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Medizin

Arme Wohngegenden fördern Diabetes und Adipositas

Freitag, 28. Februar 2014

dpa

München – Menschen in ärmeren Wohngegenden sind häufiger fettleibig und an Typ 2-Diabetes erkrankt. Dies zeigt die Auswertung einer repräsentativen Gesundheits­befragung der deutschen Bevölkerung in PLoS One (2014; doi: 10.1371/journal.pone.0089661).

Der Einfluss der sozioökonomischen Benachteiligung (Deprivation) auf den Gesundheits­zustand der Bevölkerung ist bisher nur in angelsächsischen Ländern untersucht worden. Vor allem in Großbritannien, wo seit langem die Wohnorte klar nach der sozialen Zugehörigkeit getrennt sind, lassen sich mit geographischen Instrumenten regionale Unterschiede bei Krankheiten nachweisen.

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Das Team um den Diplomgeografen Werner Maier vom Helmholtz Zentrum München hat einen britischen Deprivations-Index auf deutsche Verhältnisse übertragen. Der „German Index of Multiple Deprivation“ (GIMD) berücksichtigt die sieben Faktoren Einkommen, Beschäftigung, Bildung, kommunale Einnahmen, Sozialkapital, Umwelt und Sicherheit. Die am meisten benachteiligten Regionen befanden sich in Ostdeutschland und in Teilen des Ruhrgebiets. Am besten gestellt waren die Bewohner im Süd- und Südwest­deutschland, sowie im Nordwesten.

Die Forscher haben den GIMD der einzelnen Regionen mit den Angaben von mehr als  33.000 Personen im Alter ab 30 Jahren in Beziehung gesetzt, die 2009 und 2010 an den telefonischen Gesundheitsbefragungen „Gesundheit in Deutschland Aktuell“ (GEDA) des Robert Koch-Instituts teilgenommen hatten.

Ergebnis: In Regionen mit der höchsten Deprivation waren Adipositas und Typ 2-Diabetes am häufigsten: Im Quintel mit dem höchsten GIMD (sprich der höchsten Deprivation) waren 8,6 Prozent der Befragten an Typ 2-Diabetes erkrankt. Im Quintel mit dem niedrigsten GMID waren es nur 5,8 Prozent. Bei der Adipositas betrugen die Unterschiede 16,9 zu 13,7 Prozent.

Eine hohe regionale Deprivation hatte vor allem bei Frauen negative Auswirkungen auf die Prävalenz von Adipositas und Typ 2-Diabetes. Bei Männern ließ sich laut Meier ein statistisch signifikanter und unabhängiger Zusammenhang nur für die Adipositas, nicht aber für den Typ 2-Diabetes nachweisen. Die höhere Diabetesprävalenz bei Frauen ließ sich in weiteren Analysen vor allem auf ein niedriges Bildungsniveau zurückführen.

Die eigentlichen Ursachen für die negativen Auswirkungen der regionalen Deprivation auf den Gesundheitszustand kann die Studie nicht klären. Neben Bildung und Ein­kommen könnten auch die Freizeitangebote eine Rolle spielen. Meier vermutet ein Netzwerk von infrastrukturellen Ursachen.

So könnten ärmere Wohngegenden weniger einladend für sportliche Aktivitäten sein, weil Grünflächen, Fuß- und Radwege fehlen oder es weniger Sportvereine gibt, schreibt Meier. Auch eine (vielleicht gar nicht berechtigte) Angst vor Überfällen könnte die Bewohner davon abhalten, im Freien etwas für ihre Fitness zu tun. Diese Einflüsse konnten in der Studie allerdings ebenso wenig untersucht werden wie beispielsweise die Rolle der hausärztlichen Versorgung. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #661913
Doro Maier
am Dienstag, 4. März 2014, 16:26

Link zur ACE-Studie

Hier übrigens der Link zur ACE-Studie:

http://www.acestudy.org/files/Gold_into_Lead-_Germany1-02_c_Graphs.pdf
Avatar #661913
Doro Maier
am Dienstag, 4. März 2014, 16:21

Henne oder Ei??

Frage: Werden die Menschen - wie die Überschrift unterstellt - krank durch ihr Wohnumfeld

ODER

leben in solchen Wohngegenden überproportional viele Menschen, die aufgrund Gewalterfahrungen, Vernachlässigung in der Kindheit usw. Schwierigkeiten mit der Bewältigung des ganz normalen Alltags haben, berufliche und soziale Probleme haben, demzufolge in sozial und wirtschaftlich prekären Verhältnissen leben, unter Essstörungen leiden (die wiederum zu Adipositas und Diabetes führen können), und aufgrund ihrer komplexen Problemlagen gesundheitlich angeschlagener sind?

Die amerikanische Kaiser Permanente Kran­ken­ver­siche­rung hat 1995 eine Studie mit Daten von 17.421 Versicherten bzgl. dem Zusammenhang zwischen belastenden Kindheitserfahrungen (Adverse Childhood Experiences, kurz ACEs) und dem Gesundheitszustand durchgeführt. Ergebnis: Je mehr belastende Kindheitserfahrungen erlebt wurden (also verschiedene Misshandlungsformen) desto deutlicher wurden die Zusammenhänge u.a. zu Übergewicht, Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Rauchen, Depressionen, Konsum von Antidepressiva, Halluzinationen, unerklärliche Symptome, Selbstmord, verringerte Arbeitsfähigkeit, geringere Lebenserwartung usw.

Dabei muss man anmerken, dass die untersuchten Versicherten der amerikanischen Mittel- bzw. höheren Mittelschicht angehörten. Gerade für Menschen, die sich keine Kran­ken­ver­siche­rung leisten können, die gesellschaftlich abgerutscht sind, sind wohl noch höhere ACE-Werte zu erwarten und auch weit aus mehr Folgen.
Avatar #96986
icarus
am Sonntag, 2. März 2014, 17:10

Unerträgliche omnipräsente political correctness

Diese ständige Benachteiligungsgeheule ist nicht mehr auszuhalten. "Angst vor Überfällen" und "wenig Grünflächen", ich lach mich tot!
Wer Menschen mit Vollkasko-Wohlfahrt-rundum-Betreuung beglückt, beraubt sie ihrer Selbstverantwortung, Ihres Antriebs und letztlich Ihrer Würde.
Das Ergebnis sind oftmals die berühmten DDD-Patienten (dick, dumm, Diabetes, gerne auch Nikotin), die nicht den geringsten Antrieb haben auch nur irgendetwas an Ihrem Leben zu ändern, schließlich sind sie gewohnt dass Andere sich um ihr Leben kümmern. Hand aufs Herz, wer im Krankenhaus arbeitet weiß genau was ich meine.
Aber vielleicht fährt sie künftig ein Sozialarbeiter zu kostenlosen Kursen der Kassen, in denen Sport- und Ernährungspädagogen in 20 Sprachen alles zum Besseren wenden.
LNS

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