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Dreimonatsspritze könnte vor HIV-Infektion schützen

Mittwoch, 5. März 2014

dpa

New York – Intramuskuläre Injektionen mit einem Analog des Integrasehemmers Dolutegravir haben in zwei Studien Affen zuverlässig vor einer analen oder vaginalen Infektion mit dem HI-Virus geschützt, berichten Forscher auf der Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections(CROI) in Boston. In den USA soll noch in diesem Jahr mit einer ersten klinischen Studie mit dem von einer Tochterfirma von GlaxoSmithKline entwickelten Substanz begonnen werden.

Die bisherigen Feldstudien zur oralen Präexpositionsprophylaxe (PrEP) sind an der mangelnden Compliance der Teilnehmer gescheitert. In den Studien CAPRISA 004, iPrEx, PartnersPrEP und TDF2 lag die Effektivität nur zwischen 39 und 75 Prozent, weil viele Teilnehmer ihre Tabletten nicht regelmäßig einnahmen. Aufgrund der kurzen Halbwertzeit der heute verfügbaren antiretroviralen Wirkstoffe ergeben sich schnell Lücken im Infektionsschutz, die dem HI-Virus die Etablierung einer chronischen Infektion ermöglichen.

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Das Compliance-Problem in der PrEP könnte durch eine spezielle Formulierung eines Wirkstoffs gelöst werden, der dieser Tage in Deutschland als Tivicay von ViiV Healthcare, einem Tochterunternehmen von GlaxoSmithKline, in den Handel kommt: Sein Wirkstoff Dolutegravir gehört zu den Integrasehemmern.

Dolutegravir hat nicht nur eine hohe Effektivität gegen HI-Viren, durch seine geringe Löslichkeit in Wasser eignet er sich zur Herstellung von intramuskulären Formulierungen (die nicht mit Tivicay identisch ist) wie GSK744 long-acting (LA), die Wissenschaftler von ViiV Healthcare jetzt in zwei Studien auf ihre Fähigkeit zum Langzeit-HIV-Prophylaktikum testen ließen.

In der ersten Studie in Science (2014; doi: 10.1126/science.1248707) verabreichte ein Team um David Ho vom Aaron Diamond AIDS Research Center in New York 6 Makaken im Abstand von 4 Wochen zweimal intramuskuläre Injektionen mit GSK744 LA. Die Tiere waren zuverlässig vor einer analen Infektion mit dem Hybridvirus SHIV (aus Anteilen von HIV und dem Gegenpart SIV, das Affen infiziert) geschützt, die die Forscher durch niedrigdosierte rektale Expositionen simulierten. In einer Kontrollgruppe ohne PrEP kam es nach durchschnittlich zwei Virusexpositionen zur Infektion.

In einem zweiten Experiment wurde die Wirkdauer einer einmaligen intramuskulären Injektion von GSK744 LA in der Dosis von 50 mg pro Kilogramm Körpergewicht unter­sucht. Die Tiere wurden eine Woche später und danach im wöchentlichen Abstand rektal mit SHIV exponiert. Erst nach 6 bis 17 Expositionen kam es zur Infektion. Laut Ho könnten deshalb intramuskuläre Injektionen mit GSK744 LA im Abstand von 3 Monaten für eine effektive PrEP ausreichen.

Ähnliche Erfahrungen machte ein Team um Gerardo Garcia-Lerma von den Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta, das sechs Schweinsaffen monatlich mit GSK744 LA i.m. behandelte und die Tiere dadurch vor einer Infektion durch zweimal wöchentlich intravaginal eingebrachte Viren schützte (Abstract #40LB). In der Kontrollgruppe ohne GSK744 LA kam es nach median vier Expositionen zur SHIV-Infektion.

Laut Presseberichten ist jetzt eine Studie an 175 Personen aus den USA, Südafrika, Malawi und Brasilien geplant, die zunächst die Sicherheit und die notwendigen Behand­lungsintervalle zum Ziel haben dürfte. Ergebnisse werden erst in drei Jahren vorliegen. Später könnte dann eine größere randomisierte Studie, die die Effektivität wie in den Studien zur oralen PrEP prüfen würde.

Intramuskuläre Injektionen mit GSK744 LA könnten die Compliance-Probleme der oralen PrEP umgehen. Ideal wäre eine Dreimonatsspritze, wie sie viele Frauen in den Hoch­endemie-Ländern Afrikas zur Kontrazeption bevorzugen, weil andere Verhütungsmittel bei den Partnern auf Ablehnung stoßen. Die Spritze könnte die Betroffenen auch vor Missverständnissen bewahren, die sich schnell durch Medikamentenschachteln mit HIV-Medikamenten in der Wohnung ergeben können. © rme/aerzteblatt.de

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