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Medizin

Solomon-Technik: Laser kann fetofetales Transfusionssyndrom kurieren

Freitag, 7. März 2014

Leiden – Die fetoskopische Lasertherapie hat sich in den Jahren vielerorts zur Standardtherapie des fetofetalen Transfusionssyndroms entwickelt. Eine in den Niederlanden entwickelte Solomon-Technik hat in einer Vergleichsstudie im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(13)62419-8) die besten Ergebnisse erzielt.

Bei monochorischen Zwillingsschwangerschaften teilen sich beide Feten eine Plazenta. Beide Kinder können normal gedeihen, wenn in der Plazenta die Blutkreisläufe vonein­ander getrennt sind. Gibt es aber Verbindungen, kann das Blut zwischen den beiden Feten zirkulieren. Es kommt dann schnell zu einer ungleichen Verteilung, die als feto­fetales Transfusionssyndrom bezeichnet wird und unbehandelt in 80 bis 100 Prozent der Fälle zum Tode beider Kinder führt, wobei eine zu frühe Geburt häufig die Ursache ist.

Früher wurde das fetofetale Transfusionssyndrom durch wiederholte Amniozentesen behandelt. Dabei wurde das Fruchtwasser, das vom Feten mit der besseren Blutzufuhr infolge der vermehrten Harnproduktion stark vermehrt ist, regelmäßig abgelassen. Die Behandlung kann häufig eine vorzeitige Geburt verhindern, ändert allerdings nichts an den Ursachen des fetofetalen Transfusionssyndroms.

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Diese können heute häufig durch eine Laserbehandlung behoben werden, bei der ein Arzt über ein Endoskop in der Gebärmutter die Gefäßverbindungen zwischen den beiden Plazenta-Hälften verödet. Anfangs wurden nur die sichtbaren Verbindungen gelasert. Dies schließt allerdings nicht aus, dass es danach zu Rezidiven über nicht sichtbare Verbindungen kommt. Gynäkologen der Universität Leiden plädieren deshalb dafür, die Plazenta an ihrem gesamten Gefäßäquator zu trennen und jedem Feten eine Hälfte zuzuteilen. Die komplette Trennung vergrößert den Eingriff und es war umstritten, ob die Solomon-Technik wirklich die Ergebnisse verbessert.

In einer offenen Studie an fünf europäischen Zentren (keine deutsche Beteiligung) wurden 274 Frauen auf eine Behandlung nach der Solomon-Technik oder nach der konventionellen Lasertherapie randomisiert. Primärer Endpunkt war die Häufigkeit von Komplikationen des fetofetalen Transfusionssyndroms oder ein Tod der Kinder. Dieser ungünstige Ausgang trat, wie das Team um Dick Oepkes vom Medizinischen Zentrum der Universität Leiden berichtet, nach dem Standard-Eingriff in 49 Prozent der Fälle ein, nach der Laserbehandlung mit der Solomon-Technik jedoch nur bei 34 Prozent der Schwangeren. Die Solomon-Technik senkte insbesondere die Häufigkeit einer Anämie/Polyzythämie bei den Kindern (3 versus 16 Prozent), und auch Rezidive des fetofetalen Transfusionssyndroms traten seltener auf (1 versus 7 Prozent) auf.

Möglichkeiten und Grenzen der intrauterinen Chirurgie

Die Möglichkeit zur intrauterinen Korrektur von fetalen Fehlbildungen beschäftigt Pränatalmediziner und Kinderchirurgen. Mögliche Vorteile solcher Eingriffe bestehen in einer besseren Prognose bestimmter kongenitaler Fehlbildungen. Im Gegensatz zu postnatalen Eingriffen wird auch die Mutter einem Risiko unterzogen.

Die Ergebnisse sprechen klar für die neue Technik, findet auch der Editorialist Daniel Skupski vom Weill Medical College of Cornell University, New York (auch wenn die Bestätigung durch eine größere Studie wünschenswert wäre). Für den Spezialisten für Fetalmedizin steht außer Frage, dass die Entwicklung der Laserbehandlung zu den größten Fortschritten in der medizinischen Geburtshilfe gehören. © rme/aerzteblatt.de

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