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Medizin

Melanom: Wie UV-Licht der Metastase den Weg weist

Donnerstag, 27. Februar 2014

Melanom-Zellen /dpa

Bonn – UV-Licht ist nicht nur ein wichtiger Auslöser des malignen Melanoms, es fördert auch die Metastasierung. Dabei spielt die Entzündungsreaktion der Haut eine unglück­liche Rolle, wie Experimente in Nature (2014; doi: 10.1038/nature13111) zeigen.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 20.000 Menschen an einem Melanom. Etwa jeder Vierte stirbt an dem Malignom, das bereits in einem frühen Stadium metastasieren kann. Bevor sie in die Lymph- und Blutwege eindringen, breiten sich die Tumorzellen häufig am Rand der Gefäßwände aus. Dieser Angiotropismus ist besonders in Melano­men ausgeprägt, die von einem entzündlichen Infiltrat umgeben sind. Diese Tumore, die häufig oberflächlich geschwürig verändert sind, zeichnen sich durch eine besonders schlechte Prognose aus.

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Ein Forscherteam um Thomas Tüting und Evelyn Gaffal von der Universität Bonn haben die pathogenetischen Hintergründe an Gen-Mäusen (mit Mutationen, die die Bildung von Melanomen begünstigen) untersucht. Sie können zeigen, dass UV-Strahlung den Angiotro­­pismus der Melanome fördert und damit eine Fernmetastasierung in die Lunge zunimmt.

Am Anfang steht die Freisetzung des Proteins HMGB1 (für High-Mobility-Group-Protein B1) aus den Keratinozyten, die vom UV-Licht ausgelöst wird. HMGB1 lockt – vermutlich über den Toll-ähnlichen Receptor (TLR) 4 – Granulozyten an den Ort des Geschehens. Deren Aufgabe besteht eigentlich in einer Reparatur des Defekts. Zu diesem Zweck kommt es zu einer Entzündungsreaktion. Dies hat beim malignen Melanom jedoch einen nachteiligen Effekt. Denn die Granulozyten scheinen – über einen noch zu erforschenden Mechanismus – den Angiotropismus der Melanomzellen zu fördern.

Die Ergebnisse erklären, warum entzündlich infiltrierte und ulzerierte Melanome frühzeitig metastasieren, meint Tüting. Gleichzeitig liefern die Erkenntnisse neue Therapieansätze. Wirkstoffe, die HMGB1 oder TLR4 hemmen, könnten die Metastasierung blockieren. Der ebenfalls an der Studie beteiligte Pharmakologe Michael Hölzel hat noch eine andere Idee.

Er vermutet, dass die UV-Strahlung die Melanozyten in den Zustand ihrer embryonalen Vorläuferzellen zurückversetzt. Die Pigmentzellen würden während der vorgeburtlichen Entwicklung auf dem gleichen Weg in der Haut einwandern, den die Tumorzellen bei der Metastasierung in umgekehrter Richtung zurücklegen. In anderen Bereichen der Onkolo­gie hat sich herausgestellt, dass Gene, die an der Embryogenese beteiligt sind und nach der Geburt abgeschaltet wurden, von Tumorzellen erneut aktiviert werden, um das Krebswachstum voranzutreiben. © rme/aerzteblatt.de

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