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Nephrologen: Praxiskosten viel zu gering angesetzt – KBV signalisiert Unterstützung

Mittwoch, 12. März 2014

dpa

Berlin – Die Pauschalen für nichtärztliche Sach- und Dienstleistungen (Sachkosten), die bei der Versorgung von gesetzlich krankenversicherten Dialysepatienten in Praxen niedergelassener Nephrologen anfallen, sind im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) um ein Viertel zu niedrig angesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt der Volkswirt Thomas Drabinski, Leiter des Kieler Instituts für Mikrodaten-Analyse, in einem Gut­achten. Auftraggeber ist der Verband Deutscher Nierenzentren (DN), in dem rund 800 Ärztinnen und Ärzte aus mehr als 330 Praxen Mitglied sind.

Nach Drabinskis Analysen liegen die jährlichen Gesamtkosten, was den technischen Leistungsanteil der Praxis anbelangt, im Durchschnitt bei rund 990.000 Euro je Versor­gungsauftrag. Dabei sind die Kosten für Privatpatienten nicht eingerechnet. Im EBM werden nach seiner Darstellung hingegen nur Kosten von etwa 740.000 Euro zugrunde gelegt.

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„Die dem EBM zugrunde gelegte Struktur der Praxiskosten unterschätzt die tatsächliche Struktur um rund 25 Prozent“, so Drabinski. Dies entspricht einer Summe von rund 250.000 Euro je Versorgungsauftrag. In einem EBM-Neubewertungsprozess seien die Dialyse-Sachkosten-Pauschalen deshalb „nicht nur zu überprüfen, sondern auch gründlich zu überarbeiten“, so seine Empfehlung.

Große Beteiligung der nephrologischen Praxen
Für die Auswertung des Kieler Instituts hatte der Berufsverband seine Mitglieder um Daten gebeten. 84 Prozent beteiligten sich an der Erhebung. Arztpraxen und Zentren des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation (KfH) und der Stiftung der Patienten-Heimversorgung (PHV) wurden für die Studie nicht befragt. Ein Großteil der übermittelten Daten ist nach Angaben des Kieler Instituts durch Testate von Steuer­beratern und Wirtschaftsprüfern untermauert. „

Das Ergebnis dieses Verfahrens gibt einen Überblick über die Realität der Dialyse­versorgung in Deutschland, der in dieser Tiefe und Breite bislang nicht existierte“, so der  DN. Er will mithilfe der Daten nachweisen, dass die Nephrologen nicht zu viel verdienen.

Diese Annahme war nach Darstellung des DN-Vorstandsvorsitzenden Michael Daschner in der Zeitschrift Der Nephrologe Anlass für eine Absenkung der Sachkosten-Pau­schalen zum 1. Juli 2013. Damals wurden sie um 100 Millionen Euro jährlich reduziert. Eine weitere Senkung um 80 Millionen Euro jährlich ist für 1. Januar 2015 geplant. Die ursprünglichen Pauschalen habe man 2002 eingeführt und dann zehn Jahre lang nicht mehr angepasst, erinnerte Daschner in seinem Beitrag. „Dabei stiegen die Kosten kontinuierlich; allein die Pflegepersonalkosten liegen um etwa 35 Prozent höher als bei Einführung der Pauschale“, schrieb er. Eine weitere Absenkung will der DN nun mit seinem aktuellen Gutachten verhindern.

KBV: keine zweite Absenkung
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) signalisierte Unterstützung. Man werde die Datenerhebung in die Verhandlungen mit den Krankenkassen einbringen, versicherte KBV-Honorardezernent Ulrich Casser. Sie sei „ein sehr gutes Abbild der Kosten“. Deshalb, stellte Casser klar, werde die KBV einer weiteren Absenkung der Dialyse-Sachkosten nicht zustimmen: „Das wird es nicht geben.“

Die erstmalige Absenkung 2013 ging nach Angaben Drabinskis wesentlich auf Daten des Statistischen  Bundesamtes zurück, die im Jahr 2007 erhoben worden waren. Das Institut des Bewertungsausschusses habe sie genutzt und die Senkung daraus abgeleitet. Nach Ansicht Drabinskis sind die Daten des Amtes jedoch unzulänglich. Dies zeige bereits dessen jüngere Erhebung aus dem Jahr 2013. Zudem sei die verwendete Stichprobe aus 56 Praxen sehr klein. © Rie/aerzteblatt.de

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