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„International erfolgreiche Forschung kann nur mit wirtschaftlich gesunden Universitätsklinika gelingen“

Sonntag, 2. März 2014

Berlin – Verbesserungen für die hochschulmedizinische Forschung in Deutschland hat die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) in ihrem neuen Jahresgut­achten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit angemahnt. Ihre Kritik: Deutschland verfüge zwar über leistungsfähige hochschulmedizinische Standorte, aber keiner dieser Standorte sei international führend. Die Kommission empfiehlt daher unter anderem, die Forschungsförderung stärker auf wenige exzellente Standorte zu konzentrieren und die Bedingungen für Wissenschaftler in Deutschland zu verbessern.

5 Fragen an den Generalsekretär des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands, Ralf Heyder

DÄ: Keine internationale Spitzenforschung in der deutschen Hochschulmedizin – gibt es da nicht Gegenbeispiele?
Heyder: Natürlich haben wir zahlreiche Beispiele für medizinische Spitzenforschung in Deutschland. Das stellt das aktuelle Gutachten ja auch gar nicht infrage. In dem EFI-Gutachten wurden unter anderem Publika­tions­leistungen verglichen. Hier schneiden die US-Ameri­kaner traditionell besser ab. Im Bereich der klinischen Prüfungen steht Deutschland sehr gut da. Diese Studien spielen bei der Translation von Ergeb­nissen aus der Grundlagenforschung in die Patientenversorgung eine wichtige Rolle. Hier haben wir im internationalen Vergleich leistungsfähige Strukturen. Das wird auch im EFI-Gutachten betont.

DÄ: Wie bewerten sie die EFI-Empfehlung, die Forschungsförderung stärker auf wenige Zentren zu konzentrieren?
Heyder: Wir brauchen international wahrnehmbare Leuchttürme der Forschung, das ist keine Frage. Gleichzeitig haben wir in Deutschland aber auch in der Fläche eine große Breite guter Forschungseinrichtungen. Herausragende Leuchttürme und eine gleichzeitig breit aufgestellte Forschungslandschaft darf man nicht gegeneinander stellen. Wir brauchen beides. In den USA existieren zwar einige weltweit anerkannte Leuchttürme der medizinischen Forschung. Danach kommt aber in der Breite nicht mehr viel. Das ist in Deutschland anders. Ein Forschungsschwerpunkt wie die „Community Medicine“ in Greifswald, der sich mit einer alternden und schrumpfenden Bevölkerung im ländlichen Raum beschäftigt, konnte sich eben nur unter den dortigen besonderen Rahmenbe­dingungen entwickeln.

DÄ: Welche Möglichkeiten haben die Universitätsklinika, die Forschung für den Nachwuchs attraktiver zu gestalten? Woran mangelt es?
Heyder: In den vergangenen Jahren haben die medizinischen Fakultäten und die Uniklinika eine Reihe neuer Modelle entwickelt, um die wissenschaftliche Laufbahn zu stärken. Und das trotz stagnierender oder sogar rückläufiger Grundfinanzierung. Ein wesentliches Hemmnis für die Attraktivität wissenschaftlicher Laufbahnen sind die Weiter­bildungs­ordnungen, für die die Ärztekammern verantwortlich sind. Hier muss dringend die Anerkennung von Forschungszeiten für die Facharztweiterbildung verbessert werden. Solange Forschung zur Weiterbildungsbremse wird, werden sich junge Ärzte gegen eine wissenschaftliche Laufbahn entscheiden.

DÄ: Die Gutachter fordern einen Ausgleich für Forschung und Lehre. Wie sollte der aussehen?
Heyder: Die Universitätsklinika haben eine Sonderrolle für das gesamte Gesundheits­wesen. Hierzu gehört unter anderem die Medizinerausbildung, die Durchführung klinischer Studien zur Bewertung neuer Therapieverfahren, die forschungsnahe Behandlung Seltener Erkrankungen. Aus diesen Aufgaben resultieren Sonderbelas­tungen an der Schnittstelle zur Patientenversorgung, für die es in Deutschland keine adäquate Finanzierung gibt.

Die Deutsche Hochschulmedizin hat daher das Konzept eines Systemzuschlags entwickelt, also eine dritte Finanzierungssäule für die Hochschulmedizin. Im inter­nationalen Vergleich sind solche Zusatzfinanzierungen üblich, das zeigt auch das EFI-Gutachten. Hier muss Deutschland dringend nachziehen. International erfolgreiche Forschung kann in der Medizin auf Dauer nur mit wirtschaftlich gesunden und auf dem neuesten technischen Stand ausgestatteten Universitätsklinika gelingen.

DÄ: Wie sehen Sie die Entwicklung der medizinischen Forschung in Deutschland in den vergangenen Jahren? Sind wir auf einem guten Weg?
Heyder: In der klinischen Forschung und der Translation hat sich in den letzten Jahren viel in die richtige Richtung entwickelt. In den Deutschen Zentren für Gesundheits­forschung steckt sicherlich viel Potenzial für exzellente Forschung. Hier muss aber noch das Zusammenspiel der Zentren mit den Fakultäten und Uniklinika verbessert werden.

Immer kritischer steht es dagegen um die Grundfinanzierung von Forschung und Lehre sowie die Investitionsfinanzierung für die Hochschulmedizin. Die Schuldenbremse wird in den kommenden Jahren die Handlungsmöglichkeiten der Länder weiter einschränken. Deshalb brauchen wir eine stärkere Förderung durch den Bund. In diese Kerbe haut ja auch das EFI-Gutachten. Bleiben die notwendigen Reformen des ordnungspolitischen Rahmens aus, dann werden wir schon in wenigen Jahren große Probleme im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe bekommen. © hil/aerzteblatt.de

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