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Neurochirurgen machen Seh- und Gefühlszentren während Hirn-OP sichtbar

Dienstag, 25. Februar 2014

Dresden/Berlin – Eine neue Untersuchungstechnik, die Hirnaktivität mittels Lichtstrahlen in Bilder umwandelt, könnte Tumoroperationen am Gehirn künftig noch sicherer machen. Über das sogenannte Intraoperative Optical Imaging (IOI) berichtet die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH).

Ziel einer Krebsoperation am Gehirn ist es, den Tumor vollständig zu beseitigen – idealer­weise wird auch noch ein kleiner Teil des benachbarten gesunden Gewebes mit entfernt, um Zellnester zu erfassen, die sich dort eingenistet haben. Andererseits wollen die Operateure gesundes Gewebe schonen, wenn es für wichtige Funktionen wie Gefühl, Sprache, Bewegung oder Sehen zuständig ist.

Hirntumorgewebe ist inzwischen gut identifizierbar, zum Beispiel mit Farbstoffen, Magnet­resonanztomographie, Computertomographie oder Ultraschall. „Bis heute können wir aber gesundem Gewebe leider nicht ansehen, für welche Funktionen es zuständig ist“, erklärte Gabriele Schackert, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Dresden. Dies wäre aber wichtig, um noch gezielter operieren zu können.

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Hirnaktivität geht üblicherweise mit einer Mehrdurchblutung einher. Das verändert wiederum die Lichtabsorption, wenn die Hirnoberfläche mit einer Lampe bestrahlt wird – vermehrte Hirnaktivität steigert die Absorption. Dieses Phänomen nutzt das IOI.

„In unserer Studie gaben wir leichte Stromimpulse an den Medianus-Nerven ab, der an der Innenseite des Unterarms verläuft und das Gefühl in der Hand vermittelt“, so Schackert. Reflexartig leitete der Nervus medianus die Impulse an seine übergeordnete Zentrale im Hirn weiter, die für das Gefühl zuständig ist. Sie war nun ebenfalls aktiviert und damit stärker durchblutet. Eine Kamera, die im Operationsmikroskop integriert ist, filmt bei der IOI die lichtbestrahlte Hirnoberfläche während dieses Vorgangs.

Vor der Kamera sitzt ein Filter, der bevorzugt Wellenlängen passieren lässt, in denen das Blut eine starke Absorption zeigt. Ein Computer setzt die Informationen in Bilder um. Innerhalb von zehn bis 15 Minuten entsteht so eine zweidimensionale Karte, in der die aktivierte Hirnregion zu erkennen ist. „Die Bilder sind genau und zuverlässig“, erklärt Schackert, nachdem sie das IOI an 41 Patienten erprobt hat.

Zuvor war es den Dresdner Forschern gelungen, durch eine Reizung des Sehnervs – sie leuchteten dem Patienten ins Auge – das Sehzentrum zu lokalisieren. „Damit können wir erstmals wichtige Hirnfunktionen annähernd in Echtzeit erkennen“, so Schackert. Sollte das IOI sich im klinischen Alltag bewähren, wäre dies ein wichtiger Fortschritt für die Sicherheit der Patienten.

„Der Funktionserhalt ist eines der wesentlichen Anliegen der Chirurgie“, kommentierte der Präsident der DGCH, Joachim Jähne. Verbesserte Bildverfahren in der Neuro­chirurgie könnten auch für andere chirurgische Fächer Schrittmacher sein.

© hil/aerzteblatt.de

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