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Medizin

Hepatitis B: Antikörper soll Virus-DNA im Zellkern abbauen

Freitag, 21. Februar 2014

München – Virostatika können eine Hepatitis B nicht heilen, die Behandlung mit Interfe­ronen ist häufig nicht verträglich. Als Alternative schlägt ein Forscherteam in Science (2014; doi: 10.1126/science.1243462) neue Wirkstoffe vor, die die Virus-DNA im Zellkern der Leberzellen abbauen sollen.

Virustatika wie Entecavir, Tenofovir, Lamivudin, Telbivudin oder Adefovir können das Hepatitis B-Virus nur angreifen, wenn es vermehrt wird. Seine Gene, die das Virus im Zellkern als sogenannte cccDNA (covalently closed circular DNA) ablegt, werden von den Virustatika nicht erreicht. Von der „Sicherungskopie“ aus können nach dem Absetzen der Virustatika neue Viren abgelesen werden.

Die einzige Heilungschance besteht derzeit in einer Therapie mit Interferon alpha 2a, das eine körpereigene Virusabwehr induziert, die auch die cccDNA zerstört. Die Therapie ist jedoch sehr langwierig (mindestens 48 Wochen) und aufgrund der starken Neben­wirkungen und der fehlenden Erfolgsgarantie unbeliebt.

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Interferone sind jedoch nicht die einzige Waffe gegen die cccDNA. Die Zellen verfügen über Enzyme, die „fremdes“ Erbgut erkennen und zerstören. An der Regulierung dieser Deaminasen sind Lymphotoxin-beta-Rezeptoren beteiligt, die sich als Angriffspunkt für neue Wirkstoffe anbieten. Ein Forscherteam um Mathias Heikenwälder vom Helmholtz Zentrum München und Ulrike Protzer von der Technischen Universität München hat den neuen Ansatzpunkt mit Antikörpern untersucht, die als Agonisten am Lymphotoxin-beta-Rezeptor wirken und dadurch den Abbau von cccDNA fördern.

Dies gelang den Forschern sowohl in Zellkulturen als auch in einem Tiermodell der Hepatitis B. Dabei kam es zu keiner Schädigung der Leberzellen. Auch die „einhei­mische“ DNA wurde verschont. Die Forscher hoffen deshalb, dass Lymphotoxin-beta-Agonisten eine effektive und gut verträgliche Therapie der Hepatitis B sein könnten. Klinische Studien wurden jedoch noch nicht durchgeführt.

Die Therapie käme in Deutschland für etwa eine halbe Million Menschen infrage, die chronisch mit dem Hepatitis B-Virus infiziert sind, obwohl ein Impfschutz möglich ist. Weltweit leiden nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation 240 Millionen Menschen an einer chronischen Hepatitis B. © rme/aerzteblatt.de

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