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Onkologen fordern kritische Prüfung der Früherkennung

Donnerstag, 13. März 2014

dpa

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO)  fordert eine Überprüfung der Krebsfrüherkennungsangebote in Deutschland. Das machte ihr Vorstand bei einer Tagung heute in Berlin deutlich. „Bestimmte Verfahren der Krebsfrüherkennung können helfen, die Sterblichkeitsraten bei Krebs zu verringern“, sagte Mathias Freund, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO. „Die notwendigen Untersuchungen vermitteln den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zwar Sicherheit, können aber auch durchaus eine Belastung darstellen und möglicherweise zu Über­diagnostik oder sogar Übertherapie führen.“

Der Umgang mit Krebs müsse sich deshalb auch im Hinblick auf die Früherkennung am aktuellen Stand des medizinischen Wissens orientieren, ergänzte Freund. Gerade die rasche Erweiterung des Wissens erfordere eine kritische und differenzierte Betrachtung der aktuell implementierten Früherkennungsprogramme.

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Zur Früherkennung auf Brustkrebs erläuterte Ulrich Bick, stellvertretender Direktor am Institut für Radiologie der Charité Berlin: „Durch regelmäßiges Mammographie-Screening alle zwei Jahre bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren kann die Brustkrebssterblichkeit um etwa 20 bis 30 Prozent gesenkt werden.“ Der Nutzen dieses Screenings, so Bick, sei jedoch nicht für alle Frauen gleich hoch. So könne es bei Frauen mit sehr dichtem Drüsenparenchym sinnvoll sein, ergänzende Untersuchungen wie eine Sonographie oder eine Magnetresonanztomographie der Brust durchzuführen.

Risikogruppen noch stärker berücksichtigen
Darüber hinaus müsse man Risikogruppen noch stärker berücksichtigen, forderte Bick: „Bei Frauen mit einer starken familiären Belastung oder einer nachgewiesenen genetischen Disposition für Brustkrebs sollte die Brustkrebsfrüherkennung deutlich früher begonnen und mit kürzeren Intervallen durchgeführt werden. Auch kommt bei diesen Frauen der Magnetresonanztomographie der Brust in der Früherkennung eine wesentlich größere Bedeutung zu.“

Bick verwies darauf, dass zahlreiche Erkenntnisse aus Studien in Skandinavien und Nordamerika stammten. Denn hierzulande verhindert nach seinen Worten der unzulängliche Ausbau von Krebsregistern genauere Einblicke in die Mortalitäts­entwicklung: „Wir wissen deshalb nicht, welchen Effekt das Screening in Deutschland hat.“

Um die eigenen Positionen zu untermauern und über den Stand der Krebsfrüherkennung in Deutschland zu informieren, hat die DGHO einen Band zum Thema in ihrer gesund­heitspolitischen Schriftenreihe herausgegeben. „Krebsfrüherkennung in Deutschland 2014“ gibt eine Übersicht über die verfügbaren Methoden der Früherkennung und der primären Prävention. Der Band informiert für jede aufgeführte maligne Erkrankung unter anderem über Risikofaktoren, den Einfluss neuer Therapieverfahren auf die Krankheit, Methoden der Früherkennung, deren Risiken und Ergebnisse.

Nutzen prüfen, graues Screening regeln
Die Fachgesellschaft hat zudem Forderungen aufgestellt, um die Qualität der bisherigen Krebsfrüherkennungsprogramme zu verbessern und neue Methoden zu integrieren. Sie fordert beispielsweise eine transparente Nutzenbewertung der jetzt von den Kranken­kassen finanzierten Programme in Bezug auf die Senkung der Sterblichkeit, die Vermei­dung von Belastungen durch eine fortgeschrittene Krebskrankheit und die Kosten. Aber auch Regeln für den Einsatz von Maßnahmen außerhalb der bisherigen Früher­kennungs­programme, also das sogenannte graue Screening, zum Beispiel beim PSA-Test, wurden verlangt.

„Die Krebsforschung erbringt laufend neue Erkenntnisse“, betonte Bernhard Wörmann, Medizinischer Leiter der DGHO und Autor des neuen Bandes. „Aus diesem Grund müssen auch Maßnahmen der Krebsfrüherkennung regelmäßig auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden: Überflüssiges und Schädliches weglassen, Neues und Sinnvolles integrieren, in den vorhandenen Programmen Qualität sichern.“ © EB/Rie/aerzteblatt.de

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