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Medizin

Cushing-Syndrom: Mutation entfesselt Kortison-Sturm

Donnerstag, 27. Februar 2014

Würzburg – Mehr als ein Drittel aller Nebennierenadenome, die zum Cushing-Syndrom führen, haben somatische Mutationen in einem Gen, das die Cortisolproduktion beein­flusst. Dies berichtet ein internationales Forscherteam im New England Journal of Medicine (2014; doi: 10.1056/NEJMoa1310359). Eine angeborene Duplikation des Gens scheint auch für viele Fälle einer beidseitigen Hyperplasie der Nebennieren verantwort­lich zu sein, die ein Cushing-Syndrom zur Folge hat.

Etwa 3 Prozent aller Erwachsenen haben Adenome in der Nebennierenrinde. Nur bei den wenigsten kommt es aber zu einer exzessiven Bildung des Stresshormons und zum Cushing-Syndrom, das mit Diabetes mellitus, arterieller Hypertonie, ausgeprägter Muskel­schwäche und Osteoporose einhergeht und die Körpergestalt durch Stammfett­sucht, „Vollmondgesicht“ und „Stiernacken“ stark verändert.

Um die Ursache der stark gesteigerten Hormonproduktion in einzelnen Adenomen zu eruieren, haben Felix Beuschlein vom Universitätsklinikum Würzburg und Mitarbeiter aus Deutschland, Frankreich, Italien und den USA alle Abschnitte im Erbgut von Adenomen entschlüsselt, die die Information für sämtliche Proteine enthalten. In acht von zehn Tumoren stießen sie auf Mutationen in dem Gen PRKACA.

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Daraufhin untersuchten die Forscher 59 weitere Adenome: Bei 22 fanden sie ebenfalls Mutationen im PRKACA-Gen. Demnach könnten die Mutationen für mehr als ein Drittel aller Adenome verantwortlich sein. Bei gesunden Personen wurden die Mutationen nie­mals gefunden. Auch Menschen mit Adenomen, aber ohne eine gesteigerte Cortisol-Produktion, wiesen sie nicht auf.

Dies spricht für eine ursächliche Bedeutung des Gens, das die Information für eine Proteinkinase A enthält. Dieses Protein ist an der Steuerung verschiedener Stoff­wechsel­prozesse beteiligt und die Forscher vermuten, dass es die Bildung von Cortisol steigert. Weitere Untersuchungen der Forscher ergaben, dass die gefundenen Mutati­onen die Aktivität der Proteinkinase verstärkten.

Ähnliche Auswirkungen hatte eine Duplikation des PRKACA-Gens im Chromosom 19, die die Forscher bei 5 von 35 Patienten mit einer bilateralen Hyperplasie der Nebennieren­rinde fanden. Hier befanden sich die Mutationen in der Keimbahn, also in allen Zellen des Körpers, während sie bei den Patienten mit den Adenomen nur in dem Tumor gefunden wurden, was die Unterschiede zwischen den beiden Varianten des Cushing-Syndroms erklärt: Einmal ist die Cortisolproduktion in allen beteiligten Drüsenzellen beider Nebennieren gesteigert, im anderen Fall ist nur die Produktion in den Adenomen gesteigert. © rme/aerzteblatt.de

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