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Medizin

ALS: Hyperkalorische Sondennahrung könnte Leben verlängern

Freitag, 28. Februar 2014

dpa

Boston – Eine hyperkalorische Sondennahrung hat sich in einer Phase-II-Studie bei Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose als sicher erwiesen. Laut der Studie im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)60222-1) könnte die Lebenserwartung im Endstadium der Erkrankung allein durch die Ernährung verlängert werden.

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist nicht heilbar. Es gibt derzeit auch kein Medi­kament, das die fortschreitende Degeneration der Motoneuronen im Rückenmark aufhalten könnte. Dies schließt allerdings nicht aus, dass symptomatische Therapien die Folgen der Erkrankung begrenzen können. Zu diesen Folgen gehört ein Gewichtsver­lust. Er ist bedingt durch Schluckstörungen, Depressionen, und technische Probleme mit der im Endstadium notwendigen Sondenernährung.

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Darüber hinaus scheint es bei den Patienten zu einer Steigerung des Grundumsatzes zu kommen: Neurologen sprechen von einem „hypermetabolischen“ Status, der den Tages­bedarf der Patienten an Kalorien erhöht. Ein Team um Anne-Marie Wills vom Massa­chusetts General Hospital in Boston hat jetzt in einer Studie untersucht, ob eine hyperkalorische enterale Ernährung den Gewichtsverlust aufhalten kann.

An der Studie nahmen 24 Patienten teil, die die El Escorial-Kriterien der ALS erfüllten, bereits stark abgenommen hatten und über eine Sonde ernährt wurden. Es durften keine Kontraindikationen wie Diabetes oder Hepatitis gegen eine hochkalorische Ernährung bestehen, Cholesterinsenker waren verboten.

Die Studienteilnehmer wurden auf drei Gruppen verteilt: Eine Kontrollgruppe erhielt die übliche Sondennahrung, die den Tageskalorienbedarf decken sollte. In den beiden anderen Gruppen war der Fettgehalt oder der Kohlenhydratgehalt deutlich erhöht. Die Kalorienmenge war auf 125 Prozent des errechneten Bedarfs erhöht.

Primärer Endpunkt der Studie waren Verträglichkeit und Sicherheit der hochkalorischen Sondenernährung. Sie waren insbesondere bei der kohlenhydrat-betonten Sonden­nahrung gegeben. Keiner der acht Patienten brach die Therapie im Verlauf der viermonatigen Intervention ab, berichtet Wills. Auch unter der fett-betonten Sonden­nahrung gab es nur einen Aussteiger, während in der Kontrollgruppe drei von sechs Patienten die Studie vorzeitig abbrachen (Hinzu kamen insgesamt noch vier Patienten, die vor Studienbeginn ausstiegen).

Die wenigsten Nebenwirkungen gab es unter der fett-betonten Sondennahrung (23 Ereignisse, versus 42 in der Kontrollgruppe und 48 in der kohlenhydrat-betonten Sondennahrung). Unter der kohlenhydrat-betonten Sondennahrung kam es sogar zu einer leichten Zunahme des Gewichts. Aber auch die Teilnehmer der Kontrollgruppe konnten ihr Gewicht halten, während es unter der fett-betonten Diät zu einem Gewichtsverlust kam, obwohl sie laut Wills mehr als 150 Prozent der notwendigen Kalorien erhalten hatten - was ein erneuter Beleg für die „hypermetabolische“ Hypothese sein mag.

Wills sieht aufgrund der Ergebnisse keine Sicherheitsbedenken gegen die beiden hyperkalorischen Sondennahrungen, zumal diese sich sogar günstig auf die Überlebenszeiten der Patienten auswirkten. Während der fünfmonatigen Nachbeobachtungsphase kam es unter der kohlenhydrat-betonten Diät zu keinem Todesfall, während in der Gruppe mit fett-betonter Diät ein Patient starb. In der Kontrollgruppe gab es drei Todesfälle. Alle Patienten starben an einem respiratorischen Versagen, der häufigsten krankheitsbedingten Todesursache bei der ALS.

Die geringe Fallzahl verbietet weitergehende Aussagen über die Auswirkungen der hyperkalorischen Sondennahrung auf die Überlebenszeit. Der Editorialist Ammar Al-Chalabi vom King's College in London stimmt Wills zu, dass jetzt dringend eine größere Phase-III-Studie durchgeführt werden sollte. Ob es dazu kommt, sei allerdings zweifelhaft.

Aufgrund der guten Ergebnisse dürften sich kaum noch Patienten für eine Kontroll­gruppe finden, befürchtet Al-Chalabi. Dabei habe sich bei der ALS schon mehrfach gezeigt, dass Ergebnisse einer Phase-II-Studie später nicht bestätigt werden konnten. Zuletzt scheiterte eine Lithium-Therapie, die zuvor in einer Phase-II-Studie vielver­sprechende Ergebnisse gezeigt hatte (Lancet Neurology 2013; 12: 339-345). © rme/aerzteblatt.de

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