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Medizin

Pylorusstenose durch Makrolid-Antibiotika

Freitag, 14. März 2014

Kopenhagen – Neugeborene, die in den ersten Lebenswochen mit Makrolid-Antibiotika behandelt werden, erkranken einer Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt BMJ (2014; 348: g1908) zufolge häufiger an einer Pylorusstenose. Selbst eine Exposition über die Muttermilch scheint das Risiko zu erhöhen.

Warum es bei manchen Neugeborenen in den ersten Lebenswochen zu einer Hyper­trophie des Magenpförtners kommt, die durch häufiges Erbrechen Gesundheit und Leben des Kindes gefährdet und häufig nur durch eine chirurgische Längsspaltung des Ringmuskels behandelt werden kann, ist unbekannt.

Zu den Risikofaktoren, die bereits in früheren Studien ermittelt wurden, gehört die Behandlung mit dem Makrolid Erythromycin, das manchmal zur Behandlung von Keuchhusten eingesetzt wird. Marie Lund vom Statens Serum Institut in Kopenhagen hat hierzu jetzt die Daten eines dänischen Patientenregisters, das die Operationen erfasste, mit den Verordnungen von Makroliden in einem anderen Register abgeglichen, was in Dänemark aufgrund der persönlichen Identifikationsnummer aller Einwohner problemlos möglich ist.

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Die Assoziation fiel überraschend deutlich aus: Neugeborene, die in den ersten 13 Tagen nach der Geburt mit Makroliden behandelt wurden, erkrankten fast 30-fach häufiger als andere an einer hypertrophischen Pylorusstenose. Bei einer Verordnung zwischen dem Tag 14 und 120 war das Risiko noch um den Faktor 3,24 erhöht. Die Risk Ratios waren signifikant, obwohl die Pylorusstenose in Dänemark selten geworden ist. In den Jahren 1996 bis 2011 wurden im ganzen Land nur 880 Kinder operiert.

Lund kann erstmals zeigen, dass auch die Verordnung von Makroliden an die Mutter in den ersten 13 Tagen nach der Geburt des Kindes mit einer erhöhten Rate von Pylorusstenosen bei ihrem Kind verbunden war. Die Rate Ratio betrug hier 3,49, und sie war ebenfalls signifikant. Bei einer späteren Verordnung an die Mutter gab es keine Assoziation mehr.

Da Makrolide in die Muttermilch übergehen und in Dänemark die meisten Kinder in den ersten Lebensmonaten gestillt werden, ist das erhöhte Risiko biologisch plausibel. Makrolide wirken im Magenantrum als Agonisten am Motilinrezeptor. Die dadurch gesteigerte Magentätigkeit könnte zu einer Hypertrophie der Muskulatur führen, an deren Ende der Verschluss des Magenpförtners steht. Als Kohortenstudie kann sie eine Kausalität allerdings nicht beweisen.

Die Auswirkungen der Makrolide waren beträchtlich. Durch die Verordnung in den ersten beiden Lebenswochen erhöhte sich die Zahl der später operativ korrigierten Pylorus­stenosen um 24,4 Fälle pro 1000 Kinder. Die Autoren raten den Ärzten deshalb, nach Möglichkeit auf die Verordnung von Makroliden in den ersten Lebenswochen zu verzichten. Dies dürfte umso leichter fallen, als infolge der verbreiteten Impfung die Zahl der Keuchhustenerkrankungen deutlich gesunken ist. Dies könnte wiederum erklären, warum die Inzidenz der Pylorusstenosen in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückge­gangen ist. © rme/aerzteblatt.de

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