NewsPolitik„Pille danach“: Gröhe will Länder umgehen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

„Pille danach“: Gröhe will Länder umgehen

Sonntag, 23. Februar 2014

Frankfurt/Berlin – Im Streit über die Rezeptpflicht für die sogenannte Pille danach hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) bislang noch kein neues Verfahren eingeleitet. Dies erklärte eine Ministeriumssprecherin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Sie bezog sich damit auf einen Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Samstag.

Die Zeitung hatte unter Berufung auf ungenannte Quellen in Gröhes Ministerium gemel­det, dass der Minister plane, dem Bundesrat alte Entwürfe, die bislang zusammen mit der Aufhebung der Rezeptpflicht für die „Pille danach“ in Kraft treten sollen, neu vorzulegen. Der Bundesrat hatte im November dafür gestimmt, die Verschreibungspflicht für das Notfallkontrazeptivum mit dem Wirkstoff Levonorgestrel aufzuheben.

Gröhe könne aufgrund des Bundesratsbeschlusses mehrere Verordnungen der EU zu anderen Themen der Gesundheitspolitik nur in Kraft setzen, wenn er die Rezeptpflicht für das Notfallkontrazeptivum aufhebe. Eine Neuvorlage hätte demnach zum Ziel, die EU-Vor­gaben ohne die Länderforderung nach Freigabe der „Pille danach“ beschließen zu lassen.

Anzeige

Ein Expertenausschuss des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte hatte im Januar empfohlen, den Rezeptzwang für das Präparat aufzuheben. Die SPD ist für die rezeptfreie Abgabe der Pille, die Union dagegen. Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sagte der Zeitung, die Mehrheit der Länder habe für die Verschreibungsfreiheit der „Pille danach“ gestimmt. „Deshalb gibt es für mich keinen Grund, zu einer anderen Einschätzung zu kommen.“ Über das weitere Vorgehen entscheide der Bundesrat, „wenn die Bundesregierung die Verordnung vorlegt“.

Die Bundes­ärzte­kammer hatte dagegen davor gewarnt, die die Rezeptpflicht aufzu­heben. „Da geht es nicht einfach, dass man eine Pille über den Tresen der Apotheke schiebt. Wir möchten den großen Vorteil des deutschen Gesundheitssystems wahren, dass man in einem Gespräch mit einem Arzt eine kompetente Beratung bekommt, wie so etwas auch für die Zukunft verhindert werden kann“, hatte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, betont.

Laut Darstellung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung steht die Bundesregierung unter Druck, weil sie die gesundheitspolitischen Verordnungen der EU noch nicht umgesetzt hat. Die EU habe die Regierung bereits abgemahnt, weil diese eine im Oktober ausgelaufene Frist hatte verstreichen lassen. Am 27. Januar seien zwei Vertragsver­letzungsverfahren gegen die Bundesrepublik eingeleitet worden. © kna/EB/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

27. Juni 2017
Warschau – Die nationalkonservative Regierung in Polen hat den Zugang zur „Pille danach“ eingeschränkt. Präsident Andrzej Duda unterzeichnete das im Mai vom Parlament verabschiedete Gesetz, nach dem
Polen schränkt Zugang zu „Pille danach“ ein
26. September 2016
London – Eine Reihe von Medikamenten, die in der Leber den Abbau von Levonorgestrel durch das Enzym CYP 3A4 beschleunigen, kann die Effektivität der Notfallkontrazeption gefährden. Darauf macht die
CYP-3A4-Induktoren: Medikamente und Naturheilmittel gefährden Notfallkontrazeption
31. März 2016
Köln – Seit einem Jahr können Frauen die „Pille danach“ rezeptfrei in der Apotheke kaufen. Die Hauptinformationsquelle bleibt aber weiterhin der Arzt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des
Arzt bleibt für die „Pille danach“ Informationsquelle Nummer eins
17. November 2015
Berlin - Die Verkaufszahlen der sogenannten Pille danach sind nach dem Ende der Rezeptpflicht gestiegen, um sich nach drei Monaten auf konstantem Niveau einzupendeln. Das ergeben Zahlen der
„Pille danach“ wird nach Wegfall der Rezeptpflicht häufiger verkauft
2. Juni 2015
Waldems-Esch – Der Absatz von Notfallkontrazeptiva ist um rund ein Viertel gegenüber den absatzstärksten Monaten 2014 gestiegen, seit die sogenannte Pille danach rezeptfrei in Apotheken erhältlich
Absatz der „Pille danach“ um ein Viertel gestiegen
6. April 2015
München – Bayerns Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml (CSU) hat vor einem sorglosen Umgang mit der „Pille danach” gewarnt. Durch die seit März geltende Rezeptfreiheit dürfe nicht der Eindruck
Huml warnt vor sorglosen Umgang mit der „Pille danach”
16. März 2015
Berlin – Die Präparate zur Notfallkontrazeption EllaOne mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat und Pidana mit dem Wirkstoff Levonorgestrel sind ab sofort rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Eine
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER