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Politik

10 Jahre DRG-System: Experten ziehen Bilanz

Donnerstag, 27. Februar 2014

Berlin – Vor zehn Jahren wurde das DRG-System in Deutschland eingeführt. Wie die diagnoseorientierten Fallpauschalen das deutsche Gesundheitssystem verändert haben, diskutierten Experten auf dem 21. Führungskräfteseminar des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) und des Verbandes der Diagnostica-Industrie (VDGH) gestern und vorgestern in Berlin. „Nicht-DRG-relevante Bereiche wurden abgebaut – nach dem Motto: Alles, was ich nicht abrechnen kann, brauche ich gar nicht oder versuche ich, so schlank wie möglich zu halten“, bilanzierte der Kaufmännische Direktor des Universitätsklinikums Aachen, Peter Asché.

In den zehn Jahren habe die Zahl der Ärzte an deutschen Krankenhäusern stetig zugenommen: von 114.000 Vollzeitstellen im Jahr 2003 auf 139.000 im Jahr 2011. „Dieser Anstieg ist dem DRG-System geschuldet, denn es ist halt das Personal wichtig, das abrechenbare Leistungen generieren kann“, sagte Asché. Die Zahl der Pflegekräfte sei demgegenüber von 320.000 Vollzeitstellen im Jahr 2003 zunächst auf 298.000 Stellen im Jahr 2007 gesunken, bevor sie bis 2011 wieder auf 310.000 Stellen ange­stiegen sei. Grund für den erneuten Anstieg sei die zunehmende Arbeitsverdichtung im Krankenhaus gewesen.  

Zugenommen habe zwischen 2003 und 2011 auch die Zahl der Mitarbeiter im Verwal­tungs­dienst: von 58.000 auf knapp 60.000 Vollzeitstellen. Anlass dafür seien die neuen Berufsgruppen gewesen, die im Zusammenhang mit dem DRG-System entstanden seien, zum Beispiel Kodierfachkräfte, erklärte Asché. Hier sei also Geld aus dem Bereich der Patientenversorgung in den Verwaltungsbereich geflossen.  

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Durch die Dokumentations- und Kodierungspflicht sei die Administration erheblich ange­wachsen, sagte auch der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des Universitäts­klinikums Münster, Norbert Roeder. Primärdokumentation und Kodierung, Abrechnungs­vorbereitungen und Plausibilisierungen seien dabei sehr aufwendig geworden und entzögen der Patientenversorgung Geld. „Wir haben die Zuwendung zum Patienten reduziert“, sagte Roeder. Denn sie werde nicht finanziert.

Das deutsche DRG-System: Grundsätzliche Konstruktionsfehler

Knapp zehn Jahre nach Einführung des DRG-Systems in Deutschland wird deutlich: Die Entwicklung des Versorgungsangebots im stationären Sektor darf nicht allein den unkalkulierbaren Wirkungen eines reinen Preissystems überlassen werden.

Insgesamt fiel Roeders Fazit des Fallpauschalensystem jedoch eher positiv aus: „Der Großteil der anfallenden Kosten kann über das DRG-System finanziert werden. Die Anreize haben zu einer Effizienzsteigerung im System geführt. Und wir haben einen intensiven Kostenwettbewerb erlebt.“ Das DRG-System habe die Qualität der stationären Versorgung nicht verschlechtert – mindestens sei diese auf gleichem Niveau geblieben. Doch heute könnten die erbrachten Leistungen transparenter dargestellt werden.   

Dem DRG-System werde häufig vorgeworfen, Anreize zu einer verstärkten Mengen­entwicklung zu liefern, so Roeder weiter. Für diese Entwicklung gebe es jedoch verschiedene Faktoren: „Die Menschen werden älter und wollen auch im Alter schmerz­frei sein. Dafür brauchen sie neue Gelenke.“ Wenn die Politik dies anders wolle, müsse sie diesen Wünschen einen Riegel vorschieben wie in Ländern mit Wartezeiten.

„Die Versorgungsrate mit Hüft- und Knieendoprothesen ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern hoch“, meinte auch Fritz Uwe Niethard, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Eine hohe Versorgungsrate sei aber auch Ausdruck eines hochentwickelten Gesundheitssystems.

Auch die Bundes­ärzte­kammer hat vor kurzem eine Bilanz des DRG-Systems gezogen. Ihr Fazit: „Das DRG-Fallpauschalensystem ist in seiner bisherigen Rolle als für die wirtschaftliche Entwicklung der Krankenhäuser durchschlagend verbindliches Preis-Mengensystem überfordert.“ Denn als direktes Preissystem würden die Fallpauschalen zu dem für das wirtschaftliche Überleben der Krankenhäuser fast ausschließlichen Bestimmungsfaktor.

Problematisch sei dabei insbesondere die Unfähigkeit des Systems, auf aktuelle Kostenentwicklungen im Bereich der Tarife oder der Energiekosten zu reagieren. Die BÄK fordert daher, die DRG-Erlösbudgets künftig nur noch als Untergrenze für die Festlegung und künftige Abrechnung des Krankenhauserlösvolumens zu verwenden.

In Ergänzung dazu seien ausreichende Ermessensspielräume für regionale Verein­barungen von Vergütungen zu schaffen, insbesondere für die Sicherstellung der wohn­ortnahen Krankenhausbehandlung in strukturschwachen Regionen, die Finanzierung von Extremkostenfällen und der Transplantationsmedizin, die besondere Förderung von Qualität, Hygiene und Fortbildung oder die unmittelbare Reaktion auf Tarifanpassungen, Anpassungen von Haftpflichtversicherungen oder Energieumlagen. © fos/aerzteblatt.de

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