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Medizin

Antihypertonika könnten Sturzrisiko älterer Patienten erhöhen

Dienstag, 25. Februar 2014

New Haven – Die Verordnung von Antihypertensiva war in einer US-Studie unter älteren Medicare-Begünstigten mit einer erhöhten Zahl von schweren Stürzen assoziiert. Besonders gefährdet waren laut der Publikation in JAMA Internal Medicine (2014; doi: 10.1001/jamainternmed.2013.14764) Menschen, die bereits einen Sturz in der Vorgeschichte hatten.

Die Verordnung von Antihypertensiva nimmt mit dem Lebensalter zu, die Zahl der schweren Stürze ebenfalls. Ob zwischen beiden Faktoren ein Zusammenhang besteht, versuchte Mary Tinetti, leitende Geriaterin an der Yale Universität in New Haven, durch eine Analyse der Medicare Current Beneficiary Survey zu ergründen.

Die Untersuchung hatte eine Gruppe von fast 5.000 Senioren im Alter von über 70 Jahren unter anderem nach der Einnahme von Medikamenten befragt: Fast 86 Prozent der im Mittel 80 Jahre alten Versicherten nahm wenigstens ein Antihypertensivum ein. In den folgenden drei Jahren kam es bei 9 Prozent aller Senioren zu einem schweren Sturz, der eine medizinische Behandlung erforderlich machte.

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Nach der adjustierten Analyse von Tinetti erhöhte eine moderate antihypertensive Therapie das Sturzrisiko um 40 Prozent (Hazard Ratio HR 1,40; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,03-1,90), bei einer hochdosierten Therapie war das Sturzrisiko tendenziell um 28 Prozent erhöht (HR 1,28; 0,91-1,80). Damit fehlt eine Dosis-Wirkungsbeziehung, die in Studien dieser Art ein wichtiges Argument für eine kausale Beziehung ist.

Besonders gefährdet wären nach einer weiteren Analyse Senioren, die schon einmal gestürzt sind. Tinetti ermittelte für eine moderate antihypertensive Therapie eine HR von 2,17 (0,98-4,80) und für eine hochdosierte Therapie eine HR von 2,31 (1,01-5,29).

Auch wenn die Zahlen nicht belegen, dass die Antihypertensiva die Stürze provoziert haben (es ist denkbar, dass die Verordnung von Antihypertensiva ganz einfach ein Marker für eine erhöhte Gebrechlichkeit der Senioren war), wäre ein Zusammenhang plausibel. Ein zu starker Abfall des Blutdrucks könnte Schwächeanfälle begünstigen, die Einnahme von Diuretika könnte aber auch die Patienten zu häufigerem, überhasteten Besuch der Toilette zwingen, meinen Sarah Berry und Douglas Kiel von Hebrew SeniorLife, einem der Harvard Universität angeschlossenen Anbieter von Senioren­einrichtungen.

Unabhängig vom fehlenden Kausalitätsbeweis sollten Ärzte dem Sturzrisiko ihrer betagten Patienten eine größere Aufmerksamkeit zukommen lassen, finden die beiden Editorialisten. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #109088
Paschen_
am Mittwoch, 26. Februar 2014, 14:34

Dosis Sturz Korrelation doch überzugend?

Warum erwarten Sie, dass Patienten unter hochdosierter antihypertensiver Therapie häufiger stürzen sollten, als die mit moderater Therapie?

Das Gegenteil ist zu erwarten denn:

In der Gruppe der Hochdosistherapie sind auch die therapieresistenten Patienten enthalten, für die die medikamenteninduzierte Orthostase wenig relevant ist. In dieser Gruppe sind auch die Patienten, die ihre Medikation vorsichtshalber gar nicht erst nehmen, so dass auch zentral wirksame, sedierende Nebenwirkungen mit resultierenden Stürzen weniger relevant sind.

In der Gruppe der moderaten Therapie hingegen sind auch die Patienten mit situativem Sprechstundenhypertonus, die unter moderater Therapie scheinbar gut eingestellt sind und zu Hause dafür hypoton orthostatisch umfallen. Außerdem ist die Therapietreue und Medikamenteneinnahme in der Niedrigdosisgruppe möglicher Weise besser (weniger Pillen) und die Auswirkung dafür umso stärker.

Diese Kausalitätskette wird von der Studie bestätigt. Eine moderate Therapie steigert das Sturzrisiko um 40 % und eine intensive Therapie steigert das Risiko nur um 28 %.

Diese Kausalitätskette erklärt auch, warum das Sturzrisiko für beide Gruppen annähernd gleich ist, wenn man nur die Patienten betrachtet, die zuvor schon einmal gestürzt sind (moderate Therapie Risiko 2,17, hochdosierte 2,31) denn:

Die Gruppe der bereits gestürzten enthält, unabhängig von der Dosis, bereits einen erhöhten Prozentsatz der orthostatisch vulnerablen Patienten, im Vergleich zu der noch nicht gestürzten Gruppe.

Interessanter wäre die Korrelation zwischen Blutdruckeinstellung in Bezug auf mmHg und Sturzgefahr. Aktuell werden die RR Ziele für über 60 jährige aus gutem Grund angehoben.
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