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Medizin

Studie untersucht Bisphenol A als Prostatakrebsrisiko

Dienstag, 4. März 2014

Cincinnati – Der Plastikzusatzstoff Bisphenol A, der als endokriner Disruptor bereits in geringen Mengen hormonartige Wirkungen entfaltet, wird in einer Studie in PloS One (2014; doi: 10.1371/journal.pone.0090332) erstmals mit der Entwicklung des Prostatakarzinoms in Verbindung gebracht.  

Bisphenol A (BPA) wird zur Herstellung von Plastik und Epoxidharzen verwendet aus deren Endprodukten es freigesetzt wird. Dies hat dazu geführt, dass heute bei mehr als 90 Prozent aller Menschen BPA im Urin nachweisbar ist. Da BPA eine östrogenartige Wirkung erzielt und Östrogene nach heutigem Kenntnisstand an Entstehung und Progression des Prostatakarzinoms beteiligt sind, hat das Team um Shuk-mei Ho von der Universität Cincinnati die BPA-Konzentration im Urin von 27 Patienten mit Prostatakrebs mit der von 33 anderen urologischen Patienten verglichen.

Die Prostatakrebspatienten hatten mit 5,74 µg/g BPA (kreatinin-adjustiert) deutlich höhere Konzentrationen als die Vergleichsgruppe mit 1,43 µg/g. Noch deutlicher war der Unterschied bei den Patienten, die vor dem 65. Lebensjahr an einem Prostatakarzinom (8,08 versus 0,90 µg/g) erkrankt waren. Hier war die Assoziation statistisch signifikant, was in der Gesamtgruppe wegen der insgesamt doch geringen Teilnehmerzahl nicht der Fall war.

BPA wurde bisher beim Menschen nicht mit Krebserkrankungen in Verbindung gebracht. Dies mag erklären, warum zu dieser Frage bisher keine epidemiologischen Unter­suchungen zur Assoziation mit dem Prostatakarzinom, der häufigsten Krebserkrankung beim Mann, durchgeführt wurden. Es gibt jedoch Hinweise aus tierexperimentellen Stu­dien, denen Ho jetzt eigene laborexperimentelle Befunde hinzufügt.

Ihre Experimente zeigen, dass BPA in verschiedenen Zelllinien der Prostata Störungen an den Centromeren verursacht. Diese Organellen dienen bei der Zellteilung als Anker für die Mikrotubuli, die die Chromosomen auf die Tochterzellen verteilen. Schon geringe Mengen von BPA reichten in den Experimenten aus, um die Zahl der Centromere in den Zellen zu erhöhen, was zu Störungen bei den Zellteilungen führen könnte. Der Anteil der Zellen mit einer Centromer-Amplifikation hat sich um den Faktor zwei bis acht erhöht, berichtet Ho.

Die Experimente sind weit davon entfernt, einen Zusammenhang zwischen dem Prostatakarzinom und der BPA-Exposition zu belegen. Es fehlt der Beweis, dass die Centromer-Amplifikation tatsächlich ein Krebswachstum initiieren kann. Auch die Assoziation zwischen BPA im Urin und dem Prostatakrebs müsste durch weitere epidemiologische Studien an einer größeren Teilnehmerzahl erhärtet werden. © rme/aerzteblatt.de

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