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Ärzteschaft

„Mit der Einigung erreichen wir Flexibilität“

Donnerstag, 13. März 2014

Berlin – VERAH, NäPa, EVA – für Medizinische Fachangestellte gibt es unterschiedliche Angebote, sich fortzubilden. Diese Entscheidung soll ihnen nun durch eine gegenseitige Anerkennung der verschiedenen Qualifikationen von Deutschem Hausärzteverband und Bundes­ärzte­kammer erleichtert werden. Max Kaplan, der die Einigung für die Bundes­ärzte­kammer verhandelt hat, erläutert Einzelheiten der Abmachung und ihre honorarpolitischen Hintergründe.

5 Fragen an Max Kaplan, Vorsitzender des Fachberufegremiums der Bundes­ärzte­kammer

DÄ: Herr Kaplan, wieso war es wichtig, sich auf eine gegenseitige Anerkennung der verschiedenen Qualifikationen zu einigen?
Kaplan: Dafür gab es verschiedene Gründe. Um sie nachzuvollziehen, muss man die Ausgangssituation kennen. Der Deutsche Hausärzteverband bietet bislang Medizinischen Fachangestellten (MFA) über das Institut für hausärztliche Fortbildung eine Weiterqualifikation zur Versorgungsassistentin an, abgekürzt VERAH. Die Inhalte dieser Qualifikation sind verständlicherweise sehr stark an den Bedürfnissen einer Hausarztpraxis orientiert. Der Einsatz einer VERAH, zum Beispiel bei arztentlastenden Hausbesuchen, wird im Rahmen von Verträgen zur hausarztzentrierten Versorgung honoriert. Im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) ist aber keine kostendeckende Abrechnungsziffer vorgesehen. Vielmehr ist es nur möglich, auf Basis der EBM-Ziffer 40240 den an eine MFA delegierten Hausbesuch mit 5,10 Euro abzurechnen.

Über den EBM können darüber hinaus zwar mit den Ziffern 40870 und 40872 ebenfalls an eine MFA delegierte Hausbesuche abgerechnet werden – aber ­ nur, wenn in dem Einsatzgebiet eine Unterversorgung herrscht oder droht.  Dann gibt es 17 Euro. Das sieht der Bundesmantelvertrag vor, der von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen vereinbart worden ist.

Die Abrechnungsmöglichkeit besteht dann, wenn die eingesetzte Medizinische Fachan­gestellte eine Qualifikation nachweisen kann, die weitestgehend dem von der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) entwickelten Curriculum „Nichtärztliche Praxisassistentin“ (NäPa) entspricht. Eine VERAH-Qualifikation wurde hierfür bisher nicht berücksichtigt.

Dem Hausärzteverband, der BÄK und der KBV war nun daran gelegen, eine einheitliche Qualifikationsanforderung bei gegenseitiger Anerkennung der jeweiligen Qualifikation zu entwickeln und damit auch die Honorierung speziell qualifizierter MFA über den EBM voranzutreiben.

Die Honorierung erleichtern
DÄ: In der nächsten Reformstufe des EBM-Hausarztkapitels will die KBV erreichen, dass es für einen arztentlastenden Einsatz qualifizierter Medizinischer Fachangestellter mehr Honorar gibt, egal, ob sie in unterversorgten Gebieten tätig sind oder nicht. Was nutzt hier die Einigung?
Kaplan: Mit der Einigung erreichen wir Flexibilität. Die gegenseitige Anerkennung ermöglicht es, möglichst niederschwellig eine weitere Qualifikation zu erlangen, wenn man als MFA bereits eine erreicht hat. Und wenn wir dann gegenüber dem Spitzenverband der Krankenkassen mit einer einheitlichen, gleichwertigen Qualifikation auftreten, hat das einen ganz anderen Stellenwert, als wenn man für eine künftige EBM-Ziffer über unterschiedliche Qualifikationen verhandeln muss. Die Einigung war also wichtig, damit die arztentlastenden Leistungen, egal, ob durch eine bisherige VERAH oder eine NäPa, über den EBM adäquat honoriert werden. Gleiches gilt für die Hausarztverträge.

DÄ: Wie ist die gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen denn geregelt?
Kaplan: Wir haben uns grundsätzlich auf zweierlei verständigt: Einerseits sollen die Hürden nicht zu hoch sein, wenn eine MFA auf ihre ursprüngliche Qualifikation zum Beispiel zur VERAH noch die zur Nichtärztlichen Praxisassistentin satteln will. Andererseits soll aber auch die ursprüngliche Qualifikation noch erkennbar sein. Hier hat eine Rolle gespielt, dass der Deutsche Hausärzteverband ja Verträge geschlossen hat und sowohl bei seinen Mitgliedern wie den Krankenkassen im Wort steht. Und auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung muss sich an die geschlossene Vereinbarung mit den Kassen halten.

Was wir konkret beschlossen haben, sind präzise Vorgaben. Ich verdeutliche das an einem Beispiel. Das BÄK-Curriculum für die Fortbildung zur Nichtärztlichen Praxisassistentin oder zur EVA, wie sie in Nordrhein-Westfalen heißt, enthält unter anderem die Module Patientenbegleitung und Patientenkoordination sowie Versorgung älterer Menschen. Das VERAH-Curriculum enthält Module wie das Besuchs- und das Case-Management.

Manches nennt sich anders, aber viele Fortbildungsinhalte überlappen sich. Das erkennen wir nun gegenseitig an und legen ganz klar fest, was für die gewünschte weitere Qualifikation noch fehlt. Wenn sich jetzt eine NäPa zusätzlich zur VERAH qualifizieren will, dann muss sie ein Zusatzmodul Praxismanagement belegen. Und ihr Arbeitgeber muss bescheinigen, dass sie bestimmte praktische Erfahrungen besitzt und er dies auch kontrolliert hat.

Kompetenzbescheinigungen: in Zukunft verbindlicher
DÄ: Im Fall der VERAH-Qualifikation gab es hin und wieder Kritik an den Kompetenzbescheinigungen des Praxisinhabers. 54 von 200 Fortbildungsstunden können ja durch solche Bescheinigungen abgedeckt werden. Was ist hier vereinbart worden?
Kaplan: Wir haben uns darauf verständigt, dass diese Bescheinigungen konkreter und verbindlicher formuliert werden. Es wird nun genauer festgehalten, welche Qualifikationen der Arzt seiner MFA vermittelt hat. So ist viel leichter nachzuvollziehen, was sie kann – egal, ob es um Hausbesuche oder das Case-Management geht. Dieser Ansatz ist auch für die NäPa sinnvoll. Schließlich spielt für die Fortbildungsanforderungen in beiden Fällen eine mehrjährige Berufserfahrung eine große Rolle. Sie drückt sich bei der NäPa durch festgelegte Zeiten aus und bei der VERAH eben durch Kompetenzbescheinigungen.

DÄ: Und wie geht es weiter?
Kaplan: Ich könnte mir vorstellen, dass wir irgendwann eine einheitliche Qualifikation für alle Fachgebiete anbieten. Bestimmte Module wären dann verpflichtend für alle Medizinischen Fachangestellten, die sich speziell fortbilden, beispielsweise solche für Praxis-, Notfall- oder Case-Management. Andere könnte man wählen, je nachdem, ob sie für die Tätigkeit in der jeweiligen Praxis sinnvoll sind oder nicht. Das spielt vor allem für Facharztpraxen eine große Rolle.

Eine MFA benötigt ein Modul Hygiene, eine andere eines zum Thema Reha oder zu Patientenschulungen. Durch solche Module könnte man den Herausforderungen noch besser gerecht werden, die die Suche nach Arztentlastung und –unterstützung mit sich bringt. © Rie/aerzteblatt.de

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