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Politik

Prävention soll ungleiche Gesundheitschancen kompensieren

Freitag, 14. März 2014

dpa

Berlin ­– Krankheit und Armut gehen Hand in Hand. So verringert Armut in Deutschland die Lebens­erwartung erheblich. Frauen aus der niedrigsten Einkommensgruppe sterben hierzulande 8,4 Jahre früher als Frauen aus der höchsten. Bei Männern beträgt die Differenz sogar fast elf Jahre. Ärmere  sind außerdem früher und häufiger körperlich krank. Darauf wies Thomas Lampert vom Robert-Koch-Institut (RKI) anlässlich des Kongresses „Armut und Gesundheit“ hin, der heute und morgen in Berlin stattfindet. In seiner Publikation „Gesundheitsberichterstattung kompakt“ Nummer 2/2014 präsentiert das RKI aktuelle Zahlen zum Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Gesundheit. 

Die Erkenntnisse sind nicht neu, werden sie doch immer wieder durch nationale und internationale Studien bestätigt. „Wir haben eindeutig ein Umsetzungsdefizit“, räumte die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) ein. Deshalb setzt sie große Hoffnungen in das Präventionsgesetz, das ihren Angaben nach noch dieses Jahr verabschiedet werden soll.

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Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, bezeichnete das geplante Gesetz als vielversprechend. „Prävention und Gesund­heits­förder­ung kann die bestehenden Ungleichheiten nicht beseitigen, aber sie kann einen Teil davon wirksam und nachhaltig kompensieren“, sagte er. Dazu bedürfe es aber anderer Wege als der klassischen Gesundheitserziehung über Kurse, materielle Anreize und Strafen.

Vielmehr müssten Menschen in ihren Lebenswelten, also in Kitas, Schulen, Stadtteil­projekten, Betrieben oder Senioreneinrichtungen darin unterstützt werden, ihre Umge­bung nach den eigenen Bedürfnissen gemeinsam und gesundheitsförderlich zu gestal­ten. Politiker wie Prüfer-Storcks unterstützen diesen Ansatz. Nach ihrer Auffassung sollen 80 Prozent der Präventionsgelder künftig für Lebensweltenansätze fließen.

Die Hamburger Gesundheitssenatorin gab allerdings auch zu bedenken, dass es für Arbeitslose, die sehr stark betroffen sind, keine Settings gibt. „Wir müssen auch für sie diese Lebenswelt schaffen. Gesund­heits­förder­ung ist mindestens genauso wichtig wie der Erhalt der beruflichen Kompetenz“, betonte sie. Will man die Menschen in ihrer Umgebung erreichen, sind Länder und Kommunen stark gefragt – darin waren sich Prüfer-Storcks und Rosenbrock einig.

„Unter den jetzigen Rahmenbedingungen haben wir aber vor Ort einen Flickenteppich an Angeboten, der sich kommunal kaum oder gar nicht steuern lässt“, kritisierte allerdings Anne Janz, Dezernentin für Jugend, Schule, Frauen und Gesundheit in Kassel und Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Deutschen Städtetag. Es sei völlig intransparent, welcher Leistungsträger und welche Akteure wo welche präventiven und gesundheitsfördernden Aktivitäten anböten.

„Kommunen und der öffentliche Gesundheitsdienst müssen im Rahmen von Prävention und Gesund­heits­förder­ung eine stärkere Rolle und Handlungsmacht erhalten“, forderte Janz. Dafür seien ein verlässlicher Rahmen, Verbindlichkeit und zusätzliche Ressourcen notwendig. Gefragt seien außerdem langfristig angelegte Strategien, die neben konkreten Angeboten zur Gesund­heits­förder­ung auch das Setting selbst gesundheitsfördernd verändern helfen, also nachhaltig und strukturverändernd wirken.

„Wir brauchen sicherlich eine Abkehr von der ,Projektitis‘ hin zur Nachhaltigkeit, beispielsweise durch mehrjährige Programme“, pflichtete ihr Prüfer-Storcks bei. Daher sei es bei der Prävention nicht sinnvoll, dass die Krankenkassen alle „getrennt marschierten“. Aus Sicht der Hamburger Gesundheitssenatorin sollten sie den Schwerpunkt bei diesem Thema vielmehr auf Kooperation statt auf Wettbewerb setzen. © ank/aerzteblatt.de

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