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Medizin

Gel mit Integraseinhibitor schützt Affen vor vaginaler HIV-Infektion

Donnerstag, 13. März 2014

dpa

Atlanta – Integraseinhibitoren, die den Einbau von HIV-Genen in die DNA verhindern, könnten eine Postexpositionsprophylaxe nach ungeschützten sexuellen Kontakten mit HIV-Infizierten ermöglichen. Die Schutzwirkung war in einer tierexperimentellen Studie in Science Translational Medicine (2014; 6: 227ra35) jedoch nicht zuverlässig.

Integraseinhibitoren sind eine relativ neue Gruppe von antiretroviralen Wirkstoffen. Ihr Angriffspunkt ist das Enzym Integrase, das Retroviren nutzen, um ihre Gene in die Chromosomen der Wirtszelle einzubauen. Integraseinhibitoren sind im Prinzip die letzte Möglichkeit, nach einer Exposition mit HI-Viren eine chronische Infektion zu verhindern.

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Ob sie damit eine Prä- und Postexpositionsprophylaxe ermöglichen, hat ein Forscher­team um Walid Heneine von den US-Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta zunächst an Zellkulturen untersucht. Dort begann die Integration der HIV-Gene erst sechs Stunden nach der Infektion der Zelle. Danach wurden die Versuche an Makaken fortgesetzt.

In einem ersten Experiment wurden drei Affen 30 Minuten vor einer intravaginalen Exposition mit dem Hybridvirus SHIV (simian/human immunodeficiency virus) mit einem Gel behandelt, das den experimentellen Integraseinhibitor L-870812 enthielt: Nur eines der drei Tiere wurde infiziert.

Im zweiten Experiment wurde das Gel, das dieses Mal den Integraseinhibitor Raltegravir in 1-prozentiger Konzentration, enthielt, 30 Minuten nach der intravaginalen SHIV-Ex­position eingesetzt: Fünf von sechs Tieren wurden geschützt.

Warum die Prophylaxe bei zwei Tieren versagt hat, ist laut Heneine unklar. Es habe keine Hinweise auf eine Resistenz des Virus gegeben. Ob die Experimente klinische Studien veranlassen werden, bleibt abzuwarten. Frühere klinische Studien zu einer Präexposi­tions­prophalaxe mit Gelen hatten zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt.

In der CAPRISA-Studie hatte ein Gel mit ein Prozent Tenofovir die Infektionsrate von Frauen in Südafrika gesenkt, aber keinen zuverlässigen Schutz ermöglicht (Science 2010; 329: 1168-1174). Andere Studien scheiterten an der fehlenden Akzeptanz der Anwenderinnen.

Für eine Postexpositionsprophylaxe scheint Tenofovir weniger geeignet zu sein: Als Prodrug muss es zunächst in der Zelle aktiviert werden, als nukleotidischer Reverse-Transkriptase-Inhibitor greift es relativ früh in die Virusreplikation ein.

Eine Alter­na­tive zum Gel in der Präexpositionsprophalaxe könnte die intramuskuläre Injektion einer antiretroviralen Substanz sein. Tierexperimentelle Befunde, die in der letzten Woche auf der Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections(CROI) vorgestellt wurden, zeigen, dass Dolutegravir, wie Raltegravir ein Integrationshemmer, eine Schutzwirkung über drei Monate erzielen könnte. Auch hier fehlt die Bestätigung durch klinische Studien. © rme/aerzteblatt.de

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