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Medizin

Prostatakarzinom: Operation ist Radiotherapie laut Studie überlegen

Freitag, 28. Februar 2014

Oxford – Die Chancen, ein nicht-metastasiertes Prostatakarzinom für 15 Jahre zu überleben, ist einer Beobachtungsstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2014; 348: g1502) zufolge für die erkrankten Männer höher, wenn sie sich für eine radikale Prostatektomie statt für eine Radiotherapie entscheiden.

Operation und Strahlentherapie sind beim Prostatakarzinom konkurrierende Behand­lungs­methoden, die niemals in einer randomisierten Studie miteinander verglichen wurden. Welche Behandlung besser ist, lässt sich deshalb nur schwer bewerten, zumal das Karzinom sehr langsam wächst und sich die Prognose erst nach vielen Jahren entscheidet.

Prasanna Sooriakumaran von der Universität Oxford versucht die Frage jetzt durch die Analyse schwedischer Patientenregister zu entscheiden. In dem skandinavischen Land sind in den Jahren 1996 bis 2010 34.515 Männer wegen eines Prostatakarzinoms behandelt worden: 21. 533 entschieden sich für eine radikale Prostatektomie, 12.982 ließen eine Radiotherapie durchführen.

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Die Patienten überließen die Wahl allerdings nicht dem Zufall, wie dies in einer rando­misierten klinischen Studie der Fall gewesen wäre. Die Daten lassen bestimmte Präferenzen erkennen. So entschieden sich mehr Männer im fortgeschritten Stadium und mit ungünstiger Histologie für die Strahlentherapie. Auch die PSA-Werte waren höher als bei den Patienten, die eine radikale Prostatektomie bevorzugten.

Diese Faktoren können eine höhere Rate von Rezidiven und Todesfällen nach der Radiotherapie erklären. Hinzu kommt, dass die Patienten, die eine Strahlentherapie erhielten, etwas älter waren und eine höhere Komorbidität hatten. Auch dies könnte die Überlebenschancen verschlechtert haben. Schließlich gab es Faktoren wie geringe Bildung, ein niedrigerer sozioökonomischer Status und ein höherer Anteil von nicht Verheirateten, deren Auswirkungen sich schwer abschätzen lassen.

Schließlich starben bisher (nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 5,37 Jahren) nach der Operation erst 339 Patienten am Prostatakarzinom und 1.064 an anderen Ursachen. Nach der Strahlentherapie waren es im gleichen Zeitraum 697 und 1.127 Patienten, also deutlich mehr, wenn man bedenkt, dass fast doppelt so viele Patienten für die Operation votiert hatten.

Sooriakumaran hat versucht, die Verzerrungen, die sich aus den Ungleichverteilungen ergeben, mit mehreren statistischen Methoden zu eliminieren. Am Ende bleibt eine gewisse Überlegenheit der Operation. Für die Strahlentherapie ermittelt Sooriakumaran eine Hazard Ratio von 1,76 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,49-2,08) auf einen Krebstod nach der Behandlung eines nicht-metastasierten Prostatakarzinoms.

Beim metastasierten Prostatakarzinom war kein Unterschied erkennbar. Eine Hazard Ratio von 0,76 würde sogar für die Bevorzugung einer Strahlentherapie sprechen. Bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,49 bis 1,19 war der Zusammenhang jedoch nicht signifikant.

Interessanter für die Therapieentscheidung sind möglicherweise die Überlebenskurven für die ersten 15 Jahre, die Sooriakumaran extrapoliert hat. Von den Patienten mit nicht-metastasiertem Prostatakarzinom starben weniger als 20 Prozent während dieser Zeit an ihrem Tumor, unabhängig davon, ob sie sich für eine Operation oder eine Radiotherapie entschieden haben.

Allerdings kann Sooriakumaran keine Daten für Patienten vorlegen, die sich für eine abwartende Haltung entschieden haben, zu der heute immer häufiger vor allem älteren Patienten geraten wird. Aufgrund der vielen Unwägbarkeiten, die mit Beobachtungs­studien verbunden sind, dürfte die Frage, welche Option im Fall einer Behandlung die bessere ist, weiter offen sein. © rme/aerzteblatt.de

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