Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

BRCA1: Oophorektomie vor dem 35. Lebensjahr kann Leben retten

Mittwoch, 26. Februar 2014

Toronto – Frauen, die aufgrund von Mutationen im BRCA1-Gen neben einem erhöhten Brustkrebsrisiko auch Gefahr laufen, an einem Ovarialkarzinom zu erkranken, sollten sich trotz der damit verbundenen Nachteile bis zum 35. Lebensjahr einer Oophorektomie unterziehen, raten die Autoren einer internationalen Studie im Journal of Clinical Oncology (2014; doi: 10.1200/JCO.2013.53.2820). Frauen mit BRCA2-Mutationen waren weniger stark krebsgefährdet und könnten die Entfernung der Ovarien auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Insgesamt 43 Zentren in den USA, Frankreich, Italien, Österreich, Norwegen und Polen beteiligen sich an einer prospektiven Studie zum Krebsrisiko von Frauen mit BRCA1- oder BRCA2-Mutationen. Es handelt sich um eine reine Beobachtungsstudie, die kein therapeutisches Vorgehen vorgibt. Wie sie mit dem Krebsrisiko umgehen, bleibt den einzelnen Zentren und letztlich den betroffenen Frauen überlassen.

Die Gynäkologen raten allen Frauen mit BRCA1- oder BRCA2-Mutation in der Regel jedoch zur Oophorektomie, da das Lebenszeitrisiko auf ein Ovarialkarzinom beträchtlich ist und dieser Krebs häufig zu spät erkannt wird. Meistens wird die Operation auf die Zeit nach der Menopause verschoben, um die Frauen nicht durch ein vorzeitiges Klimak­terium zu belasten. Auch die 5.783 Teilnehmerinnen der Studie ließen die Operation im Mittel erst im Alter von 47,1 Jahren durchführen (die Bandbreite reichte allerdings von 20 bis 83 Jahren).

Für einige kam die Operation zu spät. Insgesamt 186 Frauen erkrankten während der Nachbeobachtungszeit von 5,6 Jahren am Ovarialkarzinom (oder Tumoren des Eileiters oder des Peritoneums), 68 Patientinnen sind daran gestorben. Eine frühzeitige Oophorektomie hätte den meisten Frauen das Leben gerettet. Das Team um Steven Narod vom Women's College Hospital in Toronto errechnet eine Hazard Ratio von 0,20 (95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,13-0,30) für die Diagnose des Karzinoms und eine Hazard Ratio von 0,23 (0,13-0,39) für die Gesamtsterblichkeit. Dies ist gleichbedeutend mit einer Risikominderung um 80 beziehungsweise 77 Prozent.

Interessant für die Terminierung der Operationen ist der Zeitpunkt der Diagnosen. Hier gab es Unterschiede zwischen BRCA1- und BRCA2-Mutationen. Die meisten Frauen mit BRCA1-Mutationen erkrankten im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Vor dem 35. Lebens­jahr traten nur 2 der 98 diagnostizierten Malignome auf. Bei BRCA2-Mutationen lag der Altersgipfel zwischen 50 und 70 Jahren.

Nur einer der zehn Tumoren trat vor dem 50. Lebensjahr auf. Narod rät aufgrund der Ergebnisse Frauen mit BRCA1-Mutationen, sich bereits vor dem 35. Lebensjahr operieren zu lassen und dabei neben den Ovarien auch die Eileiter entfernen zu lassen. Frauen mit BRCA2-Mutationen könnten die Salpingo-Oophorektomie auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Der Experte vermutet, dass die Operation auch die meisten Peritonealkarzinome verhindert, bei denen es sich häufig um frühe Metastasen eines okkulten Ovarial­karzinoms handeln dürfte. In einer früheren Untersuchung hatte das Team heraus­gefunden, dass die Entfernung der Ovarien auch das Brustkrebsrisiko (signifikant um 56 Prozent bei BRCA1- und tendenziell um 46 Prozent bei BRCA2-Trägerinnen) senkt (J Clin Oncol 2005; 23: 7491-6). © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

09.08.17
Selektivvertrag für Genexpressions­diagnostik bei Brustkrebs geschlossen
Berlin – Der Bundesverband Deutscher Pathologen und die BKK VBU haben einen herstellerneutralen Selektivvertrag zu Genexpressionsdiagnostik für die Therapieentscheidung bei Brustkrebspatientinnen......
30.06.17
Brustkrebs: Test erspart Frauen mit sehr geringem Rezidivrisiko unnötige Therapie
Prognosetests bieten die Möglichkeit tumorbiologische Faktoren zu analysieren. Dazu zählen Tests wie Femtelle - uPA/PAI-1, MammaPrint, EndoPredict oder Oncotype DX. /Dan Race, stock.adobe.com San......
22.06.17
BRCA1/2: Neue Schätzungen zum Lebenszeitrisiko auf Mamma- und Ovarialkarzinom
Cambridge – Trägerinnen der „Brustkrebsgene“ BRCA1/2 haben ein hohes Lebenszeitrisiko auf ein Mamma- und Ovarialkarzinom, das jetzt erstmals auf der Basis von prospektiven Kohortenstudien berechnet......
05.06.17
Neuer Wirkstoff schrumpft Ovarialkarzinome in Phase 1-Studie
London - Ein neuer Wirkstoff, der über einen Folsäure-Rezeptor von Krebszellen aufgenommen wird und die Synthese von Bausteinen für die DNA-Synthese hemmt, hat sich in einer ersten klinischen Studie......
29.03.17
Mastektomie: Immer mehr Frauen entscheiden sich für prophylaktischen Eingriff
Atlanta – Junge Frauen mit lokal invasivem Krebs in einer Brust lassen sich zunehmend häufiger prophylaktisch auch die andere, gesunde Brust abnehmen. Bei etwa jeder dritten Brustkrebspatientin in den......
29.03.17
FDA lässt Niraparib bei Ovarialkarzinom zu
Silver Spring - Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat einen weiteren PARP-Inhibitor zur Behandlung des Ovarialkarzinoms und verwandter Malignome zugelassen. Grundlage waren die Ergebnisse einer Phase......
16.03.17
Ovarialkarzinome durch Asbest können wie Berufskrankheit anerkannt werden
Berlin – Zu Ovarialkarzinomen, die durch Asbest verursacht wurden, liegen mittlerweile ausreichende wissenschaftliche Erkenntnisse vor, um diese Erkrankungen künftig wie eine Berufskrankheit......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige