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Politik

Hochschulmedizin: Schlechte Jahresergebnisse

Montag, 3. März 2014

dpa

Berlin – Zu Beginn der Legislaturperiode fordert die Hochschulmedizin neben Reformen der allgemeinen Krankenhausfinanzierung erneut eine eigenständige Finanzierungs­säule (Systemzuschlag) für die  Universitätsmedizin. Dabei verweist sie auf die  vorläu­figen Jahresabschlusszahlen von 2013. Diese belegen ein Defizit von 161 Millionen Euro für alle deutschen Universitätsklinika.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die finanziellen Rahmenbedingungen für die Universitäts­klinika nicht mehr stimmen“, sagte Michael Albrecht, Erster Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika (VUD), heute in Berlin. Trotz des noch vor der Bundestagswahl verabschiedeten Krankenhaushilfspaketes müssten die Uniklinika ein Rekorddefizit verkraften. In einem Zeitraum von nur zwei Jahren seien die Jahresabschlusszahlen um rund 200 Millionen Euro eingebrochen und auch 2014 sei keine Besserung ist in Sicht. Etwa 55 Prozent der Universitätsklinika erwarteten für dieses Jahr ein Defizit.

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Den  Finanzbedarf der Universitätsmedizin beziffert Albrecht jedoch noch deutlich höher als das jährlich anfallende Defizit. Der VUD und der Medizinische Fakultätentag (MFT) gehen deshalb  davon aus, dass die 33 Universitätsklinika derzeit rund eine Milliarde Euro pro Jahr benötigen, also je nach Größe des Universitätsklinikums  zwischen 20 und 40 Millionen Euro.

„Die Universitätsklinika leiden wie alle anderen Krankenhäuser auch unter der unzu­reichenden Finanzierung des Krankenhaussektors. Daneben haben sie aufgrund ihrer besonderen Rolle für das Gesundheitswesen mit zusätzlichen Belastungen zu kämpfen“, erklärte Heyo Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentages.

Als Ursachen für  die schlechte wirtschaftliche Situation der Uniklinika nannte Kroemer steigende Kosten für Personal, Medikamente und Energie, sinkende Investitions­zu­schüsse der Bundesländer sowie eine unzureichende Berücksichtigung der Sonder­rolle der Universitätsklinika für das Gesundheitswesen.

Zu den besonderen Aufgaben der Universitätsklinika zählen VUD und MFT vor allem acht Punkte: die Zuständigkeit für die Mediziner-Aus- und Weiterbildung, die Forschung, schwierige und komplizierte Extremkostenfälle, die oft nur noch an den Universitätsklinika versorgt werden können, die Versorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen, die Hochschulambulanzen, die klinische Erprobung und Erstanwendung von neuen medizi­nischen Produkten und Verfahren sowie eine alle Disziplinen umfassende Notfall­versorgung.

„In der Universitätsmedizin hängen Krankenhausbetrieb und Forschung untrennbar zusammen. International erfolgreiche Forschung kann in der Medizin auf Dauer nur mit wirtschaftlich gesunden und auf dem neuesten technischen Stand ausgestatteten Uni­versi­tätsklinika gelingen“, ist Kroemer überzeugt. Internationale Vorbilder gebe es direkt vor unserer Haustür: „Die Niederlande fördern seit vielen Jahren systematisch ihre Universitätsmedizin. Deshalb sind sie inzwischen eines der leistungsstärksten Länder in der Medizinforschung“, so Kroemer. „Deutschland muss hier dringend nachziehen.“

Rückendeckung erhielten die Forderungen der Hochschulmedizin durch das in der vergangenen Woche veröffentlichte Gutachten der Expertengruppe Forschung und Innovation (EFI) der Bundesregierung.  „Ohne Reformen drohen massive Nachteile im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe in der Medizin“, fasste Kroemer den Inhalt des Papiers zusammen. Das Gutachten zeige, dass die Politik handeln müsse, um den Medizinforschungsstandort Deutschland im internationalen Wettbewerb besser zu positionieren. © ER/aerzteblatt.de

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