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Medizin

Alkohol schadet vor und während der Schwangerschaft

Dienstag, 11. März 2014

dpa

Leeds – Schon ein geringer Alkoholkonsum kann in den ersten drei Schwanger­schafts­monaten, auf die die kritische Phase der Embryonalentwicklung fällt, die intrauterine Entwicklung stören und zur Geburt eines unreifen Kindes führen. Dies geht aus einer prospektiven Beobachtungsstudie im Journal of Epidemiology and Community Health (2014; doi:10.1136/jech-2013-202934) hervor. Die Autoren raten allen Frauen mit Kinderwunsch zur Abstinenz.

Die 1.264 Teilnehmerinnen der „Caffeine and Reproductive Health“ oder CARE-Studie hatten viermal einen Fragebogen zu ihren Ernährungs- und Trinkgewohnheiten ausgefüllt. Einmal in den vier Wochen vor der Befruchtung und dann jeweils einmal in jedem Trimenon. Dabei stellte sich heraus, dass Frauen in der mittelenglischen Groß­stadt gerne zur Flasche greifen. Zwei Drittel tranken vor der Schwangerschaft Alkohol und mehr als die Hälfte tranken auch während der Schwangerschaft mehr als die offiziell genehmigten zwei Einheiten pro Woche (eine Unit sind 10 ml oder 7,9 g reiner Alkohol).

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Dies ist in der Frühschwangerschaft, wenn sich in der Embryogenese der Bauplan des Körpers entfaltet, eindeutig zu viel: Nach Berechnungen von Camilla Nykjaer von der School of Food Science and Nutrition in Leeds vorgestellten Ergebnisse verdoppelt sich das Risiko auf ein zu früh oder zu klein geborenes Kind, wenn die Schwangeren im ersten Trimenon mehr als zwei Einheiten Alkohol pro Woche tranken.

Doch selbst wenn sich die angehende Mutter im ersten Trimenon an das vorgegebene Limit hielt und weniger als zwei Einheiten pro Woche trank, war noch ein Anstieg bei Früh- oder Mangelgeburten nachweisbar. Das Royal College of Obstetricians and Gynaecologists (RCOG) rät den Frauen deshalb, in der Frühschwangerschaft vollständig auf Alkohol zu verzichten.

Nach den Ergebnissen von Nykjaer sollte sie auch in den Wochen vor der Konzeption, also bei jedem geplanten Kinderwunsch auf Alkohol verzichten. Auch hier war der erhöhte Konsum mit späteren intrauterinen Wachstumsstörungen assoziiert. In der Fetalzeit, also im zweiten und dritten Trimenon scheint die Gefahr für das Kind etwas geringer zu sein als in der Embryonalphase.

Die Studie konnte zwar für das zweite Trimenon noch ein erhöhtes Risiko nachweisen, ein Vertreter des RCOG würde den Frauen in dieser Zeit jedoch zwei Einheiten pro Woche zugestehen, was einem kleinen Glas Weißwein entspricht. Mehr dürfe es aber auf keinen Fall werden. Nykjaer spricht sich dagegen für eine vollständige Abstinenz während der Schwangerschaft und in den Wochen davor aus.

Im Oktober letzten Jahres waren Yvonne Kelly vom University College London und Mitarbeiter in einer Studie an 10.534 Kindern zu dem Ergebnis gekommen, dass ein leichter Alkoholkonsum nicht mit Verhaltensauffälligkeiten oder Lernstörungen der Kinder im Grundschulalter einhergeht (BJOG 2013; 120: 1340-7). © rme/aerzteblatt.de

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