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Medizin

Darmflora: Dysbiose markiert Beginn des Morbus Crohn

Donnerstag, 13. März 2014

Boston – Patienten mit Morbus Crohn haben bereits zu Beginn ihrer Erkrankung eine Störung der Darmflora. Dies ergab die bisher größte Mikrobiom-Analyse zu der entzündlichen Darm­er­krank­ung, deren Ursache unbekannt ist. Die Publikation in Cell Host & Microbe (2014; 15: 382-392) wirft ein neues Licht auf die Pathogenese und unterstreicht, dass die Gabe von Antibiotika, die viele Patienten im Vorfeld der Diagnose erhalten, schädlich sein könnte.

Der Morbus Crohn, der in den Darmkrypten der Schleimhaut beginnt, bevor er auf die gesamte Darmwand und manchmal auch auf deren Umgebung übergreift, wird schon seit längerem mit einer Störung der Darmflora in Verbindung gebracht. Sie könnte nach einer Hypothese bei genetisch prädisponierten Menschen eine entzündliche Reaktion ansto­ßen, die sich dann verselbstständigt.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Patienten mit Morbus Crohn häufig Störungen der Darmflora aufweisen, die auch als Dysbiose bezeichnet wird. Die Veränderungen könnten aber auch Folge der Erkrankung sein. Hinzu kommt, dass viele Patienten mit Antibiotika behandelt werden, bevor die Diagnose gestellt wird.

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Das Team um Ramnik Xavier vom Massachusetts General Hospital in Boston hat für ihre Studie gezielt nach jüngeren Patienten gesucht, deren Erkrankungsbeginn noch nicht lange zurückliegt, und die noch keine Behandlung des Morbus Crohn erhalten haben, die heute mit einer Reihe von antientzündlichen Medikamenten erfolgt.

An 28 Zentren wurden 447 zumeist pädiatrische Patienten gefunden, von denen nur etwa 10 Prozent wegen des Verdachts einer anderen Darm­er­krank­ung unmittelbar zuvor mit Antibiotika behandelt worden waren. Bei allen Patienten wurden Biopsien aus dem Ileum und dem Rektum sowie eine Stuhlprobe entnommen und auf die Bakterienzu­sammensetzung hin untersucht. Die Befunde wurden mit denen von 221 Kindern verglichen, die an nicht-entzündlichen Darm­er­krank­ungen litten.

Die größten Unterschiede wurden in den Biopsien gefunden. In den entzündlichen Läsionen überwogen Enterobacteriaceae, Pasteurellaceae, Veillonellaceae und Fusobacteriaceae, während die Zahl von Erysipelotrichales, Bacteroidales und Clostridiales, die mit einer gesunden Darmflora verbunden werden, vermindert war.

Die Dysbiose war nicht nur in der Ileumschleimhaut, sondern auch in den Rektum­biopsien nachweisbar, selbst wenn diese noch nicht von der Erkrankung befallen waren. Die Stuhlproben waren dagegen unauffällig. Xavier vermutet, dass die Erkrankung noch nicht weit genug fortgeschritten war, um die gesamte Darmflora zu verändern.

Bei den etwa 10 Prozent der Patienten, die bereits Antibiotika erhalten hatten, war die Dysbiose besonders deutlich ausgeprägt, berichten die Autoren. Sie befürchten, dass die Antibiotikatherapie den Krankheitsverlauf negativ beeinflusst haben könnte (was sich allerdings durch eine Querschnittsstudie nicht beweisen lässt). Sollte die Dysbiose tatsächlich (einer der) Auslöser des Morbus Crohn sein, könnte eine Veränderung der Darmflora die entzündliche Erkrankung möglicherweise günstig beeinflussen. Konkrete Ansätze einer derartigen Mikrobiom-basierten Therapie gibt es allerdings derzeit nicht.

Offen ist die Frage, was die Veränderung der Darmflora bei den Patienten ausgelöst hat. Neben einem häufigen Einsatz von Antibiotika bei Kindern könnten auch Ernährungsge­wohnheiten eine Rolle spielen, sagte Séverine Vermeire von der Katholischen Universität in Löwen in Belgien gegenüber Science. Die Gastroenterologin hatte in einer früheren Studie zeigen können, dass häufig auch die nicht-erkrankten Familienmitglieder die gleiche Störung der Darmflora aufwiesen wie die Crohn-Patienten (Gut 2011; 60: 631-637). © rme/aerzteblatt.de

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