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Medizin

Anorexie: Oxytocin deckt emotionale Störung auf

Donnerstag, 13. März 2014

dpa

London – Ihre starke Fixierung auf Diät und Körperfigur könnte bei den zumeist weib­lichen Patienten mit Anorexia nervosa Folge einer sozialen Isolation sein, die Psychiater in zwei aktuellen Studien durch die Gabe des Hormons Oxytocin aufbrechen möchten.

Eines von 150 Mädchen entwickelt während der Pubertät eine Magersucht, die durch die Ernährungsstörung oder infolge von Suiziden zu den häufigsten Todesursachen junger Mädchen gehört. Therapeuten gelingt es häufig nicht, einen Kontakt zu ihren Patien­tinnen aufzubauen, die häufig allen Argumenten gegenüber unzugänglich bleiben.

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Janet Treasure vom Institute of Psychiatry am Londoner King's College London vermutet, dass die „Isolation“ der Patientinnen die Folge einer tiefen Vertrauenskrise ist, die sie unfähig macht Bindungen mit anderen Menschen aufzunehmen. Das Hormon Oxytocin, das bei stillenden Müttern die Bindung zum Kind fördert und auch bei Partnerbe­ziehungen eine Rolle spielen soll, könnte nach Ansicht der Psychiaterin bei Anorexie-Patientinnen die Ketten sprengen, die eine therapeutische Verbindung verhindern.

Ihre Untersuchungen, die jüngst in PLOS One (2014; doi: 10.1371/journal.pone.0090721) und aktuell in Psychoneuroendocrinology (2014; doi: org/10.1016/j.psyneuen.2014.02.019) erschienen sind, zeigen, dass Anorexie-Patientinnen auf psychologische Schlüsselreize anders reagieren als andere Teenager, und dass Oxytocin hier eine Veränderung bewirken kann.

Im ersten Test wurden den 64 Probanden, 31 Anorexie-Patienten und 33 Kontrollen, Bilder zum Thema Essen (Speisen mit hohem und niedrigem Kaloriengehalt), Körperform (dünne und dicke Menschen) und Körpergewicht (verschiedene Skalen) gezeigt. Die Anorexie-Patienten reagieren bei diesen Tests besonders stark auf die von ihnen negativ empfundenen Bilder von hochkalorischen Nahrungsmitteln und adipösen Menschen. Nach der intranasalen Gabe von Oxytocin war die negative Aufmerksamkeit deutlich abgeschwächt, berichtet Treasure.

Eine ähnliche Wirkung wurde in einem zweiten Experiment erzielt. Dieses Mal wurden den gleichen Probanden Bilder von Menschen mit freundlichen, wütenden oder „ekeligen“ Gesichtern gezeigt. Die Teenager mit Anorexia nervosa reagieren normalerweise beson­ders stark auf „ekelige“ Gesichter, während sie den Blick auf wütende Gesichter meiden. Nach der Gabe des „Vertrauenshormons“ Oxytocin änderte sich die Aufmerksamkeit. Die Fixierung auf „eklige“ Gesichter wurde abgeschwächt, wütende Gesichter wurden für die Patientinnen interessanter. Es bestanden allerdings weiterhin Unterschiede zu den gesunden Probanden der Studie.

Treasure glaubt aufgrund der Ergebnisse, dass eine Behandlung mit Oxytocin die unbewusste Fixierung der Patientinnen auf Nahrungsmittel und Körperfigur abschwächen und die soziale Isolation abbauen könnte. Sie gesteht allerdings ein, dass derzeit völlig unklar ist, ob sich dies auch günstig auf die Essstörung der Patientinnen auswirkt. © rme/aerzteblatt.de

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