NewsÄrzteschaftKammer Westfalen-Lippe fordert besonderen Schutz von ADHS-Kindern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Kammer Westfalen-Lippe fordert besonderen Schutz von ADHS-Kindern

Freitag, 7. März 2014

Münster – Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) will die Versorgung von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) verbessern. Betroffen sind der Kammer zufolge rund 600.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland, ADHS sei damit die häufigste Verhaltensstörung in dieser Altergruppe.

„ADHS-Kinder brauchen unseren besonderen Schutz, weil sie häufig missverstanden und ausgegrenzt  werden“, forderte ÄKWL-Präsident Theodor Windhorst. Unklar sei nach wie vor, wie viele Kinder ADHS als Fehldiagnose erhielten und bei wie vielen Kindern ADHS nicht erkannt werde. „ADHS ist nicht nur ein medizinisches Phänomen, sondern hat auch eine von vielen Faktoren beeinflusste gesellschaftliche Dimension“, so Windhorst.

Anzeige

So müsse untersucht werden, ob kindliches Verhalten tatsächlich „hyperaktiv“ sei – oder eher ein Spiegelbild moderner Lebensformen, in denen kindlicher Bewegungsdrang und Impulsivität kein Ventil und keine Akzeptanz fänden und allzu schnell als „auffällig“ angesehen würden.

Genau beobachtet werden müsse, so Windhorst, der ansteigende Verbrauch von Methylphenidat. Insgesamt sei die Verordnung von Antipsychotika für Kinder und Jugendliche zwischen 2005 und 2012 um rund 40 Prozent gestiegen; fast die Hälfte der Medikamente werde wegen hyperkinetischer Störungen eingesetzt. Der Erwartungsdruck auf Ärzte sei groß: „Man muss kritisch fragen, ob nicht manchmal mit der Verordnung von Ritalin auf Drängen von Eltern versucht werden soll, auffällige Kinder und Jugendliche ruhigzustellen, sie anzupassen oder ihre schulischen Leistungen zu verbessern“, warnte der Kammerpräsident.

„Übertherapie“ werde den Bedürfnissen der betroffenen Kinder ebenso wenig gerecht wie eine nicht ausreichende Versorgung. Im Idealfall sollte eine Behandlung verhaltens­therapeutische, medikamentöse und auch die Bildung betreffende Maßnahmen verbin­den. „In jedem Fall jedoch“, forderte Windhorst, „müssen Diagnose und Therapie von ADHS bei einem Facharzt liegen.“ © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. August 2019
Amsterdam – Die Behandlung mit Methylphenidat, dem Standardmedikament für die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, hat in einer randomisierten kontrollierten Studie in Radiology (2019;
ADHS: Verändert Methylphenidat die Hirnentwicklung von Kindern?
8. August 2019
Stockholm – Menschen mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ADHS haben im Verlauf ihres Lebens ein erhöhtes Risiko, auf nicht natürliche Weise zu sterben. Besonders gefährdet sind nach
Erhöhtes Sterberisiko bei ADHS durch Suizide, Unfälle und andere Verletzungen
1. August 2019
Berlin – In Berlin bekommen nach einer Analyse der Techniker Krankenkasse (TK) immer mehr Erwachsene Medikamente gegen die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) verordnet. Die Zahl
Mehr Erwachsene in Berlin erhalten Medikamente gegen ADHS
25. Juli 2019
Düsseldorf – Die Zahl der Kinder mit diagnostizierten Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) ist nach einem Höchststand im Jahr 2014 offenbar wieder rückläufig. Nach einer Erhebung der
Zahl der ADHS-Diagnosen laut AOK-Statistik leicht rückläufig
21. Mai 2019
Philadelphia – Jugendliche mit der Aufmerksamkeits-Defizit- Hyperaktivitäts-Störung ADHS haben in den ersten Jahren als Autofahrer ein erhöhtes Unfallrisiko. Eine häufige Ursache ist nach einer Studie
Teenager mit ADHS häufiger an Autounfällen beteiligt
23. April 2019
Los Angeles – Die nächtliche elektrische Stimulation eines supraorbitalen Astes des Nervus trigeminus hat in einer randomisierten Studie im Journal of the American Academy of Child and Adolescent
US-Zulassung eines Trigeminus-Stimulators zur ADHS-Behandlung von Kindern
12. März 2019
Berlin – Die niedergelassenen Ärzte in Deutschland verordnen Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) seltener Psychostimulanzien wie Methylphenidat. Das
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER