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Politik

Barmer GEK will 3.500 Stellen abbauen

Montag, 24. Februar 2014

dpa

Berlin/Wuppertal – Die zweitgrößte deutsche Krankenkasse, die Barmer GEK, will umfassend umstrukturieren. Mittelfristig würden 3.500 Stellen abgebaut, teilte der Vorstandsvorsitzende Christoph Straub am Montag in einer Erklärung mit. Bislang hat die Kasse etwa 15.000 Beschäftigte. Die Zahl der Geschäftsstellen soll von rund 800 auf etwa 400 reduziert werden.

Die Kasse werde stattdessen in Telefon- und Onlineservices investieren, kündigte Straub in seiner Presseerklärung an. Die Umstrukturierung erfolgt vor dem Hintergrund von Kostensteigerungen im Gesundheitswesen, die für die kommenden Jahre erwartet werden.

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Der Stellenabbau soll „in enger Abstimmung mit der Personalvertretung sozialverträglich umgesetzt” werden. Im ARD-Morgenmagazin vermied Straub aber die Antwort auf die Frage nach betriebsbedingten Kündigungen. „Es ist kein Sparprogramm”, sagte dort der Chef der Krankenkasse, die ihre Hauptverwaltung in Wuppertal hat. Es gehe darum, das Unternehmen im Interesse der Kunden zu verändern.

„Unsere Analysen zeigen, dass immer mehr Versicherte ihre Anliegen am Telefon oder im Web erledigen und weniger in die Geschäftsstellen kommen”, erläuterte Straub in seiner Erklärung. Die Erreichbarkeit vor Ort bleibe mit der neuen Geschäftsstellenstruktur erhalten. „Wir erhöhen die Servicekompetenz, indem mehr Mitarbeiter in Geschäftsstellen arbeiten, um einen Rund-um-Service zu garantieren. Auch werden die Öffnungszeiten bundesweit vereinheitlicht und verlängert.” Zudem seien mobile Geschäftsstellen geplant.

Die Gewerkschaft Verdi forderte umgehend Tarifverhandlungen. „Es darf keinen Kahlschlag zu Lasten der Versicherten und der Beschäftigten geben“, mahnte Vorstandsmitglied Isolde Kunkel-Weber. „Ein Tarifvertrag zur Reorganisation und zur Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen ist deshalb unverzichtbar.“ Über die Aufnahme von  Tarifverhandlungen hat die Barmer GEK noch nicht entschieden. „Wir werden das gemeinsam mit dem Hauptpersonalrat besprechen, wie wir unsere Ziele erreichen“, sagte ein Sprecher der Kasse.

Hintergrund ist auch, dass künftig die Ausgaben der Kassen die Einnahmen deutlich übersteigen werden. Künftige Kostensteigerungen müssen die Versicherten nach den Reformplänen der Koalition über einkommensabhängige Zusatzbeiträge zahlen. Ein Sonderbeitrag von 0,9 Punkten zulasten der Versicherten entfällt dagegen.

Das Bundesversicherungsamt erwartet unter der Annahme konstanter Einnahmen- und Ausgabenentwicklung einen Zusatzbeitrag im Jahr 2017 von im Schnitt 1,6 bis 1,7 Prozent. Höhere Aufschläge könnten Kassen in Bedrängnis bringen. Straub sagte der FAZ, seine Kasse werde wohl keinen Zusatzbeitrag über dem Durchschnitt verlangen.

Reformen auch bei anderen Kassen
Auch bei anderen Kassen waren und sind interne Reformen im Gang. Ein Sprecher der DAK-Gesundheit sagte: „Vereinfacht gesagt haben wir seit 2010 jährlich rund 1.000 Mitarbeiterkapazitäten abgebaut.“ Derzeit sind es dort gut 11.000 Mitarbeiter. Die Zahl der Service-Zentren soll von 671 in diesem Jahr auf 574 sinken. Mehr Beratung gebe es mittels Telefon und Mail.

Eine Sprecherin der Techniker Krankenkasse (TK) sagte: „Wir haben schon vor Jahren eine Spezialisierung in Zentren vorgenommen.“ Gemessen an den Versicherten lief die TK der Barmer GEK im Januar den Rang als größte Kasse ab. Eine Sprecherin der IKK classic sagte, die Kasse wolle an ihren 372 Geschäftsstellen festhalten. Auch an der Zahl von 7.500 Mitarbeitern solle sich nichts ändern.

Laumann zeigt Verständnis
Verständnis für die Umbaumaßnahmen der Krankenkasse äußerte der Patienten-Beauftragte der Bundesregierung, der CDU-Gesundheitspolitiker Karl-Josef Laumann. Es sei „verständlich”, wenn das Unternehmen sage, es müsse aufgrund der zunehmen­den Bedeutung von Telefon und Email nicht mehr mit so vielen Geschäftsstellen in der Fläche vertreten sein, sagte er der Zeitung Die Welt vom Dienstag. „Die Administration einer Krankenkasse muss so schlank gehalten werden, wie es geht.” Die Beiträge der Versicherten sei vor allem dafür da, deren Gesundheitsversorgung zu finanzieren. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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Avatar #104249
Senbuddy
am Dienstag, 25. Februar 2014, 06:51

Das ist doch mal eine gute Nachricht !

Personalabbau um fast ein Viertel bei der Barmer ! Und schon sind die anderen Kassen in Erklärungsnot ("...das haben wir ja schon lange...").

Was schon so eine "kleine Beitragsautonomie" alles bewirken kann, selbst wenn sie bisher nur geplant ist.

Hoffentlich geht es bei weiteren GKVen in die Richtung weiter. Und nicht nur bei den Geschäftsstellen.

Viele Grüße
S.
LNS

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