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Politik

Ärzteorganisation kritisiert Vertuschung der gesundheitlichen Folgen der Katastrophe von Fukushima

Donnerstag, 6. März 2014

Berlin – Die internationale Ärzteorganisation IPPNW beklagt anlässlich des dritten Jahres­tages der Reaktorkatastrophe von Fukushima/Japan am 11. März ein mangelndes Interesse der japanischen Regierung an der Untersuchung möglicher strahlenbedingter Erkrankungen. Ärzte und Journalisten würden  in Japan sogar unter Druck gesetzt, wenn sie die Auswirkungen der Katastrophe von Fukushima erforschen wollten, berichtete die Vertreterin der deutschen IPPNW-Sektion, Angelika Claußen, in Berlin. Bei dem Japan-Besuch der deutschen Ärztin im Oktober 2013 sei offensichtlich gewesen, dass die Behörden die Folgen vertuschen und verharmlosen wollten.

Die Ärzte der IPPNW befürchten nun einen Anstieg der Säuglingssterblichkeit, eine Häufung von Leukämieerkrankungen, Lymphomen, Katarakten und kardiovaskulären Veränderungen - wie nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl. Doch Daten aus Japan gibt es nicht ausreichend. „Seitens der japanischen Regierung wird gar nach den Folgen geforscht“, beklagte Claußen.

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Festgestellt worden sei lediglich eine gestiegene Anzahl von Schilddrüsenkrebsfällen. So wurden in der Präfektur um Fukushima im Rahmen eines Screenings 33 an Schilddrüsenkrebs erkrankte Kinder  und Jugendliche (0 bis 18 Jahre) identifiziert. Damit sei die Erkrankungsrate an Schilddrüsenkarzinomen von 0,35 je 100.000 Kinder vor der Reaktorkatastrophe auf jetzt 13 je 100.000 angestiegen, erklärte die Ärztin. Das Schilddrüsenscreeening reiche jedoch nicht aus, um die Vielzahl der möglichen strahlenbedingten Erkrankungen zu erkennen.

Die Kritik der IPPNW an der Vertuschungstaktik der japanischen Regierung untermauerte die japanische Journalistin Oshidori Mako: „Die Medien stehen unter der Kontrolle der Stromkonzerne“, sagte sie in Berlin. Dabei sei die Katastrophe  noch nicht unter Kontrolle. Jeden Tag würden neue Strahlenlecks in Fukushima entdeckt, über die aber nicht berichtet werden dürfe. Auch sie selbst stehe unter Beobachtung der japanischen Regierung.

Zugleich versuchten die Behörden von den Folgen der Radioaktivität abzulenken und die Bevölkerung in Sicherheit zu wiegen, berichtete Oshidori Mako. Dazu würden Schulen und andere Einrichtungen bewusst mit Lebensmitteln aus der Region Fukushima beliefert. So solle deren Unbedenklichkeit demonstriert werden.

Vom 4. bis 7. März findet in Schmitten/Arnoldshain bei Frankfurt/Main eine IPPNW-Tagung zu den Folgen der atomaren Niedrigstrahlung statt. Ärzte und Wissenschaftler aus Japan, Belarus, Deutschland, den USA, Frankreich und Großbritannien befassen sich mit dem  Anstieg von Krebserkrankungen, Veränderungen im Erbgut sowie  Erkrankungen in der 2. und 3. Generation nach. © ER/aerzteblatt.de

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