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Politik

US-Behörde prüft strittige Methode der künstlichen Befruchtung

Donnerstag, 27. Februar 2014

New York/Mannheim – Ein Baby mit drei Eltern – in den USA könnte das bald Wirklichkeit werden. Die Arzneimittelzulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) prüft gerade eine umstrittene Methode der künstlichen Befruchtung, bei der genetisches Material von drei Menschen vermischt wird. Ziel ist es, bestimmte Defekte auszuschalten.

Weltweit sollen bereits 30 Kinder auf diese Weise gezeugt worden sein. Genetisch stammen sie von drei Menschen ab: Vater, Mutter und Spendermutter. Als vor 13 Jahren eine Reproduktionsklinik in West Orange in New Jersey mit diesen Nachrichten an die Öffentlichkeit ging, untersagte die FDA, derartige Prozeduren an menschlichen Embry­onen ohne explizite Erlaubnis durchzuführen. Diese fordert nun ein Forscher aus Oregon, Shoukhrat Mitalipov, ein. Er hat die Reproduktionstechnik nach eigenen Angaben erfolgreich an Affen getestet.

Die Methode soll Paaren helfen, bei denen die Frauen an einer speziellen Erbkrankheit leiden. Sie können deshalb keine Kinder bekommen oder haben Kinder, die schwer krank sind. Der Defekt betrifft die sogenannten Mitochondrien, kleine Organellen in den Zellen, die für die Energiegewinnung verantwortlich sind. Liegt hier eine Mutation vor,  kann dies zu schwerwiegenden Krankheiten führen: Taubheit, Erblindung, Herzerkrankungen, Diabetes, Nervenleiden.

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In den USA kommen jedes Jahr zwischen 1.000 und 4.000 Kinder mit einem solchen Gendefekt zur Welt. Weil die Mitochondrien ausschließlich über die Mutter vererbt werden - die des Vaters lösen sich bei der Befruchtung auf - werden bei der strittigen Methode die krankhaften Mitochondrien gegen die einer gesunden Spenderin ausgetauscht.

Den größten Teil der Erbinformation enthält der Zellkern. Doch Mitochondrien haben ebenfalls eine DNA, wenn auch eine winzig kleine. Werden diese also in das befruchtete Ei eingeführt, ist der so entstehende Embryo auch Träger der DNA der Mitochondrien-Spenderin. Weil ihr Anteil so gering ist und nicht die Eigenschaften des Kindes betrifft, die eben im Zellkern gespeichert sind, halten Wissenschaftler den Mitochondrien-Transfer für vertretbar.

Briten wollen Gesetzentwurf vorlegen
Die US-Amerikaner sind allerdings nicht die ersten, die über das „Drei-Eltern”-Kind aus dem Reagenzglas debattieren. Die Briten gehen sogar schon einen Schritt weiter: Die Regierung beschloss im vergangenen Sommer, einen entsprechenden Gesetzentwurf zu erarbeiten; er soll dem Parlament noch in diesem Jahr vorliegen.

Die Entscheidung sorgte damals für heftige Reaktionen. Auch jetzt ist es in US-Medien ein großes Thema. Kritiker zeigen sich entsetzt und sprechen von einem gefährlichen Eingriff in die menschliche Keimbahn, an dessen Ende das Designer-Baby stehen könnte.

„Die Technik bringt eine weite Spanne an vorhersehbaren und nicht vorhersehbaren Risiken mit sich und könnte als Türöffner für weitergehende genetische Manipulationen am Menschen dienen”, warnt etwa das in Kalifornien ansässige Non-Profit-Zentrum für Genetik und Gesellschaft.

Medizinethiker hat großes Unbehagen
„Großes Unbehagen” zeigt auch der Mannheimer Medizinethiker Axel W. Bauer. „Es dürfte theologisch sehr bedenklich sein, wenn der Mensch nicht mehr nur Vater und Mutter hat, sondern drei Eltern”, sagt er.

Aus ethischen Gründen sieht er das Ganze kritisch: „Mit Mitochondrien, die scheinbar nicht so tief in die genetischen Eigenschaften des Kindes eingreifen, fängt es an. Aber damit wird es wahrscheinlich nicht aufhören.” Man befinde sich mit der Methode auf einer schiefen Ebene; da sei es bis zur Vermischung des kompletten Genoms von drei oder vier Menschen womöglich nicht mehr weit.

Zugleich hinterfragt er den Anspruch von Eltern, unbedingt ein Kind haben zu wollen: „Muss man ein Kind um jeden Preis erzwingen? Diese Frage stellt man schon gar nicht mehr.”

Derweil betonte die FDA, sich nur mit wissenschaftlichen Aspekten der strittigen Repro­duk­tionsmethode zu befassen – etwa ob sich in Tierversuchen gezeigt habe, dass das Verfahren sicher sei. Ethische und rechtliche Fragen stehen zunächst außen vor.

© kna/aerzteblatt.de

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