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Medizin

Alzheimer: Bluttest könnte Demenz vorhersagen

Montag, 10. März 2014

dpa

Washington – Ein Bluttest auf zehn Phospholipide, Bestandteile intakter Nervenzell­membranen im Gehirn und anderswo, hat in einer Studie in Nature Medicine (2014; doi: 10.1038/nm.3466) eine überraschend gute Vorhersage einer Alzheimer-Demenz ermög­licht. Sollten sich die Ergebnisse in größeren Studien bestätigen, könnte der Test in klinischen Studien zum Einsatz kommen.

Nachdem die Diagnose eines Morbus Alzheimer lange Zeit nur postmortal möglich war, stehen mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET mit dem Tracer Pittsburgh Compound-B) und der Liquordiagnostik (auf Abbauprodukte des Amyloidprecursor­proteins) Tests zur Verfügung. Der PET-Scan ist allerdings teuer und zeitaufwendig, die Liquordiagnostik für eine Früherkennung zu umständlich. Da sich aus der Frühdiagnose kein therapeutischer Gewinn ergibt, wird heute in der Regel darauf verzichtet. Ein Blut­test auf Frühformen könnte dies möglicherweise ändern, weshalb verschiedene Forscher­gruppen intensiv nach Biomarkern suchen, die den Untergang von Hirnzellen im Blut anzeigen.

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Das Team um Howard Federoff vom Georgetown University Medical Center in Washing­ton konnte auf Blutproben zurückgreifen, die 525 Teilnehmer der Rochester/Orange County Aging Study abgegeben hatten. Im Verlauf der fünfjährigen Beobachtungsstudie erkrankten 28 Teilnehmer entweder an einem manifesten Morbus Alzheimer oder an amnestischen milden kognitiven Einschränkungen (aMCI), die eine mögliche Vorstufe der Demenz ist. Weitere 46 Teilnehmer waren bereits zu Beginn der Studie erkrankt.

Die Forscher führten zunächst in Plasmaproben von 53 Studienteilnehmern mit aMCI oder Demenz und von 53 Senioren, die gesund geblieben waren, eine umfassende Inventur der Lipide durch. Die Hypothese war, dass bei der Zerstörung von Nervenzellen im Gehirn möglicherweise einige der in den Membranen vorhandenen hochspezifischen Lipide ins Blut freigesetzt würden.

Tatsächlich ermittelte die „Lipidom“-Analyse einige „Verdächtige“: Die Patienten mit mani­fester Alzheimerdemenz oder der Vorstufe aMCI konnten anhand von zehn Phospho­lipiden, typischen Bestandteilen von Nervenzellmembranen im Blut, identifiziert werden. Allerdings waren die Serumkonzentrationen der Phospolipide bei den Patienten nicht vermehrt, sondern vermindert. Der Grund ist nicht klar, hat aber für die Entwicklung eines Tests keine Bedeutung.

Im zweiten Schritt haben die Forscher den Test einer Prüfung an einer zweiten Gruppe von 41 Personen unterzogen. Diese Validierung erfolgte an Teilnehmern der Rochester/Orange County Aging Study, die an der ersten Untersuchung nicht teilge­nommen hatten. Erneut ließen die Lipidmarker erkennen, welche Patienten eine Demenz entwickeln werden und welche nicht.

Federoff gibt die diagnostische Genauigkeit mit 90 Prozent an, ein relativ guter Wert, der andere Experten beeindruckte. Monique Breteler vom Deutschen Zentrum für Neurode­generative Erkrankungen in Bonn meinte gegenüber Nature, dass der Test den Vorteil der Einfachheit habe und die Untersuchung in einer prospektiven Beobachtungsstudie ein Pluspunkt sei. Andere Experten rieten, angesichts der geringen Fallzahl zunächst eine Validierung in weiteren Kohorten abzuwarten.

Federoff hofft, dass der Test in etwa zwei Jahren so ausgereift ist, um ihn in klinischen Studien zu verwenden. In den Studien könnte dann nach medikamentösen Therapien gesucht werden, die den Verlauf der Erkrankung vor Ausbruch der Demenz günstig beein­flussen. Dies ist bei einer manifesten Erkrankung wahrscheinlich nicht möglich, da es dann bereits zu einem nicht mehr umkehrbaren Untergang von Nervenzellen gekommen ist.

© rme/aerzteblatt.de

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