den EU-Empfehlungen geringe Teilnahmerate von 53,7 Prozent sein. Zu zwei wichtigen Indikatoren für die Effektivität kann der Bericht auch noch keine Aussagen machen: Die Zahl der Intervallkarzinome und die Frage, ob das Screening die Brustkrebsmortalität senken kann.

Intervallkarzinome sind Malignome, die nach einer negativen Screeningmammographie vor dem nächsten regulären Screeningtermin entdeckt werden, also außerhalb des Mammographiescreenings.Ein Programm gilt als effizient, wenn der Anteil der Intervall­karzinome an allen Mammakarzinomen niedrig ist. Die Zahl der  Intervallkarzinome lässt sich aber erst nach Abgleich mit den Daten der epidemiologischen Krebsregister fest­stellen, und dies ist für das bundesweite Programm noch nicht möglich.

Für das Screeningsprogramm in Nordrhein-Westfalen stellte Hans-Werner Hense vom Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin in Münster die Intervallkarzinomrate für die Erstuntersuchungen zwischen 2005 und 2008 vor: Sie betrug 22 Prozent und lag damit unter der EU-Empfehlung von maximal 25 Prozent. Ob sich durch das Mammographie­screening angesichts der Therapiefortschritte und einer Fünf-Jahresüberlebensrate von 88 Prozent nach Diagnose die Brustkrebsmortalität senken lässt, halten Katalinic und Hense für fraglich.

„In dieser Beziehung läuft uns die Zeit davon“, sagte Hense zum Deutschen Ärzteblatt. Die beiden Epidemiologen plädieren dafür, die Effektivität des Screeningsprogramms auch an anderen Parametern zu messen wie der Invasivität und der Intensität der Behandlung nach positivem Befund und der Lebensqualität der Patientinnen nach einer Diagnose. © nsi/aerzteblatt.de

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