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Politik

Mittel zur Behandlung von Alkoholabhängigkeit begrenzt auf Rezept

Freitag, 21. Februar 2014

Berlin – Arzneimittel, die der Verringerung des Alkoholkonsums bei Patientinnen und Patienten mit Alkoholabhängigkeit dienen, können künftig unter bestimmten Voraussetzungen und für einen begrenzten Zeitraum zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnet werden. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) gestern in Berlin beschlossen.

 „Übergeordnetes Ziel der Behandlung der Alkoholabhängigkeit bleibt die völlige Abstinenz. Allerdings kann es Fälle geben, in denen ein Therapieplatz nicht direkt zur Verfügung steht. Um dafür eine möglichst versorgungsnahe Regelung im Sinne der betroffenen Menschen zu finden, hat der G-BA entschieden, in diesen Fällen ausnahms­weise ein Medikament zulasten der GKV zu verordnen, das zunächst der Reduktion der Trinkmenge dient“, erklärte Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA und Vorsitzender des zuständigen Unterausschusses.

In den genannten Fällen können entsprechende Arzneimittel bis zu drei Monate verordnet werden, in begründeten Ausnahmefällen bis zu sechs Monate. Die Einleitung einer medikamentösen Therapie muss durch Ärztinnen und Ärzte erfolgen, die nachweislich Erfahrungen mit der Behandlung von Alkoholabhängigkeit haben. Der heutige Beschluss wird noch vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geprüft. Erst danach kann er in Kraft treten. © EB/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 22. Februar 2014, 13:10

Betonköpfe?

Schon 2009 hat Dr. A. Ulmer, Suchtspezialist aus Stuttgart, so formuliert:
"Die Suchtkrankheiten verhalten sich so, als ob es diese (die Standardtherapie) nicht gäbe"
Die vom GBA einzig anerkannte Therapie des Alkoholismus (Entgiftung, Entwöhnung, lebenslange Abstinenz) verfehlt bei ungeheuren Kosten ihre Wirkung vollständig. Jedes Jahr erreichen nach durchschnittlich 14 Jahren Krankheitsdauer etwa 10% der Erkrankten (160.000) das Suchthilfesystem, davon erreichen etwa 40.000 - oft zum wiederholten Mal - eine Entwöhnungseinrichtung. Im Follow-up nach 12 Monaten, an dem sich 25% der angeschriebenen Klienten beteiligen, bezeichnen sich 55% davon selbst als abstinent.
Die vom GBA zum Standard erhobene Therapie des Alkoholismus erreicht also pro Jahr mit 40.000 von 1.6 Mio. Personen etwa 2,5% der Betroffenen und kuriert davon bei optimistischer Bewertung der Follow-Up-Zahlen etwa die Hälfte dauerhaft.
Diese offensichtlich schlecht erreichbare und allenfalls mäßig wirksame Behandlung wird vom GBA zum Standard erhoben und damit alle anderen Therapiemöglichkeiten früherer Stadien der Alkoholkrankheit aus der GKV-Suchtmedizin ausgeschlossen oder allenfalls als Nischenindikation mit erheblichen Einschränkungen zugelassen, angefangen vom nachweislich unwirksamen Acamprosat über Naltrexon und Nalmefene bis hin zur Ablehnung des nachweislich wirksamen off-label-Einsatzes von Baclofen.
Alkoholismus verhält sich nach den aus dem statistischen Jahrbuch entnehmbaren Behandlungszahlen bei Anwendung der Standardtherapie des GBA nahezu wie eine unheilbare Erkrankung.
Dabei sollte auch bei Alkoholkranken die Nikolausentscheidung des BVG Anwendung finden können, leiden sie doch an einer nachhaltig lebensbedrohlichen und invalidisierenden Erkrankung, die unter der Standardtherapie des BGA als unheilbar anzusehen ist und denen in der vertragsärztlichen Versorgung jegliche therapeutische Alternative weiterhin vorenthalten werden soll.

Ulrich E. Hammerla
Facharzt für Allgemeinmedizin
Psychotherapie, suchtmedizinische Grundversorgung
46045 Oberhausen
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